Chancen und Risiken von Social Media – Oliver Thiel (Stayfriends) im Interview mit Janine Mehner

Social-Media-Kanäle werden von einem breiten Publik jeder Altersklasse genutzt. Sie bergen für ihre Nutzer nicht nur Chancen auf zwischenmenschliche Kontakte oder die Möglichkeit neue Menschen kennen zu lernen, sondern auch Risiken wie Cyber-Mobbing oder anderen Missbrauch. Oliver Thiel, Geschäftsführer von Stayfriends, spricht über die Chancen und Risiken von Social-Media-Plattformen im Interview mit Janine Mehner.

Janine Mehner: Herzlich Willkomen! Heute spreche ich mit Oliver Thiel, dem Geschäftsführer des größten deutschsprachigen Social Media Netzwerk Stayfriends, über Chancen und Risiken von Social Media.

Stayfriends ist mit mehr als 20 Millionen Usern Deutschlands größte Social Media Plattform. Was sind die Besonderheiten von Stayfriends?

Oliver Thiel:  Stayfriends macht so besonders, dass man hier seine Freunde der Vergangenheit insbesondere findet. Und man findet sie. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Plattformen, wo es um andere Thematiken geht. Da geht es nicht um die Vergangenheit, da geht es mehr um die Gegenwart. Stayfriends schaut mit wem war ich gut in der Schule zusammen. Mit war ich danach lange befreundet und so lange ich noch weiß wie die Personen heißen oder wo sie zur Schule gegangen sind, dann finde ich sie im Normalfall bei Stayfriends auch.

Janine Mehner: Wie gut decken sie denn die deutsche Schullandschaft ab?

Oliver Thiel: Die decken wir sehr gut ab. Im Bezug auf, wenn man Schulen und Schulfreunde voneinander separiert, da muss man sagen: Wir haben über 100 .000 Schulen registriert. Da würde manch einer sagen, so viele gibt es doch gar nicht in Deutschland. Das stimmt! Es gibt auch noch etwa rund 40.000 Schulen in Deutschland, aber die hatten zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Namen und waren auch an unterschiedlichen Orten. Dann ist die von der Straßenecke zur Straßenmitte gezogen. Und diese Historie der Schulen decken wir auch zu einem großen Teil ab. Bei den Schülern selbst kommt es darauf an, wann diese Schüler zur Schule gegangen sind. Unsere Hauptzielgruppe ist knapp 50 plus. Das heißt Menschen mit diesem Alter finden einen sehr kompletten Jahrgang der Schule vor. Menschen, die deutlich jünger sind, da dünnt es sich deutlich aus.

Janine Mehner: Stayfriends gibt es jetzt seit mehr als 18 Jahren. Das heißt noch vor Facebook gegründet. In welchen Ländern sind sie aktiv?

Oliver Thiel: Ja, wir sind in Schweden Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz aktiv. Wir haben es ja schon gesagt. Wir haben ein Netzwerk von insgesamt 20 Millionen Nutzern. Registriert sind deutlich mehr. Wir zählen aber nur diese 20 Millionen, weil nur diese auch wirklich noch erreichbar sind und auch auf die Plattform zurückkehren.

Janine Mehner: Was unterscheidet sie von anderen Social Media Plattformen?

Oliver Thiel:  Als Stayfriends sammeln wir nicht besonders viele Daten von Nutzern, denn darum gehts nicht. Es geht darum, dass wir Menschen wieder miteinander verbinden. Dass Menschen Emotionen, die sie vorher hatten, weil sie sich kannten, weil sie sich getroffen haben, in der Schule auf dem Pausenhof, das sie diese wieder erleben. Dafür braucht man nicht viel, dafür brauchen wir den Namen, dafür braucht man ein Bild. Ein Klassenfoto weckt besonders viele Emotionen und vielleicht die eine oder andere Anekdote an die Schulzeit von früher auf unserer sogenannten Schulpinnwand. Wir sammeln nicht ein Foto nach dem anderen, wir sammeln nicht ein Mittagessen nach dem anderen, das ist gar nicht unsere Intention. Wir wollen einfach Menschen wieder miteinander in Kontakt bringen.

Janine Mehner: Sie haben gerade gesagt, Sie sammeln nicht so viele Daten, aber ganz ohne Daten geht es ja auch nicht. Das Thema Datenschutz, wie ist das bei ihrer täglichen Arbeit?

Oliver Thiel: Datenschutz ist bei uns ein ganz wesentliches Thema, das war’s aber auch schon immer. Auch vor der DSGVO-Novelle, auch bevor manch andere Regelungen kamen. Wir haben vieles schon nicht getan bevor es Gesetz wurde, muss man dazu sagen. Wir haben immer danach gearbeitet: was halten wir selber für moralisch und ethisch vertretbar? Wie würden wir selber behandelt werden wollen? Dem zufolge findet man nicht viele Daten von Stayfriends außerhalb von Stayfriends. Man kann zum Beispiel nach manchen Namen, wenn die Nutzer das erlaubt haben, googlen und die sind besser zu finden, als deine ehemalige Klasse. Aber ansonsten findet man nichts außerhalb von Stayfriends. Und auch innerhalb von Stayfriends gehen wir sehr sparsam mit der Anzeige von Daten um. Ich glaube das ist richtig so. Wenn jemand in der 1 zu 1 Kommunikation mehr preisgeben möchte, dann kann er das gerne tun. Aber ansonsten beschränken wir das auf das wesentliche.

Janine Mehner: Wie finanzieren sie sich?

Oliver Thiel: Es gibt zwei Möglichkeiten wie Stayfriends Geld verdient. Es gibt ein sogenanntes Freemium Modell, das heißt zunächst registriert man sich kostenlos, kann ausprobieren auf der Seite, sind da eigentlich die Schüler, für die ich mich interessiere. Und wenn dem so ist, dann muss eine der beiden in Kontakt tretenden Personen dafür bezahlen. Bezahlen bedeutet: man schließt ein Abo ab, dass über ein oder maximal 12 Monate geht. Das kostet dann zwischen 2 oder 3 Euro im Monat, je nachdem welches Modell ich wähle. Also ein sehr überschaubarer Kostenbeitrag. Wir haben auch etwas Werbung, die wir auf der Website einblenden, aber wir wollen an sich das Erlebnis des Benutzers durch Werbung nicht zerstören. Von daher wird das sehr moderat im Hintergrund gehalten und spiegelt daher auch nur einen kleinen Anteil am Gesamtverdienst von Stayfriends wider.

Janine Mehner: Bei Social Media Plattform ist ja ein großes Problem auch Cyber Mobbing oder Trolling. Haben sie auch mit sowas zu tun?

Oliver Thiel: Mit so etwas haben wir zum Glück fast gar nichts zu tun. Das liegt daran, dass sich jemand an seiner ehemaligen Schule, in seinem ehemaligen Jahrgang registrieren muss. Er muss auch seinen Klarnamen dabei angeben. Ansonsten gibt es durchaus sehr aufmerksame ehemalige Mitschüler in der Klasse, die melden sich bei uns sehr schnell. Zum Beispiel hat sich mal ein Mann an einer ehemaligen Mädchenschule eingetragen. Das viel dann relativ schnell auf. Aber da gibt es natürlich auch viele einfachere Beispiele: Von jemandem der sich versucht mit falschem Namen einzutragen, weil er schon einen Klarnamen benutzt. Aber da es solche Klassenwarte gibt, die uns darüber informieren und hat kaum jemand die Chance sich mit einem falschen Account bei Stayfriends zu registrieren. Auch dieses Thema, das man sonst in Foren hört, dass die Menschen dort schwer miteinander auskommen und es mehr menschelt, könnte man manchmal sagen, das haben wir wenig, weil wir an sich bei Stayfriends überhaupt nur wenige Foren anbieten, wo sich große Gruppen in großen Ausmaß austauschen können. Klar wird von uns auch erwartet, dass wir den Schiedsrichter spielen bei solchen Stellen. Das tun wir auch, wenn es wirklich arg wird. Ansonsten gucken wir nur was uns über die „Melden Funktion“ über die Plattform zu Teil wurde. Ob wir da einschreiten müssen oder nicht. Aber weil die Leute sich nicht hinter einer Anonymität verstecken können, durch Fakenamen oder Nicknames, ist es bei Stayfriends nur ein ganz, ganz kleines Problem.

Janine Mehner: Das ist interessant, weil in der Schule, in der realen Welt kommt es vor, das Mobbing existiert. Dann könnte man ja auch denken später. Also wenn man jetzt sogar eine Plattform hat, die sich auf Schulen spezialisiert, dass das weitergeht, aber vielleicht liegt es dann auch an den Usern, die erwachsen geworden sind.

Oliver Thiel: Ich glaube das ist das richtige Stichwort. Alle sind älter geworden, alle sind bisschen ruhiger geworden und erfahrener. Und nichtsdestotrotz gibt es weiterhin diese Grüppchenbildung, das ist auch das, was uns als Feedback von den Klassentreffen erreicht. Wir waren viele bei einem Klassentreffen, aber wir haben uns eigentlich in den gleichen Gruppen wiedergetroffen wie damals. Aber dennoch diese Themen, der oder die wird weitergehänselt, das bleibt dann aus, da ist man dann erwachsener geworden und steht etwas über der Sache.

Janine Mehner: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Thieme.

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