Gold-Nachfrage verdoppelte sich durch Corona – Interview mit Robert Hartmann (pro aurum)

Robert Hartmann ist Gründer des Edelmetall-Pioniers pro aurum. Die Edelmetallexperten von pro aurum betreuen 100.000 Privatkunden, 1.200 Vermögensberater und -verwalter, sowie mehr als 150 Banken und 50 Edelmetallhändler. Im Interview spricht Robert Hartmann über den Gold-Boom in der Corona-Krise und Edelmetalle als Altersvorsorge.

Das Corona-Virus hat die deutsche Wirtschaft kalt erwischt. Die Börsen fielen zeitweise auf einen historischen Tiefstand. Welche Auswirkungen hatte die Krise auf den Goldmarkt?

Robert Hartmann
Gründer pro aurum

Robert Hartmann: Wegen der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Edelmetallen, insbesondere nach Gold, stark angestiegen. Im ersten Quartal hat sich die Gold-Nachfrage bei pro aurum mehr als verdoppelt, wir verkauften in dieser Zeit mehr als zehn Tonnen Barren und Münzen, im Vorjahresquartal waren es knapp fünf Tonnen. Aber auch im zweiten Quartal ist die Nachfrage auf einem hohen Niveau geblieben.

Der Goldpreis ist innerhalb von 12 Monaten um rund 30 Prozent gestiegen und nahe am Rekordhoch. Lohnt sich bei diesen Preisen der Kauf noch?

Robert Hartmann: Wichtige Banken haben kürzlich ihre kurz- bis mittelfristigen Kursziele für Gold deutlich angehoben – teilweise bis über 2000 Dollar pro Feinunze. Bei der Entscheidung, Gold zu kaufen, sollte man sich jedoch nicht ausschließlich von möglichen Kursgewinnen in der Zukunft leiten lassen. Denn Gold erfüllt auch eine besondere Funktion, nämlich die der Versicherung gegen den Kaufkraftverlust, der die offiziellen Währungen auszeichnet. Gold stellt eine natürliche Knappheit dar, die sich nicht beliebig vermehren und damit entwerten lässt. Das Niedrigzins-Niveau reduziert zudem die Alternativkosten, Gold zu halten, deutlich. Und damit wird Gold auch im professionellen Lager der Anleger als Alternative immer interessanter.

Die weltweiten Konjunkturprogramme erhöhen die Liquidität am Markt. Welche mittel- und langfristige Preisentwicklung erwarten Sie für Gold?

Robert Hartmann: Sie haben es oben angesprochen: Beim Euro-Goldpreis und auch in vielen anderen Währungen bewegen wir uns nah an den Allzeithochs. Korrekturen sind vor diesem Hintergrund jederzeit möglich. Aber wie gesagt: Grundsätzlich erfüllt Gold hervorragend die Rolle als Versicherung in Krisenzeiten und wir sind daher weiter optimistisch, was die künftige Preisentwicklung angeht.

Welche Möglichkeit haben Privatanleger, die langfristig in Edelmetalle investieren möchten?

Robert Hartmann: Wir haben mit der pro aurum Hausmeinung „Anlagestrategie mit physischen Edelmetallen“ eine Orientierung für Anleger entwickelt. Die Grundstruktur dafür ist die Aufteilung des Vermögens in verschiedene Vermögensklassen, ausgehend vom Gesamtvermögen. Dabei empfehlen wir sicherheitsorientierten Anlegern zwischen 5 und 25 Prozent des Gesamtvermögens in Gold zu investieren. Chancenorientierten Anlegern empfehlen wir neben Gold auch in Silber zu investieren.  Der Anlagehorizont bei physischen Edelmetallen sollte jedoch grundsätzlich langfristig, also mindestens fünf Jahre sein. Gold sollte dabei als Basisinvestment betrachtet werden und zwar ausschließlich als langfristige Vermögensversicherung und nicht als Spekulationsobjekt.

Wer systematisch Geld in Gold tauschen möchte, sollte dabei aber einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen. Weil der Goldpreis – wie jedes andere Investment auch – einem Kursrisiko unterliegt, existiert bei einem Goldinvestment stets ein Timing-Problem. Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass vor allem Berufsanfänger in der Regel keine größeren Kapitalrücklagen besitzen, bietet ein Goldsparplan einen guten Ausweg aus diesem Dilemma. Denn grundsätzlich reduziert der sogenannte Cost-Average-Effekt das Risiko, zu einem möglicherweise ungünstigen Zeitpunkt ein beträchtliches Goldinvestment getätigt zu haben. Dieser Effekt führt dazu, dass in Baissephasen mengenmäßig mehr und in Haussephasen weniger Gold gekauft wird. Somit lassen sich die negativen Folgen von Timing-Fehlern verhindern, weil durch die regelmäßigen Goldkäufe der durchschnittliche Einstandskurs geglättet wird.

Was sind die Vor- und Nachteile von Goldsparplänen im Vergleich zum Direktkauf von Gold?

Robert Hartmann: Der Vorteil ist sicherlich, siehe oben, dass man den Cost-Average-Effekt für sich nutzen kann. In der Regel fällt bei Goldsparplänen aber eine Abschluss- und Verwaltungsgebühr an, die die Rendite entsprechend drückt.

Worauf sollte man der Auswahl eines Anbieters von Goldsparplänen achten?

Robert Hartmann: Anleger, die einen Teil ihres Vermögens in physisches Gold investieren, hinterfragen die aktuelle geldpolitische Entwicklung und die globalen Finanzsysteme in der Regel besonders kritisch. Bei der Auswahl ihres Edelmetallhändlers sollten sie ähnlich kritisch vorgehen, schließlich muss man beim Goldkauf darauf vertrauen, dass das erworbene Gold dem angegebenen Feingehalt und Gewicht entspricht und der bezahlte Preis marktgerecht ist. Das Wichtigste: Seriöse Edelmetallhändler bieten keine Schnäppchenpreise, sondern orientieren sich stets an den tagesaktuellen Weltmarktpreisen.

Der Skandal um die Firma PIM Gold hat viele Verbraucher verunsichert. Woran lassen sich schwarze Schafe erkennen?

Robert Hartmann: Anbieter, die Goldbarren und –münzen deutlich billiger anbieten als der Wettbewerb, sind grundsätzlich zu meiden. Die Margen in diesem Geschäftsfeld sind sehr überschaubar und niemand kann physische Edelmetalle mit großen Abschlägen anbieten. Meiden würde ich auch Unternehmen, die hohe Zinsversprechen auf den Edelmetallbestand der Kunden abgeben. In Zeiten einer Nullzinspolitik ist das wirtschaftlich nicht zu machen. Sehen Sie sich den Webauftritt der Anbieter an und vor allem die Presseberichte in den deutschen Leitmedien. Wer hier nicht oder nur sehr spärlich erwähnt wird ist kein ernstzunehmender Player am Markt.  

Vielen Dank für das Gespräch Herr Hartmann.

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