„Aktien sind Produktivvermögen“ – Interview mit Bernd Schmid (The Motley Fool)

Bernd Schmid ist Chefanalyst beim Multimedia-Unternehmen The Motley Fool GmbH in Berlin. Im Interview gibt der Finanzexperte Ratschläge zur Strukturierung der Altersvorsorge.

Die Mehrheit der Deutschen fürchtet sich vor Altersarmut. Zu Recht?

Ja, leider. Der Hauptgrund ist die demografische Entwicklung. Im Jahr 2000 kamen auf einen Rentner immerhin noch 3 Erwerbstätige. Aktuell ist das Verhältnis bei nur noch rund 1:2. Diese Entwicklung spitzt sich laut Prognosen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu, so dass im Jahr 2050 4 Erwerbstätige 3 Rentner „versorgen“ müssen. Das kann nicht mehr funktionieren. Die Menschen müssen daher privat Vorsorgen. Allerdings sind wir Deutschen darin sehr schlecht, haben den Großteil unseres Vermögens auf Sparbüchern oder ähnlichem, wo es im Vergleich zur Inflation keine Rendite bringt.   

Welche staatlich-geförderten Produkte sind empfehlenswert?

Wir empfehlen, die Altersvorsorge in erster Linie in die eigene Hand zu nehmen.

Für wen lohnen sich Lebens- und Rentenversicherungen?

Eventuell für jemanden, der überhaupt keine Lust hat, seinen Finanzen selbst in die Hand zu nehmen oder einen Vertrauten hat, der das für ihn übernehmen kann. 

Sollten Privatanleger dennoch auf Aktien zur Vermögensbildung setzen?

Unbedingt. Wer Aktien besitzt, besitzt einen Teil des Produktivvermögens unserer Wirtschaft. Wichtig ist, dass man dies mit einem ausreichend langfristigen Zeithorizont von mehreren Jahren tut, und regelmäßig investiert. Wer diese beiden Dinge befolgt, hat großartige Chancen, ohne große finanzielle Sorgen in den Ruhestand gehen zu können. Das zeigt eindrucksvoll eine Beispielrechnung von Benjaming Graham über den wirtschaftlich depressivsten Zeitraum der letzten 100-200 Jahre hinweg:

Wenn man [Anfang September 1929] mit läppischen 100 USD angefangen hätte [in den S&P 500 Aktienindex zu investieren] und einfach jeden einzelnen Monat noch einmal 100 USD dazu investiert hätte, dann wäre dieses Geld bis August 1939 auf 15.571 USD gewachsen! Das ist die Macht des disziplinierten Kaufens – selbst unter Anbetracht der Großen Depression und des schlimmsten Bärenmarkts aller Zeiten.“

Welche Rolle spielen Immobilien für die Altersvorsorge?

Eine nicht mit Krediten belastete Immobilie ist eine tolle Sache für die Altersvorsorge. Noch besser, wenn man sie vermieten und so auch als Kapitalanlage sehen kann. Eine mit einer hohen Hypothek belastete, selbst bewohnte Immobilie, ohne dass man weitere relevanten Anlagen/Investitionen tätigt ist hingegen ein großes Risiko.  

Welche Chancen und Risiken sind mit Sachwerten verbunden?

Das hängt von dem jeweiligen Sachwert ab. Grundsätzlich sollte man immer auf die laufenden Kosten im Verhältnis zu den möglichen Renditen achten. 

Sind Edelmetalle für die Altersvorsorge geeignet?

Ja, als Beimischung. Historisch dienten Edelmetalle, vor allem Gold, als guter Inflationsschutz. Aber wie bei Aktien gilt auch hier, dass man diese nur mit einem langen Zeithorizont kaufen kann, da auch deren Kurse stark schwanken können und man nicht zu einem ungeeigneten Zeitpunkt zum Verkauf gezwungen werden möchte.  

Gibt es allgemein gültige Empfehlungen für die Altersvorsorge?

Nicht alles auf eine Karte zu setzen und nur Kapital in risikobehaftete Anlagen investieren, das man in den kommenden Jahren nicht zur Finanzierung seines Lebensstandards benötigt.

Herr Schmid, vielen Dank für das Gespräch.

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