„Weltweit ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien auf einem guten Weg“ – Peter Alex (Energiekontor AG)

Peter Alex ist Head of Investor Relations bei der Energiekontor AG aus Bremen. Im Interview spricht der EEG-Experte über den schleppenden Ausbau der Windkraft in Deutschland und Möglichkeiten für Kapitalanleger sich an EEG-Projekten zu beteiligen.

Peter Alex, Head of Investor Relations bei der Energiekontor AG

Windkraftanlagen haben 2019 einen Anteil von mehr als 21 Prozent zur Gesamtstromerzeugung beigetragen. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien im Allgemeinen und der Windkraft im Speziellen?

Peter Alex: Während wir als Unternehmen nahezu keine Einschränkungen durch die Corona-Krise erfahren haben, so führt sie bei unseren Partnerunternehmen und den kommunalen Entscheidungsträgern zu moderaten Verzögerungen in den Projekten. Dadurch verschieben sich Projekte in der Branche um Wochen oder sogar mehrere Monate und das in einer Marktsituation in Deutschland, die schon vor Corona sehr herausfordernd war. Weltweit ist der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien auf einem guten Weg, sowohl im Solar- als auch im Windbereich. In Deutschland jedoch bleiben wir aus verschiedenen Gründen (Anhaltender Kosten und Margendruck, Bundesweite Genehmigungsverzögerungen und Genehmigungsstaus, Zunehmende Akzeptanzprobleme, Klagen / Widerstände von Anwohnern, Vereinen und Verbänden und aktuell: Coronabedingte Verzögerungen bei Behörden) unter unseren Möglichkeiten und vor allem unter den Erfordernissen, die sich aus den gesetzten Zielen für die Energiewende ergeben.

Der Bundestag hat den umstrittenen Mindestabstand von 1.000 Metern von Wohngebäuden gesetzlich festgelegt. Was bedeutet diese Entscheidung für die Windkraftbranche?

Peter Alex: Grundsätzlich bedeuten Mindestabstandsregeln eine Einschränkung der potentiell verfügbaren Flächen. Je nach Strenge der Auslegung (Definition von „Wohngebäuden“) wird die Windkraftbranche dadurch stark beziehungsweise sehr stark eingeschränkt. Fixe Mindestabstandsregeln sind auch aus unserer Sicht nicht zielführend, vielmehr sollten die individuellen Gegebenheiten vor Ort den Mindestabstand diktieren. Je nach Höhe der Anlagen, Höhe der Projektfläche, Anzahl der Anlagen, Baumbestand, etc. wären flexiblere Vorgaben wünschenswert.

Die Bundesländer dürfen von der 1.000 Meter-Regelung abweichen. Erwarten Sie, dass sich eine „Koalition der Willigen“ bilden wird, die windkraftfreundlichere Regeln durchsetzt?

Peter Alex: Das lässt sich heute noch nicht sagen. Sicherlich gibt es in den politischen Parteien eine unterschiedliche Wertschätzung der einheimischen Windkraft. Aber wie das Beispiel Baden-Württemberg zeigt, kommt es weniger auf die Landesregierungen an, sondern auf die kommunalen Entscheidungsträger vor Ort. Insgesamt sind wir uns jedoch sicher, dass die politische Unterstützung insgesamt zunehmen wird, weil ein wichtiges Argument der Gegner der Erneuerbaren Energien immer weniger ins Gewicht fällt: Der vermeintlich höhere Preis. Projekte, die heute realisiert werden, können ökonomisch mit konventionellen Kraftwerken mithalten. Damit sprechen neben den ökologischen Argumenten nun auch die ökonomischen Argumente zunehmend für Windparkprojekte. Bei Solarprojekten sind wir sogar noch weiter; diese können heute schon Strom zu Preisen erzeugen, die unter den Erzeugungskosten von konventionell betriebenen Kraftwerken liegen.

Durch das Konjunkturpaket wird die EEG-Umlage in Zukunft gedeckelt. Reicht diese Neuregelung um eine starke, deutsche Windkraftbranche zu erhalten?

Peter Alex: Die EEG-Umlage war auch in der Vergangenheit und ist aktuell gedeckelt. Die aktuellen Pläne zur Deckelung der Vergütung sollten keine Auswirkungen auf den Ausbau der Windkraft haben. Aktuell würden wir die deutsche Windkraftbranche nicht als stark beschreiben. Während wir noch vor wenigen Jahren Weltmarktführer waren, liegen wir heute weit abgeschlagen hinter China und USA. Zuletzt lag der Ausbau der Wind-Energie selbst in einer Handvoll europäischer Länder vor dem Ausbau in Deutschland. Vielleicht ergeben sich durch die Wasserstoff-Initiative der Bundesregierung auch positive Auswirkungen auf die Windenergie-Branche, aber das wird erst die Zukunft zeigen.

Welche Änderungen an der aktuellen Gesetzlage wären notwendig, um die geplante Energiewende bis 2030 zu realisieren?

Peter Alex: Wir werden bis 2030 sicherlich weitere Fortschritte machen, aber sicherlich noch nicht das Niveau erreicht haben, was wirklich notwendig wäre. Wünschenswert wäre es, wenn es zukünftig nicht zu weiteren Einschränkungen käme, und bestehende reduziert würden, beispielsweise Abstandsregeln. Vor allem aber müssten Maßnahmen getroffen werden, um die Genehmigungsverfahren zu verkürzen und die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter zu erhöhen. Hier muss noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Auch wenn der Ausbau der Wind- und Solarenergie mit Nachteilen für die betroffenen Anwohner und die lokale Tierwelt verbunden sein kann, so sollten die viel größeren Vorteile für die gesamte Gesellschaft entscheidend für die Realisierung eines Projektes sein. Dies schließt natürlich nicht aus, dass man Anwohner finanziell kompensiert und alles wirtschaftlich Vertretbare tut, um Nachteile für die lokale Tierwelt zu vermeiden.

Gibt es Möglichkeiten für private Kapitalanleger sich an Windkraftprojekten zu beteiligen?

Peter Alex: Grundsätzlich ja. Jedoch kosten schon heute einzelne Windkraftanlagen einen zweistelligen Millionenbetrag, der selbst für eine Gruppe von Privatanlegern in der Regel prohibitiv hoch ist. Vereinzelt gibt es Bürgerenergiegesellschaften, die Investoren vor Ort, die Beteiligung an einem Windparkprojekt ermöglichen. Hinzu kommen Angebote von Windpark-Projektierern, die sich direkt an Anwohner eines Windpark-Projekts richten.

Auf dem grauen Kapitalmarkt gibt es eine Reihe von Angeboten, bei denen ich aber die Empfehlung aussprechen würde, die Unterlagen sehr streng zu prüfen und sich über den Anbieter sehr gut zu informieren. Viele Anleger haben in solchen Konstruktionen schon viel Geld verloren!

Es gibt eine Reihe von Unternehmen im In- und Ausland, unter anderem unser Unternehmen Energiekontor, an dem man sich über einen Aktienkauf oder eine Anleihe beteiligen kann. Auch hier gilt, dass man sich das Unternehmen sehr genau anschauen sollte, bevor man eine Anlageentscheidung trifft. Als börsennotiertes Unternehmen lassen sich alle wesentlichen Informationen zu unserem Unternehmen auf unserer Unternehmenswebseite abrufen. Wer in erneuerbare Energien investieren will und eine größere Risikostreuung erreichen will, könnte in einen Fonds (ETF) mit Anlageschwerpunkt Erneuerbare Energien investieren.

Welche Chancen und Risiken sind mit solchen Investments verbunden?

Peter Alex: Wenn man sich an einzelnen Windkraftprojekten beteiligt, ist dies eine „unternehmerische“ Beteiligung mit allen Vor- und Nachteilen. Einer höheren erwarteten Rendite stehen erhebliche Risiken gegenüber. Mit etwas Aufwand ist es hier jedoch möglich, alle für eine Anlageentscheidung relevanten Informationen zu erhalten und diese in die Anlageentscheidung einfließen zu lassen.

In Produkte vom grauen Kapitalmarkt sollten, meiner Meinung nach, nur sehr versierte Anleger investieren, die die erheblichen Risiken und Chancen einschätzen können. Börsennotierte Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien haben sehr unterschiedliche Risiko- und Chancenprofile. Grundsätzlich gilt, dass Anleihen deutlich weniger stark schwanken als die Aktien der Unternehmen, dafür aber eine geringere Renditeerwartung mit Ihnen einhergeht. Auch hier gilt, dass man sich gut informieren sollte, bevor man eine Anlageentscheidung trifft.

Herr Alex, vielen Dank für das Gespräch.

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