„Goldpreis spiegelt die Kaufkrafterosion ungedeckter Währungen wider“ – Robert Vitye (SOLIT Gruppe)

Robert Vitye ist Geschäftsführer der SOLIT Management GmbH in Wiesbaden. Im Interview spricht der Edelmetallexperte über systemische Risiken am Geldmarkt und Risikominimierung durch Gold- und Silberinvestitionen.

Robert Vitye, Geschäftsfüher, SOLIT Management GmbH

Das Corona-Virus hat die deutsche Wirtschaft kalt erwischt. Welche Auswirkungen hatte die Krise auf den Goldmarkt?

Robert Vitye: Die Nachfrage nach physischen Edelmetallen ist im Zuge der Corona-Krise stark angestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr konnten wir als SOLIT Gruppe eine Steigerung unseres Handelsvolumens nahezu auf das Dreifache des Vorjahreszeitraumes registrieren. Ähnliche Schilderungen erreichen uns auch von Mitbewerbern sowie Lieferanten. Zeitweise musste die Branche zwischenzeitlich mit Einschränkungen auf der Angebotsseite sowie gestiegenen Lieferzeiten kämpfen. Diese gingen vor allem auf die pandemiebedingte Schließung der Produktion bei Prägestätten sowie die massiven Beeinträchtigungen auf Seiten der Dienstleister im Bereich der Wertelogistik zurück.

Der Goldpreis ist innerhalb von 12 Monaten um rund 30% Prozent gestiegen und nahe am Rekordhoch. Lohnt sich bei diesen Preisen der Kauf noch?

Robert Vitye: Der Anstieg des Goldpreises spiegelt die Kaufkrafterosion der ungedeckten Währungen unserer Zeit wider. Seit dem Jahr 2000 werten die neun Hauptwährungen der Welt mit annualisiert rund 9% gegenüber Gold ab. Dies geht ursächlich auf die gigantischen Schuldenberge zurück, die in den vergangenen Jahrzehnten angehäuft wurden. In der Folge müssen die realen Zinsen – die Zinsen abzüglich Inflationsrate also – zur Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit durch immer heftigere Notenbankinterventionen dauerhaft künstlich niedrig gehalten werden. Im Zuge der durch den Corona-Lockdown ausgelösten scharfen Rezession werden zusätzlich weltweit schuldenbasierte fiskalische Konjunkturprogramme in nie dagewesenem Ausmaß beschlossen. Bei dieser ökonomischen Gemengelage kommt der Vermögensschutz-Funktion der monetären Edelmetalle in jedem Portfolio eine besondere Bedeutung zu. Mittlerweile ist der Goldpreis in nahezu allen Währungen aus der mehrjährigen Konsolidierungsformation nach oben ausgebrochen und hat gar neue Allzeithöchststände verzeichnet. Führende Investmentbanken prognostizieren weiterhin steigende Notierungen sowie auch das baldige Übertreffen des Allzeithochs in US-Dollar bei 1.920 US-Dollar je Feinunze aus dem Jahr 2011. Kurzum: je heißer die digitalen Druckerpressen laufen, umso mehr Schmierstoff erhält die laufende Goldhausse.  

Investoren fragten neben Gold insbesondere auch Silber stark nach. Gibt es eine Schutzfunktion der monetären Edelmetalle im Zuge der aufziehenden Finanz- und Währungskrise? 

Robert Vitye: Ganz eindeutig ja. Wir haben es ja mit einer systemischen Krise aufgrund eines fehlkonzipierten Schuldgeldsystems zu tun, das zu immanenter Umverteilung von unten nach oben und gleichzeitig zu einer exponentiell steigenden Schuldenlast führt. Die hieraus resultierenden Fehlallokationen entladen sich in immer stärker ausgeprägten Finanzkrisen, die durch das Platzen der vorher durch zu billiges Geld aufgepumpten Preisblasen an den Aktien-, Immobilien- und Anleihemärkten ausgelöst werden. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass Corona nicht die Ursache der aktuellen Finanz- und Währungskrise darstellt, sondern lediglich als Katalysator einer ohnehin unvermeidbaren Entladung angestauter Ungleichgewichte zu sehen ist.    

Die weltweiten Konjunkturprogramme erhöhen die Liquidität am Markt. Welche mittel- und langfristige Preisentwicklung erwarten Sie für Gold?

Robert Vitye: Konkrete Preisprognosen in Euro oder US-Dollar haben in Zeiten enthemmter Notenbanken und ihren weltweit synchronisierten Gelddruck-Orgien nur sehr begrenzte Aussagekraft. Alle Ampeln stehen für die mittel- und langfristige Preisentwicklung des Goldpreises auf Grün. Nichtsdestotrotz sollten jederzeit mögliche kurzfristige Preiskorrekturen von Anlegern eingepreist und dann zu Nachkäufen genutzt werden.  

Welche Möglichkeit haben Privatanleger, die langfristig in Edelmetalle investieren möchten?

Robert Vitye: Ein Basisinvestment mit Blick auf die vorhandenen systemischen Risiken sollte in einem Handbestand an physischen Edelmetallen, aufbewahrt im persönlichen Umfeld eines Anlegers, liegen. Hierzu empfehlen sich Gold- und auch Silbermünzen sowie kleinere Barren. Bei darüberhinausgehenden Anlagebeträgen sollte der losgrößen- und kosteneffiziente Erwerb größtmöglicher Handelseinheiten gleichermaßen beleuchtet werden wie die hochsichere Lagerung, idealerweise in bankenunabhängiger Form. Als SOLIT Gruppe bieten wir hierbei langjährig bewährte professionelle Lagerlösungen. Dabei ist es möglich, zur Diversifikation an mehreren internationalen Standorten über verschiedene Rechtsräume mit Blick auf die besonders anspruchsvollen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen unserer Zeit anzulegen.

Was sind die Vor- und Nachteile von Goldsparplänen im Vergleich zum Direktkauf von Gold?

Robert Vitye: Das Instrument des Goldsparplans stellt eine sehr interessante und immer beliebtere Alternative für Goldinvestoren dar. Hierbei eröffnet sich dem Anleger die Nutzung des Cost-Average-Effektes, wodurch er die Festlegung auf einen genauen Kaufzeitpunkt vermeidet. Im Falle von kurzfristigen Preiskorrekturen erwirbt er eine entsprechend höhere Gewichtsmenge an Edelmetallen. Dazu lassen sich durch intelligent konzipierte Goldsparpläne Losgrößen zu Gramm-Preisen erwerben, die bei einem Direktinvestment mit kleineren Beträgen nicht möglich wären.

Worauf sollte man der Auswahl eines Anbieters von Goldsparplänen achten?

Robert Vitye: Zunächst einmal sollte auf eine nachvollziehbare und transparente Gebührenstruktur geachtet werden sowie auch auf die Höhe der Kosten insgesamt. Darüber hinaus kommt dem Aspekt der Sicherheit durch externe Mittelverwendungskontrolle sowie regelmäßig durchgeführten Inventuren der eingelagerten Edelmetalle eine grundlegende Bedeutung zu. Außerdem sollte eine jederzeitige physische Auslieferungsoption wie auch die Verkaufsmöglichkeit auf Basis klar definierter Preisen gegeben sein, z.B. abgeleitet vom „LBMA Gold Price“ – dem Referenzpreis der Londoner Börse. Abgerundet wird das Angebot eines optimierten Edelmetallsparplans durch weitere Zusatz-Features wie eine digitale Vertragsverwaltung via mobiler App, flexibler Transaktionsoptionen wie Nachkauf, Tausch oder Auszahlplan sowie die Berücksichtigung weiterer Edelmetalle wie Silber, Platin oder Palladium. Idealerweise besteht die Möglichkeit des mehrwertsteuerfreien Erwerbes dieser Weißmetalle durch Lagerung in einem Zollfreilager.

Der Skandal um die Firma PIM Gold hat viele Verbraucher verunsichert. Woran lassen sich schwarze Schafe erkennen?

Robert Vitye: Grundsätzlich sollte man skeptisch werden, wenn Anbieter eine wie auch immer geartete Verzinsung im Zusammenhang mit einer Edelmetall-Anlage anbieten. Gold wirft bekanntlich keine Zinsen ab, ergo lassen sich auch keine seriösen Geschäftsmodelle entwickeln, die eine Zinszahlung an ermöglichen. Weitere Alarmglocken sollten klingeln, wenn bei der Beschreibung der zu erwerbenden Edelmetalle der weltweit akzeptierte „Good-Delivery“-Marktstandard der LBMA für Barren-Hersteller nicht gegeben ist. Ganz allgemein sollte man sich im Vorwege detailliert mit dem Internetauftritt, den Vertrags- und Geschäftsbedingungen des Edelmetallhändlers auseinandersetzen sowie Recherchen hinsichtlich dessen Reputation, Seriosität und Referenzen anstellen. Als weitere Stütze dienen auch diverse externe Anbieteruntersuchungen, die bezüglich des Edelmetallhandels zwischenzeitlich regelmäßig auf jährlicher Basis durchgeführt und in der entsprechenden Fachpresse veröffentlicht werden. 

Herr Vitye, vielen Dank für das Gespräch.

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