Aktien sind in Deutschland zu wenig verbreitet – Felix Senkler (LVL-Finanzberatung)

Felix Senkler ist als Versicherungsmakler mit Erlaubnis nach §34d Abs.1 GewO mit der LVL-Finanzberatung tätig. Im Interview spricht er über seriöse Strategien zur Altersvorsorge.  

Viele Menschen machen sich Angst um ihr Auskommen im Alter. Zu Recht?

Felix Senkler
LVL-Finanzberatung

Felix Senkler: Selbstverständlich sind diese Ängste berechtigt, Gründe hierfür sind u.a. die Struktur der gesetzlichen Rente (Aufbau, demografische Problematik, etc.) sowie auch die mangelnde Bereitschaft sich mit der Thematik ernsthaft auseinander zu setzen. Verbraucherschützer kritisieren bestimmte Produkte pauschal – als Beispiel die Riesterrente, generell Rentenversicherungen – ohne fundierte Kenntnisse zu haben. Wir haben auf dem deutschen Markt etliche Anbieter, gute wie schlechte, teure wie günstige – renditestarke aber vor allem sichere Produkte, die tatsächlich dafür gedacht sind eine lebenslange Rentenzahlung zu gewährleisten. Dazu kommt der mangelnde politische Wille hier gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Kurz gesagt, es herrscht viel Unsicherheit – also machen viele lieber nichts als was falsch. Natürlich gibt es auch viele die zu wenig Einkommen haben, keine Perspektive und ohnehin keine Möglichkeit haben die ohnehin niedrigen gesetzlichen Rentenanwartschaften durch private Produkte zu ersetzen, im Niedriglohnsektor gibt es auch kaum eine betriebliche Altersvorsorge. Demnach wird sich das Problem weiter verschärfen… und man darf auch gespannt sein wie die Generation X / Y mit dem Thema umgeht.

Wirkt sich die Corona-Krise auf die Bereitschaft zur Altersvorsorge aus?

Felix Senkler: Ja, dies wirkt sich aus bei stagnierenden Neu-Anfragen zur Thematik als auch bei Bestandskunden die Beiträge stunden möchten, generell viele Fragen haben oder einfach nicht wissen wie die nächsten Monate weiter gehen. Einige sind sogar gezwungen zu kündigen, und müssten von vorne anfangen – verbunden mit mehr Beitragsaufwand und Einbußen da der Zins niedriger ist heute und weniger Zeit zum Ansparen verbleibt.

Welche staatlich-geförderten Produkte sind empfehlenswert?

Felix Senkler: Es gibt Riesterrente, Rüruprente (oder auch Basisrente) – sowie die betriebliche Altersvorsorge mit unterschiedlichen Möglichkeiten (Direktversicherungen, Pensionskassen, Pensionsfonds, Unterstützungskassen, Rückdeckungsversicherungen). Pauschal ist schwer zu beantworten was zu empfehlen ist, abhängig vom Einkommen und der persönlichen Situation. Die Beiträge zur Basisrente sind z.B. in hohem Maße absetzbar aber das Produkt ist nicht flexibel, ziemlich ähnlich der gesetzlichen Rente. Riester ist ideal für Geringverdiener und Familien mit Kindern aufgrund der Zulagen…

Sind Lebensversicherung bei dem aktuellen Zinsniveau zu empfehlen?

Felix Senkler: Genau das ist die Thematik – hier ist ein Umdenken erforderlich. Leider gibt es auch genug Berater, Vertreter, Makler, die den Kunden hier keine adäquaten Produkte anbieten wollen oder können. Viele Anbieter haben die klassisch verzinsten Produkte nicht mehr im Programm. Große Anbieter die vernünftig wirtschaften (Allianz zum Beispiel) können immer noch ein klassisches Produkt anbieten. Vielleicht macht das ein Beispiel deutlich: Der Rechnungszins beträgt nur noch 0,9% – inkl. der Überschussbeteiligung komme ich auf eine Nettoverzinsung von rund 2,4% (nach Kosten) bei einem soliden Anbieter mit niedriger Kostenstruktur. Sowas lohnt sich aus meiner Sicht für die wenigsten. Je länger die Laufzeit desto eher würde ich Produkte vorziehen mit Fonds, ETFs oder Indexpartizipation – dort kann ich eine sehr gute Rendite erzielen – mit allen Vorteilen der ein Versicherungsmantel mit sich bringt.

Sollten Deutsche mehr auf Aktien setzen?

Felix Senkler:  Kurz und knapp – ja! Bei uns in Deutschland immer noch zu wenig verbreitet – laut einem Bericht im Focus sind rund 16% direkt in Aktien oder indirekt über Fonds investiert. Es muss hier ein Umdenken stattfinden und auch mehr auf „echte“ Beratung gesetzt werden – weg von Check24 und Co. Vor allem muss in den Schulen eine bessere finanzielle Allgemeinbildung gelehrt werden.

Welche Rolle spielen Immobilien für die Altersvorsorge?

Felix Senkler: Sicherlich eine große Rolle – für die die es sich leisten können J oder es zumindest denken. Allerdings ist auch das „Betongold“ nicht immer die beste Anlageform – sowas ist individuell zu betrachten und in Abhängigkeit von der persönlichen Situation, der Lage der Immobilie usw. genau zu bewerten.

Was halten Sie von Edelmetallen, z.B. Goldsparpläne?

Felix Senkler:  Bei der Frage bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Ob ich nun z.B. bei der SutorBank ein Goldsparplan eröffne oder doch lieber gleich einen Gold ETF an der Stuttgarter Börse – die gibt es auch mit physischer Hinterlegung. Es wird oft damit geworben, dass es eine krisensichere Anlageform darstellt in Gold zu investieren, auch das ist in der heutigen Zeit schlichtweg nicht mehr korrekt. Andere Edelmetalle kann ich ebenfalls viel leichter, vermutlich auch günstiger und transparenter an der Börse handeln. Für mich ist das Thema Sachwerte kein Thema in der Beratung, es gibt schlichtweg zu viele bessere Alternativen. Verbraucher überblicken oft die Risiken nicht, die Kosten sind selten transparent und die Lagerung erfolgt oft extern in irgendwelchen Bunkern. Was tatsächlich in einer Krisensituation passiert bleibt fraglich. Natürlich kann sich jeder, der von Gold als Krisenwährung überzeugt ist ein paar Goldmünzen oder etwas Feingold daheim in den Tresor legen. Wer bestimmt denn den jeweiligen Materialwert oder die Wertbeständigkeit? Auch hier gelten Angebot und Nachfrage als preislicher Indikator. Viele Kunden haben auch finanziell nicht die Mittel in Luxusgüter zu investieren, und ob ich heute noch ein Schnäppchen Oldtimer bekomme oder die ein oder andere Luxus Rolex, die in 5 Jahren das doppelte Wert ist? Sicherlich gibt es Ausnahmen – aber ich bin vorsichtig bei Empfehlungen.

Welche generellen Regeln sollte man bei der Strukturierung der Altersvorsorge achten?

Felix Senkler: Sicherlich gibt es die: Aus meiner Sicht muss die Individuelle Situation des Kunden genau analysiert werden. Hier hilft die Finanzanalyse nach DIN 77230 – so habe ich eine gute Grundlage. Aufgrund der Daten kann ich mit dem Kunden seine Ziele definieren und Ihm aufzeigen wie was zu erreichen ist. Grundsätzlich sollte man sich nie auf eine Anlageform festlegen und bestenfalls auch Kombinationen konzipieren, die sich gegenseitig ergänzen (z.B. private Altersvorsorge mit betrieblicher Altersvorsorge) – wichtig ist doch zu wissen was für den Kunden im Fokus steht. Absicherung der Arbeitskraft, weil er alleine verdient, Absicherung der Familie und der Kinder? Maximale Rendite oder ein Konzept mit dem ich Eigenkapital für eine Immobilie aufbaue, die ich mal erwerben will.

Als Verbraucher sollte ich unbedingt auf eine vernünftige Beratung achten, speziell ungebundene Versicherungsmakler haben die Möglichkeit viele Tarife nebeneinander zu stellen und gezielt Produkte raus zu suchen. Wie digital kann die Beratung erfolgen, will ich eine App haben und alles online abwickeln oder ist mir der auch der persönliche Kontakt wichtig? Nicht pauschal auf Empfehlungen der Verbraucherschützer verlassen, diesen fehlt im Übrigen oft auch eine gezielte Ausbildung im Finanz- oder Versicherungsbereich. Bitte auch mal Zahlen hinterfragen. Was nützt die schönste Hochrechnung, wenn Sie nie eintrifft? Was macht den Anbieter A besser als Anbieter B. Wie transparent sind die Kosten ausgewiesen? Gibt es im ausgewählten Produkt / Tarif eine Gesamtkostenquote, die es dem Kunden sehr viel einfacher macht, die Rendite zu bewerten? Welche Qualifikationen hat der Berater? Wie bildet er sich weiter? Und das allerwichtigste – fühle ich mich als Kunde gut informiert und aufgehoben. Wenn der Berater es besonders eilig hat oder mal nebenbei was schnell zum unterschreiben hinlegt, ist meistens Vorsicht geboten!

Herr Senkler, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.