„Man kommt nicht am Thema Immobilien vorbei“ – Klaus Niewöhner-Pape (INDUSTRIA WOHNEN)

Klaus Niewöhner-Pape ist Geschäftsführer von INDUSTRIA WOHNEN. Im Interview spricht der Immobilienexperte über die Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge und welche Rolle Immobilien dabei spielen sollten.

Laut aktuellen Umfragen macht sich die Mehrheit der Deutschen Sorgen, in Zukunft von Altersarmut betroffen zu sein. Sind diese Ängste berechtigt?

Klaus Niewöhner-Pape, Geschäftsführer von INDUSTRIA WOHNEN

Klaus Niewöhner-Pape: Diese Sorgen sind meiner Meinung nach nicht unberechtigt. Die demografische Entwicklung führt dazu, dass sich viele Menschen nicht mehr in einem Maß auf die staatliche Altersvorsorge verlassen können, wie es die Generation vor uns noch konnte. Allerdings ist das Problem nicht unlösbar. Es bedeutet schlicht, dass jeder einzelne privat vorsorgen muss. Problematisch ist es für diejenigen, die so geringe Einkommen haben, dass sie nicht vorsorgen können. Hier ist die Politik gefragt, Lösungen zu erarbeiten.

Die Corona-Pandemie führt bei vielen Menschen zu niedrigeren Nettoeinkommen. Machen sich die Folgen der Krise in der Bereitschaft zur Altersvorsorge bemerkbar?

Klaus Niewöhner-Pape: Ich kann hier nur für unseren Fonds, den FOKUS WOHNEN DEUTSCHLAND, sprechen. Für den Moment verdeckt das Thema Corona viele andere Themen – auch die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge. Das wird sich aber wieder ändern bzw. diese Änderung hat schon begonnen. Dies war auch an unserem Fonds absehbar. In den Monaten März und April sind die Mittelzuflüsse deutlich zurück gegangen. Allerdings gab es im Mai und Juni eine Erholung, sodass wir jetzt fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. 

Der Gesetzgeber unterstützt die private Altersvorsorge. Welche staatlich-geförderten Produkte gibt es? Welche sind empfehlenswert?

Klaus Niewöhner-Pape: Hier ist für abhängig Beschäftigte im Wesentlichen die Riester-Rente zu nennen, die Anfang der 2000er Jahre eingeführt wurde. Interessant ist die staatliche Förderung – also die direkten staatlichen Zulagen sowie Tatsache, dass die Aufwendungen von der Einkommensteuer abzugsfähig sind. Häufig kritisiert wird allerdings, dass die Rendite des angelegten Kapitals sehr gering ist. Positiv schätze ich allerdings die disziplinierende Wirkung eines Riester-Vertrags ein. Ist der Vertrag einmal abgeschlossen, zahlt der Sparer in der Regel diszipliniert ein. Das ist besser als gar nicht vorzusorgen.       

In der Corona-Krise kam es zu erheblichen Börsenturbulenzen. Sollten Privatanleger dennoch auf Aktien zur Vermögensbildung setzen?

Klaus Niewöhner-Pape: Aktien sind ein wichtiger Baustein der Vermögensplanung und Altersvorsorge. Langfristig – also über viele Jahre betrachtet – performen Aktien sehr gut. Welcher Anteil des Vermögens in Aktien investiert werden sollte, hängt auch stark vom Alter ab. Früher gab es mal eine Faustregel: Aktienquote ist gleich 100 Minus Alter. Daneben spielen jedoch auch Risikoneigung und Größe des Vermögens eine Rolle.

Welche Rolle spielen Immobilien für die Altersvorsorge?

Klaus Niewöhner-Pape: Immobilien spielen eine zentrale Rolle. Für viele Deutsche ist die selbstgenutzte Immobilie ein zentraler Baustein der Altersvorsorge. Daneben gibt es jedoch auch indirekte Immobilieninvestments wie Anteile an offenen Immobilienfonds. Diese eignen sich Besonders zur Altersvorsorge, weil sie sich langfristig sehr stabil entwickeln und weil sie – im Vergleich zu einer Eigentumswohnung – deutlich fungibler sind.

Warum eignen sich offene Immobilienfonds mit Fokus auf Wohnimmobilien für die Altersvorsorge?

Klaus Niewöhner-Pape: Die Fonds entwickeln sich langfristig stabil, da sie nicht an die volatile Entwicklung der Börsen gekoppelt sind. Die Wertentwicklung der Anteilscheine orientiert sich an den Verkehrswerten der Immobilien. Außerdem ist die Risikostreuung sehr hoch. Ein Fonds hat beispielsweise Einnahmen aus 2.000 Einzelmietverhältnissen. Wenn hier einzelne Mieter ausfallen, fällt das nicht ins Gewicht. Ein weiteres wichtiges Argument für Wohninvestments ist die hohe Konjunkturunabhängigkeit. Dies wurde gerade wieder durch die Corona-Krise bestätigt. Während Hotels, Handel und teilweise auch Büros von der Krise getroffen wurden, haben Wohnungsvermieter kaum Einnahmeeinbußen zu verzeichnen.  

Welche Chancen und Risiken sind mit Sachwerten verbunden und worauf sollten Verbraucher achten?

Klaus Niewöhner-Pape: Verbraucher können Sachwerte wie Immobilien, Photovoltaik-Anlagen, Container oder Flugzeuge selten direkt erwerben. Meistens findet ein Investment über Fonds statt. Hier ist das wichtigste Kriterium der Track Record des Anbieters. Privatanleger müssen unbedingt gründlich prüfen, wie viel Erfahrung der Fondsanbieter im jeweiligen Segment besitzt und wie sich bereits bestehende Fonds entwickeln. Diese Überprüfung sollte gründlich erfolgen und man sollte sich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Bei Zweifeln sollte man sich gegen ein Investment entscheiden.

Edelmetalle, vor allem Gold, erleben derzeit einen Boom. Sind Edelmetallinvestments für die Altersvorsorge geeignet?

Klaus Niewöhner-Pape: Die Entwicklung des Goldpreises spiegelt meiner Meinung nach die große Unsicherheit in Bezug auf die allgemeine wirtschaftliche Lage wieder. Niemand weiß, wie lange und wie intensiv Corona uns und die Wirtschaft noch in Atem hält. Gold sollte meiner Meinung nach nur einen kleineren Teil des Vermögens ausmachen, eine Art Notfallreserve. Da Gold aber keine laufenden Erträge erwirtschaftet, ist es als Hauptbaustein der Altersvorsorge eher nicht geeignet. 

Gibt es generell gültige Empfehlungen, worauf bei der Strukturierung der Altersvorsorge geachtet werden sollte?

Klaus Niewöhner-Pape: Wir werden langfristig mit sehr niedrigen Zinsen leben müssen. Die Corona-Krise hat eine Zinswende noch einmal unwahrscheinlicher gemacht als sie ohnehin schon war. Meiner Meinung nach kommt man daher nicht am Thema Immobilien vorbei. Ein wichtiger Baustein können offene Immobilienfonds mit Fokus auf Wohnungen sein. 

Herr Niewöhner-Pape, vielen Dank für das Gespräch.

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