Corona-Krise erhöht Bereitschaft zur Altersvorsorge – Interview mit Janusch Rühmkorff

Janusch Rühmkorff ist Inhaber der Finanzberatung Rühmkorff in Frankfurt am Main. Der Finanz- und Versicherungsexperte spricht im Interview über Portfolio-Diversifikation und die optimale Vermögensbildungsstrategie.

Janusch Rühmkorff, Finanzberatung Rühmkorff

Die Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen um das Auskommen im Alter. Zu Recht?

Janusch Rühmkorff: Ja, diese Sorgen sind berechtigt. Aufgrund der politischen Diskussionen um ein Rentenniveau von 42%. Es betrifft vor allem die Generationen X und Y, welche die immer größer werdende Vorsorgelücke ausgleichen muss, um von der Rente später leben zu können. Heute kommen auf 100 werktätige Deutsche schon rund 36 Rentner, ein Spitzenwert innerhalb der OECD. In naher Zukunft werden es fast 47 sein.

Machen sich die Folgen der Corona-Krise in der Bereitschaft zur Altersvorsorge bemerkbar?

Janusch Rühmkorff: Nein, ganz im Gegenteil. Das Bewusstsein für das Thema Finanzen rückte merklich in den Fokus. So hat die Coronakrise viele Kunden dazu bewegt, sich mehr mit ihrer finanziellen Situation auseinanderzusetzen. Denn die grundsätzliche Herausforderung, die Rentenlücke zu schließen, bleibt natürlich weiterhin bestehen und wird voraussichtlich noch wachsen.

Sind Riester & Co. für die Altersvorsorge geeignet?

Janusch Rühmkorff: In Deutschland gibt es ein drei-Schicht-Modell der privaten Altersvorsorge. Darin sind folgenden drei Altersvorsorge-Rahmen enthalten: 1. Rürup-Rente, 2. Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge, 3. flexible Altersvorsorge. Neben der Art des Durchführungsweges kommt es auf die Versicherungsgesellschaft an und wie das Geld des Kunden investiert wird. Eine clevere Kombination der staatlich unterstützen Altersvorsorge kann bei jedem Kunden sehr unterschiedlich aussehen. Eine pauschale Empfehlung ist aufgrund der individuellen Kundensituation nicht möglich. Mit einem individuell zugeschnittenen finanziellen Masterplan lassen sich die Vorteile aller drei genannten Altersvorsorge-Rahmen optimal ausschöpfen.

Was halten Sie von Lebens- und Rentenversicherungen?

Janusch Rühmkorff: Ein Neuabschluss einer klassischen, kapitalgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung lohnt sich für niemanden. Gerade neu abgeschlossene Verträge werden oft unter der Inflation verzinst und vernichten damit das Geld, das der Sparer investiert. Attraktive Lösungen bieten hier fondsgebundene Verträge. Mit diesen Produkten hat der Kunde die Möglichkeit, sich am Produktivkapital der Weltwirtschaft zu beteiligen und davon zu profitieren. Allerdings ist bei der Auswahl der passenden fondsgebundenen Rentenversicherung dringend zu beachten, wie breit das investierte Kapital gestreut ist, wie flexibel die Fonds anpassbar sind und ob das Produkt einen festen Rentenfaktor garantiert.

 Sollten Privatanleger besser auf Aktien zur Vermögensbildung setzen?

Janusch Rühmkorff: Auf jeden Fall! Gerade Kunden mit einem langem Anlagehorizont haben hier wirklich gute Rendite-Chancen. Der deutsche Aktien Index (DAX) hat auf einen Zeitraum von 20 Jahren in Vergangenheit pro Jahr 6% Rendite erwirtschaftet. Aber auch hier kommt es natürlich auf die Wahl der Produkte an. Man sollte seine Auswahl möglichst breit fächern und auf weltweite Produkte setzen.

Wie gut eignen sich Immobilien für die Altersvorsorge?

Janusch Rühmkorff: Immobilien in der Altersvorsorge dienen zur Diversifikation der Vermögenswerte. Ist das Haus jedoch selbstgenutzt, sind die laufenden Kosten sowie die Instandhaltung nicht zu unterschätzen. Die Vermietung einer Immobilen kann jedoch eine tolle Ergänzung der Altersrente sein.

Was ist mit Sachwerten? Worauf sollten Verbraucher achten?

Janusch Rühmkorff: Wir alle sollten viel mehr in Sachwerte investieren. Denn Geldwerte sind direkt von der Inflation betroffen und vernichten in den meisten Anlagemöglichkeiten das Geld der Sparer. Natürlich unterliegen Sachwerte, wie zum Beispiel Aktienfonds, den marktüblichen Risiken. Mit einer breiten Aufstellung der Anlage und dem entsprechenden Anlagehorizont überwiegen die Renditechancen jedoch deutlich den kurzfristigen Kapitalmarktrisiken.

Und Edelmetalle?

Janusch Rühmkorff: Die Entwicklung der Edelmetalle fungiert in den meisten Depots wie eine Unfallversicherung. Durch die Flucht vieler Anleger aus dem Aktienmarkt in die Edelmetalle steigen hier die Kurse rasant an. In der langfristigen Anlage für die Altersvorsorge sollte Gold jedoch eine sehr untergeordnete Rolle spielen, da es eher der Sicherung als dem Vermehren von Werten zugeschrieben werden kann.

Gibt es generell gültige Empfehlungen, worauf bei der Strukturierung der Altersvorsorge geachtet werden sollte?

Janusch Rühmkorff: Betrachten Sie Ihre gesamte finanzielle Situation, ggf. auch mit ihrem Partner. Empfehlen würde ich Ihnen eine ungebundene konzeptbasierte Beratung, die alle Themen der Finanzanlage und Versicherungsmöglichkeiten aufgreift. Achten Sie hierbei unbedingt auf eine ausreichende Qualifikation des Beraters. Neben der IHK Qualifikation sollte Ihr Berater Zertifizierungen nach §34d GewO für Versicherungen und nach §34f GewO für die Finanzanlagen vorweisen können. Andernfalls laufen Sie Gefahr, dass Ihr Konzept am Ende nicht zu Ihnen und Ihren Träumen und Zielen passt.

Herr Rühmkorff, vielen Dank für das Gespräch.

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