„OECD kritisiert das deutsche Rentensystem“ – Bastian Lechner (CATANA CAPITAL GmbH)

Bastian Lechner ist Gründer und CEO der CATANA CAPITAL GmbH. Im Interview spricht der Finanzexperte über die Notwendigkeit von Aktien für die Vermögensbildung und warnt vor Versicherungslösungen.  

Bastian Lechner, Gründer und CEO der CATANA CAPITAL GmbH

Laut aktuellen Umfragen haben viele Menschen Angst vor Altersarmut. Sind diese Ängste berechtigt?

Bastian Lechner: „Die Rente ist sicher.“ Damit machte in den 80er Jahren Norbert Blüm Wahlkampf, denn bereits vor über 30 Jahren machten sich die Menschen Sorgen um ihre Rente. Diese Sorgen und Ängste sind absolut verständlich und berechtigt. Die Berentung der geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren wird das Umlageverfahren, wie wir es in Deutschland haben, vor einige Herausforderungen stellen. Mit steigender Lebenserwartung wird sich der demografische Wandel der Alterspyramide intensivieren, die Abgabenlast für jüngere Arbeitnehmer potentiell höher werden bei gleichzeitig geringeren erwarteten Rentenauszahlungen. Bereits seit Jahren kritisiert die OECD das deutsche Rentensystem. Die Nettoersatzquote, also das Verhältnis zwischen der Höhe des Einkommens und der Höhe der Rente, liegt in Deutschland schon lange unter dem OECD-Durchschnitt. Im Schnitt kann ein Vollzeitarbeitnehmer für die gesetzliche Rente mit nur noch 52% des Jahreseinkommens rechnen, Geringverdiener bei halbem Durchschnittseinkommen mit 56%. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 59% respektive 68%. Um einen gewissen Lebensstandard aufrecht erhalten zu können, ist schon heute die private Vorsorge unumgänglich und wird in der Zukunft noch wichtiger.

Corona-Pandemie und Kurzarbeit führen häufig zu niedrigeren Nettoeinkommen. Macht sich das in der Bereitschaft zur Altersvorsorge bemerkbar?

Bastian Lechner: Zumindest aus unserer Perspektive suchen die Menschen eher verstärkt nach Anlagemöglichkeiten, die in Krisenzeiten eine gewisse Stabilität bieten können.

Der Gesetzgeber unterstützt die private Altersvorsorge. Welche staatlich-geförderten Produkte gibt es? Welche sind empfehlenswert?

Bastian Lechner: Für Angestellte gibt es mit der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge zwei staatlich geförderte Produkte. Für Selbstständige gibt es die Rürup-Rente. Wir empfehlen ausdrücklich keine der beiden Produkte. Das Pricing dieser Produkte ist häufig deutlich zum Nachteil der Kunden / Betroffenen ausgelegt, da beispielsweise sämtliche Kosten der Anbieter (über die gesamte Laufzeit der Produkte) bereits kumuliert innerhalb der ersten Jahre eingezogen werden. Dies ist deutlich zum Nachteil von Kunden, da so der Zinseszins-Effekt nicht genutzt werden kann und andererseits die Anbieter sehr schnell Geld verdienen. Diese Produkte sind damals unter massiver politscher Lobbyarbeit von Finanzvertrieben in dieser Form ins Leben gerufen worden. Die betriebliche Altersvorsorge macht beispielsweise dann Sinn, wenn Sie langfristig in dem gleichen Unternehmen beschäftigt sind oder sein werden. Wir empfehlen ausdrücklich die private Altersvorsorge mit günstigen, langfristig gehaltenen ETFs und dazu eine Beimischung von gut managten aktiven Aktienfonds, wie dem Data Intelligence Fund (ISIN: DE000A2H9A68), der ausschließlich auf der Verwendung von Big Data getriebener Künstlicher Intelligenz basiert.

Lebens- und Rentenversicherungen werden seit Jahren nur noch schlecht verzinst. Für wen lohnen sich diese Produkte dennoch?

Bastian Lechner: Betrachtet man sich die aktuelle Verzinsung und die Entwicklung der Überschussbeteiligung von Lebens- und Rentenversicherung, muss man ehrlich sagen, dass diese Produkte für die Altersvorsorge inflationsbereinigt wenig Sinn machen. Bei vielen Anbietern liegen die Zinsen mittlerweile nur noch zwischen 2-3% p.a.. Eine Summe, die bereits einfache Indexzertifikate über einen längerfristigen Anlagehorizont schlagen können.

Also besser voll auf Aktien setzen trotz der Unsicherheiten am Markt?

Bastian Lechner: Kurz gesagt, ja. In Zeiten von Niedrig- bzw. Negativzinsen sind Aktien als liquide Altersvorsorge alternativlos. Insbesondere Aktienfonds bilden eine solide Basis für einen langfristigen Vermögensaufbau. Innovative Fonds-Lösungen, wie der von uns gemanagte Data Intelligence Fonds (ISIN: DE000A2H9A68), gibt es mittlerweile als von der BaFin regulierte UCITS Fonds für Privatanleger zu erwerben und bieten Investoren eine starke Absicherungskomponente gegen Einbrüche an den Märkten. Dem Data Intelligence Fund ist es in der Corona-Krise gelungen, den Maximal-Verlust auf nur ein Viertel des Maximal-Verlustes des DAX zu begrenzen und lässt so Anleger deutlich ruhiger schlafen.

Welche Rolle spielen Immobilien für die Altersvorsorge?

Bastian Lechner: Insbesondere Wohneigentum kann eine sehr große Rolle spielen, sollte die Immobilie vor Renteneintritt bezahlt sein. So kann eine dauerhafte Mietbelastung bei potentiell geringerem Einkommen während der Rentenphase kompensiert werden. Gleichzeitig dient eine Immobilie als Notnagel, sollte beispielsweise ein Umzug in ein Pflegeheim anstehen. Dazu kommt: Käufer von Immobilien profitieren aktuell von der Niedrigzinsphase durch günstige Kredite. Ebenfalls interessant sind Immobilienaktien. Im DAX befinden sich mit der Deutsche Wohnen und Vonovia mittlerweile zwei Immobilientitel, im MDAX notieren insgesamt fünf weitere Immobilienaktien. Während den Coronaturbulenzen im März performten diese Werte deutlich besser als der Gesamtmarkt. Als langfristige, stabile Anlage sind die Titel sicher einen Blick wert. Als dritte Option könnte ein eignes Immobilienportfolio für einige Investoren spannend sein. Regelmäßige Mieteinnahmen sollten einen langfristig positiven Cashflow generieren. Wie Privatkäufer auch, kommen Investoren die niedrigen Zinsen beim Erwerb entgegen. 

Welche Chancen und Risiken sind mit Sachwerten verbunden und worauf sollten Verbraucher bei solchen Investments achten?

Bastian Lechner: Sachwerte können oft illiquide sein. Das bringt den Vorteil, dass die Investments nicht ständigen Wertschwankungen unterworfen sind und sich potentiell von den Geschehnissen am Kapitalmarkt losgelöst entwickeln. Gleichzeitig wird aber der Verkauf erschwert. Je nach Sachwert bestehen weitere individuelle Chancen und Risiken. Beispielsweise könnte ein Oldtimer oder ein Gemälde beschädigt werden oder die Luftfahrt einbrechen, sodass große Flugzeuge wie der Airbus A380 frühzeitig aufgegeben werden. Die Schifffahrt hingegen könnte auf Grund internationaler Handelsströme weiter zunehmen, die Nachfrage und Ausnutzung von Containern steigen. Verbraucher sollten insbesondere darauf achten, den Sachwert und den entsprechenden Markt zu verstehen.

Edelmetalle, vor allem Gold, erleben derzeit einen Boom. Sind Edelmetallinvestments für die Altersvorsorge geeignet?

Bastian Lechner: Zwischen Gold bzw. anderen Edelmetallen und Assets wie Aktien, gibt es meiner Meinung nach einen bedeutenden Unterschied: Aktien werden von Unternehmen emittiert. Der Aktionär ist also Eigentümer eines Unternehmens, das in der Realwirtschaft agiert und beispielsweise durch Produkte oder Dienstleistungen messbaren Mehrwert generiert. Trotz dem starken Wandel an den Märkten, durch den Meinungen von Investoren und einzelne Nachrichten die Märkte stärker beeinflussen können als traditionelle Unternehmenskennzahlen, kann ein gesundes Unternehmen mit starken fundamentalen Argumenten langfristig ein gutes Investment sein. Insbesondere dann, wenn die Produkte oder Dienstleistungen innovativ sind und auch in der Zukunft nachgefragt werden. Der Wert von Gold hingegen basiert auf rein psychologischen Argumenten. Dazu zählen insbesondere die natürliche Knappheit der Ressource und die aktuell noch weit verbreitete Safe-Haven Idee. Gerade die Safe-Haven Idee kann sich in der Zukunft ändern.

Vergleicht man allerdings die reinen Performancezahlen von Gold und dem DAX, fällt auf, dass die historische Entwicklung von Gold je nach Betrachtungszeitraum sowohl bezogen auf die Performance als auch auf die Volatilität teilweiße deutlich besser war. Der Drawdown im März 2020 zum Beispiel lag bei Gold bei 13,5%, während der DAX im gleichen Zeitraum über 38% einbrach. In den Zeiträumen YtD, ein Jahr und fünf Jahre performte Gold langfristig besser als der Dax. Auch innerhalb der letzten 15 Jahre entwickelte sich Gold besser, da die globale Finanzkrise und zuletzt Covid-19 die Märkte stark zurückgesetzt haben. Insofern konnte Gold in der Vergangenheit tatsächlich einen guten Anteil zur Altersvorsorge leisten.

Gibt es generell gültige Empfehlungen, worauf bei der Strukturierung der Altersvorsorge geachtet werden sollte?

Bastian Lechner: Diversifizierung. Das Vermögen sollte niemals auf eine Karte gesetzt werden. Eine kluge Aufteilung zwischen Anlageklassen mit einem Fokus auf qualitativ hochwertige Aktien und Fonds ist sinnvoll. Dabei sollte allerdings immer die persönliche Risikoaversion beachtet werden.

Herr Lechner, vielen Dank für das Gespräch.

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