„EEG-Umlage gleicht einer Innovationsbremse“ – Florian Berghausen (DZ-4 GmbH)

Florian Berghausen ist Gründer der DZ-4 GmbH, dem Marktführer in der Vermietung von Solaranlagen und Speichern. Das Unternehmen wurde 2012 gegründet und hat das PV-Pachtmodell auf dem deutschen Markt eingeführt. Im Interview spricht der Photovoltaikexperte über die Innovationsfeindlichkeit der EEG-Umlage und prognostiziert ein starkes Wachstum der Solarbranche in Europa.

Photovoltaikanlagen haben 2019 einen Anteil von mehr als 7,4 Prozent zur Gesamtstromerzeugung beigetragen. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien?

Florian Berghausen
Geschäftsführer
DZ-4 GmbH

Florian Berghausen: So verheerend die Corona-Krise auch ist, in Bezug auf die Erneuerbaren Energien hat sie das Potenzial zum entscheidenden Treiber zu werden. Die Themen der Stunde sind Autarkie, Selbstversorgung und Dezentralität. Das zeigt sich ebenso in der stabil steigenden Nachfrage nach Photovoltaik-Dachanlagen im ersten Quartal 2020 wie in einer aktuellen Umfrage im Auftrag des BDEW, in der sich 82 Prozent der Befragten Bürger/innen dafür aussprechen, die Klimaschutzmaßnahmen beizubehalten – oder gar zu erhöhen.  Darüber hinaus gewinnen die Reduktion der globalen Abhängigkeit von Rohstoffimporten sowie die Steigerung regionaler Wertschöpfung zunehmend an Bedeutung – Ziele, auf die Erneuerbare Energien direkt einzahlen. Wenn jetzt die enormen Summen zur „Unterstützung für die Wirtschaft“ an den richtigen Stellen eingesetzt und zukunftsfähige Firmen und Technologien gefördert werden, haben wir eine vielversprechende Chance, im Bereich der Erneuerbaren Energien gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Durch das Konjunkturpaket wird die EEG-Umlage in Zukunft gedeckelt. Reicht diese Neuregelung um eine starke, deutsche Photovoltaikbranche in Deutschland zu erhalten?

Florian Berghausen: Mit oder ohne Deckelung gleicht die EEG-Umlage einer Innovationsbremse, deren Mechanismus es dringend zu überarbeiten gilt. So steigt die Umlage unter anderem deshalb, weil die Börsenstrompreise durch die Einspeisung der Erneuerbaren Energien sinken. Die Übertragungsnetzbetreiber erzielen bei der Vermarktung weniger Erlöse, was dann über die EEG-Umlage kompensiert wird. Hier hilft nur das Abschalten unflexibler fossiler Kraftwerke. Dadurch würde der Strombörsenpreis wieder steigen und die EEG-Umlage folglich sinken.

Für eine starke Photovoltaikbrache und die Erneuerbaren insgesamt, ist eine sinnvolle Integration in die Energiewirtschaft erforderlich. Die Erneuerbaren Energien haben eine Größe erreicht, mit der sie sinnvoll in den Markt integriert werden und ihre eindeutigen Vorteile fair bewertet werden müssen. Zudem gilt es die milliardenschweren Subventionen der fossilen Wirtschaft abzubauen. Vielmehr könnten über eine weitere Umlage für fossil-atomare Energie beispielsweise die Kosten für die Lagerung und Entsorgung von Kernenergie oder ein fairer CO2-Preis für Kohlekraft transparent gemacht und fossil-atomarer Strom realistisch bepreist werden.

Welche Teile der Wertschöpfungskette werden noch in Deutschland bzw. Europa generiert?

Florian Berghausen: Vor 10 Jahren hatte die deutsche Solarbranche noch ca. 100.000 Arbeitsplätze. Aufgrund des Kostendrucks wanderte insbesondere die industrielle Fertigung von Solarzellen und -modulen nach Asien ab. Heute arbeiten nur noch rund 30.000 Beschäftigte in der deutschen Photovoltaikbranche – dies vorwiegend in den Bereichen Vertrieb und Anlagen-Montage. Doch es zeichnet sich eine Trendwende ab:  Durch zunehmende Automatisierung in integrierten Fabriken sind die Personalkosten zwischen 80-90 Prozent gesunken. Hinzu kommen kürzere Lieferketten und Transportwege, die den bisherigen Kostenvorteil der asiatischen Produktion relativieren. Auch die technologische Entwicklung führt zu einer Verschiebung der Kostenbasis. Wir können davon ausgehen, dass in den nächsten 3-5 Jahren einige Gigawatt an Kapazitäten für Solarzellen und -module wieder in Deutschland und dem benachbarten Ausland produziert werden. Für ganze Industriezweige, die sich aktuell beispielsweise vor dem Rückgang der Autoproduktion in Deutschland fürchten, könnte dies eine große Chance bedeuten.

Welche Änderungen an der aktuellen Gesetzlage wären notwendig, um die geplante Energiewende bis 2030 zu realisieren?

Florian Berghausen:  Das Wichtigste wäre zunächst ein Vorrang für Erneuerbare Energien. Eine Möglichkeit wäre hier die Einführung einer bundesweiten Solarpflicht im Neubau sowie im Bestand. Zudem müssen sämtliche Barrieren für die Nutzung von selbst erzeugtem Strom beseitigt werden. Einige Vorschläge zur EEG-Novellierung wollen den Eigenverbrauch komplett unterbinden. Das ist der völlig falsche Weg, wenn es um das Vorantreiben der Energiewende geht, die dezentral, smart und für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv sein muss. Die Energiewende umfasst darüber hinaus noch viel mehr Bereiche, als den Strom in Privathaushalten. Es geht um industrielle Anwendungen, wie die Stahlproduktion, die gesamte Wärmeversorgung und den Verkehrssektor, die so schnell wie möglich dekarbonisiert werden müssen. Das funktioniert nur über eine intelligente Sektorenkopplung.

Welche Möglichkeiten gibt es für private Kapitalanleger in Photovoltaikanlagen zu investieren?

Florian Berghausen: Direkt vor Ort haben Privatpersonen die Option in eine eigene Photovoltaikanlage auf dem Dach zu investieren oder in Bürgersolaranlagen und Bürgergenossenschaften einzusteigen. Private Kleinanleger können sich darüber hinaus für Genussscheine oder Nachrangdarlehen entscheiden. Außerdem haben sie die Möglichkeit an der Börse in Einzelunternehmen oder auch in nachhaltige und grüne Aktienfonds zu investieren.

Welche Chancen und Risiken sind mit solchen Investments verbunden?

Florian Berghausen: Mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach erhalten Privatpersonen die direkteste Rendite: Den selbstproduzierten grünen und günstigen Strom vom eigenen Dach. Entscheiden sich die Eigenheimbesitzer für ein Mietmodell, tragen sie dabei keinerlei finanzielles Risiko bei Schäden, Ausfällen oder Reparaturen ihrer Photovoltaikanlage. Wer nicht über ein Eigenheim verfügt, kann auf Beteiligungsmöglichkeiten wie Bürgersolaranlagen und Bürgergenossenschaften zurückgreifen. Auch hier profitiert man direkt von grünem Strom aus der unmittelbaren Umgebung.

Bei den Genussscheinen oder Nachrangdarlehen für private Kapitalanleger handelt es sich eher um undurchsichtige Märkte, bei denen die Renditen und Risiken stark variieren und nur schwer einzuschätzen sind. An der Börse hingegen sind eine Reihe von Firmen öffentlich gelistet, die auf stabile, langfristige Cashflows aus Solar- und Windparks setzen und auch während der Corona-Krise großes Wachstum verzeichnen konnten. Grüne Aktienfonds minimieren das Risiko weiter, indem sie nicht nur auf ein einzelnes Unternehmen setzen. Diesen Weg schlagen derzeit zunehmend große institutionelle Investoren ein und schwenken von der fossilen Wirtschaft auf Cleantech-Investitionen um.

Herr Berghausen, vielen Dank für das Gespräch.

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