Schönheitsoperationen: Gesetzgeber hat versäumt einen klaren Rahmen zu setzen – Dr. Olaf Kauder

Dr. med. Olaf Kauder ist Facharzt für Plastische- und Ästhetische Chirurgie. Unter anderem war er bis 2012 Konsiliararzt des durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierten DMP Brustzentrums des Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Im Interview spricht Dr. Kauder über die Risiken von Schönheitsoperationen und warnt vor schlecht ausgebildeten Chirugen.

Dr. med. Olaf Kauder

Was sind die Motive der Patienten, die sich für eine Schönheits-OP entscheiden?

Dr. Olaf Kauder: Die aktuelle Statistik der VDÄPC für das Jahr 2019 weist eine Gesamtzahl der Eingriffe von 83.338 auf. Davon entfallen inzwischen gut 56 % auf nicht operative Verfahren. Die Motivlage der Patientin ist sehr divergent. Vielleicht kann man am besten drei Gruppen unterscheiden: Einmal gibt es die Gruppe, die unter angeborenen Anomalien leiden und durch die ästhetisch plastische Chirurgie Abhilfe suchen. Die zweite große Gruppe sind Patienten, die durch Alter, Krankheit oder die Lebensumstände Veränderungen des Körpers erleben, die sie psychisch so beeinträchtigen, dass sie operative oder nicht operative Abhilfe suchen. Die dritte Gruppe sind die Patienten die ein sogenanntes „Body-Enhancement“ suchen. Das sind die Patienten, bei denen eigentlich alles in Ordnung ist, aber es noch besser sein soll, als es für gewöhnlich üblich ist.

Welche sind die häufigsten Eingriffe in Ihrer Praxis?

Dr. Olaf Kauder: In meiner Praxis für Ästhetische Plastische Chirurgie werden seit vielen Jahren insbesondere im operativen Bereich brustchirurgische Korrekturen bei Frau und Mann sowie Korrekturen der Lider und Facelifts in hoher Frequenz durchgeführt. Zahlenmäßig weit überlegen sind die nicht operativen Korrekturen durch Hyaluronsäure-Behandlungen zur Gewebeauffüllung und Neukonturierungen sowie Botox-Behandlungen.

Wen operieren sie überwiegend: Frauen oder Männer?

Dr. Olaf Kauder: Es war schon immer so, dass die Frauen mit etwa 85% den größten Anteil der Patienten stellen. In kleinen Schritten holen die Männer etwas auf.

Worin unterscheiden sich die Wünsche der beiden Geschlechter?

Dr. Olaf Kauder: In der aktuellen Statistik der VDÄPC 2020 sind die am häufigsten von Frauen gewünschten Eingriffe Behandlungen mit Botox an erster Stelle, gefolgt von Unterspritzung mit Hyaluronsäure, Fettabsaugung, Lippenkorrekturen und der Brustvergrößerung. Bei den Männern wird die Liste angeführt von der Fettabsaugung gefolgt von Oberlidstraffung, Botox-Behandlungen, Behandlung der Männerbrust und Nasenkorrekturen.

Wie schwerwiegend sind die durchgeführten Eingriffe und wie viel Zeit sollte für eine Operation eingeplant werden, bevor man wieder arbeitsfähig ist?

Dr. Olaf Kauder: Grundsätzlich sind ästhetisch-plastische, chirurgische Eingriffe gut planbar und das Risiko gut kalkulierbar. Dies setzt eine gute Vorbereitung voraus, die in der Auswahl des behandelnden Arztes beginnt. Leider hat bis heute der Gesetzgeber versäumt eine klare Unterscheidung zu treffen, wer diese Eingriffe durchführen darf und wer nicht. In anderen europäischen Ländern ist dies zum Teil sehr klar geregelt, denn nicht jeder Arzt ist hierfür ausreichend qualifiziert. Zwar darf jeder Arzt, der weiß wie ein Skalpell aussieht diese Eingriffe durchführen, jedoch können die Resultate dann doch höchst unterschiedlich ausfallen. In den Händen eines gut ausgebildeten Facharztes oder einer Fachärztin für Ästhetisch Plastische Chirurgie, wohlgemerkt nicht denen eines sogenannten Schönheitschirurgen, denn das ist nicht das Gleiche, dürfen die Patientin eine qualifizierte Beratung und Behandlung erwarten. Insbesondere sollten Patienten auf Angebote von zweifelhaften Einrichtungen, in denen die Identität des Behandlers verschleiert wird, nicht unkritisch eingehen.

Wenn Sie dann ihren Behandler gefunden haben, hängt der Schweregrad der Behandlung natürlich von der Art der Behandlung ab. So sind die sogenannten minimalinvasiven Eingriffe, wie Hyaluronsäure-Unterspritzungen oder Botox-Behandlungen oder auch die Behandlung von Fettgewebe durch Kälte mit Coolsculpting in der Regel von keinerlei „Downtime“ begleitet und die berufliche Tätigkeit kann in der Regel am gleichen Tag fortgesetzt werden. Bei operativen Eingriffen ist in den meisten Fällen schon etwas Aufklärungsbedarf über die kurzfristigen Notwendigkeiten nach einer Operation gegeben, denn viele Patienten erwarten heute, dass dies in etwa einem Friseurbesuch gleichkommt. Dies ist aber mitnichten so. Selbstverständlich bedarf ein operativer Eingriff einer anschließenden Ruhephase, die in der Regel wenige Tage, in manchen Fällen auch 2-3 Wochen benötigen kann. Dies ist dann mit dem Patienten natürlich im Vorfeld eines operativen Eingriffes im Einzelfall zu besprechen.

Wie lange dauert es von der Beratung bis zur OP?

Dr. Olaf Kauder: Auch das ist höchst unterschiedlich. Eine große Gruppe von Patienten beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema um das es geht. Manchmal fehlt die Zeit, manchmal fehlt der Mut, manchmal fehlt das Geld oder der Leidensdruck ist noch nicht groß genug, so dass manchmal einige Jahre vergehen, bis nach einer erneuten Beratung es dann zu einer OP kommt. In manchen Fällen ist der Beschluss, einen Eingriff durchführen zu lassen aber schon sicher getroffen und da kann ein Eingriff auch schon einmal innerhalb einer Woche von Beratung zur OP erfolgen. Eine gewisse Bedenkzeit (mindestens 24h) nach einer Beratung ist aber unbedingt erforderlich und auch einzuhalten damit der Patient noch einmal Gelegenheit erhält, seinen Wunsch, vor dem Hintergrund dessen, was er oder sie im Beratungsgespräch erfahren hat, zu überdenken.

Herr Dr. Kauder, vielen Dank für das Gespräch.

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