„Wünsche der Frauen generell realistischer“ – Dr. Jaroslaw Tribull-Potapczuk

Dr. Jaroslaw Tribull-Potapczuk ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Berlin. Im Interview spricht der erfahrene Chirurg über aktuelle Trends in der Branche und die Auswirkungen von Corona auf die Anzahl durchgeführter kosmetischer Eingriffe.

Dr. Jaroslaw Tribull-Potapczuk
Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Berlin

Mit insgesamt gemeldeten 77.485 Eingriffen wurden 2018 laut VDÄPC-Statistik rund neun Prozent mehr Operationen als im Vorjahr durchgeführt. Was sind die Motive der Patienten, die sich für eine Schönheits-OP entscheiden?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: Auch wenn es zutreffen soll, dass 2018 bundesweit mehr Eingriffe aus dem plastisch-ästhetischen Fachbereich durchgeführt worden seien als im Vorjahr, das Jahr 2020 wird diesen Rekord sicherlich nicht brechen. Das weiß ich aus den Mitteilungen unserer Berufsverbände und aus den Gesprächen mit anderen Kollegen. Die Corona-Pandemie hat bei der Bevölkerung die Prioritäten offensichtlich zunächst woanders gesetzt. Das mit Abstand häufigste von den Patienten hervorgehobene Motiv ist ein Leidensdruck aufgrund der angegebenen körperlichen Unzulänglichkeit. Dieser Druck ist meistens endogen, also vom Betroffenen selbst stammend, manchmal wird er aber von der Umgebung (Kollegen-/Bekanntenkreis, Familie usw.) verstärkt und kann sogar depressive Zustände hervorrufen.

Welche sind die häufigsten Eingriffe in Ihrer Praxis?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: Die häufigsten Eingriffe liegen im Bereich der Mammachirurgie (Aufbau, Reduktion, usw.), dann der weiblichen Intimchirurgie, gefolgt von der Gesichtschirurgie.

Wen operieren sie denn überwiegend: Frauen oder Männer?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: Die Frauen überwiegen zahlenmäßig nach wie vor.

Worin unterscheiden sich die Wünsche der beiden Geschlechter?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: Hinsichtlich der Wünsche sind die Unterschiede zwischen den Einzelpersonen gleichen Geschlechts manchmal größer, als die zwischen den Wünschen der Personen verschiedener Geschlechter. Generell dürfte man vielleicht sagen, dass die Frauen ihren Körper sachlicher, kritischer und objektiver sehen, als es bei den Männern der Fall wäre. Damit sind die Wünsche der Frauen generell realistischer, was die Patientenführung wesentlich erleichtert.

Wie schwerwiegend sind die durchgeführten Eingriffe und wie viel Zeit sollte man einer Operation einplanen bevor man wieder arbeitsfähig ist?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: Heutzutage versuchen wir die Eingriffe so zu planen, dass sie überwiegend ambulant durchführbar sind. Bei der Mehrheit der Eingriffe beträgt damit die Rekonvaleszenz nur wenige Tage.

Wie lange dauert es von der Beratung bis zur OP?

Jaroslaw Tribull-Potapczuk: In der Regel bieten wir zwei Beratungen im Abstand von einigen Tagen an, so dass die Patienten genug Zeit haben, um Ihre Entscheidungen zu treffen. Zwischen der zweiten Beratung und der OP liegen in der Regel zwei bis vier Wochen.

Herr Tribull-Potapczuk, vielen Dank für das Gespräch.

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