„Jeder Mensch ist schön und einzigartig“ – Dr. Annett Kleinschmidt (DOCURE)

Dr. Annett Kleinschmidt ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Fachärztin für Chirurgie. Seit 2016 führt sie ihre Praxis DOCURE mit ambulantem OP-Zentrum in Berlin. Zuvor war sie sieben Jahre als Oberärztin in der Abteilung für Plastische und Ästhetische Chirurgie im Helios Klinikum Emil von Behring/Berlin tätig. Im Interview spricht Dr. Kleinschmidt über Ausfallzeiten nach Schönheitsoperationen und geschlechtsspezifische Unterschiede.

Dr. Annett Kleinschmidt
Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Fachärztin für Chirurgie

Mit insgesamt gemeldeten 77.485 Eingriffen wurden 2018 laut VDÄPC-Statistik rund neun Prozent mehr Operationen als im Vorjahr durchgeführt. Was sind die Motive der Patienten, die sich für eine Schönheits-OP entscheiden?

Dr. Annett Kleinschmidt: Jeder Mensch ist schön und einzigartig, so wie er ist. Dennoch gibt es Punkte im äußeren Erscheinungsbild, die meine Patient(inn)en häufig über Jahre stören, für die sie sich genieren, die sie gar hindern, auf Grund des persönlichen Leidens und des daraus resultierenden eingeschränkten Selbstwertgefühls, eine Beziehung einzugehen. Laut Studien dauert es durchschnittlich sechs Jahre bis ein Patient den Fuß über die Schwelle einer ästhetisch-chirurgischen Praxis setzt, um sich beraten und dann auch operieren zu lassen.

Welche sind die häufigsten Eingriffe in Ihrer Praxisklinik?

Dr. Annett Kleinschmidt: Am häufigsten sind in meiner Praxis Brustoperationen. Das reicht von Brustverkleinerungen über Bruststraffungen bis hin zu Brustvergrößerungen mit Implantaten oder Eigenfett. Auch Rekonstruktionen nach Brustkrebs führe ich regelmäßig durch. Danach kommen intimchirurgische Eingriffe, angeführt von der Labienkorrektur und Gesichtseingriffe, bei denen Ober- und Unterlidstraffungen die Eingriffsanzahl anführen. Weitere Körperkontureingriffe sind Liposuctionen (Fettabsaugungen) und Bauchdeckenstraffungen, die häufig in meiner Praxis durchgeführt werden.

Wen operieren sie denn überwiegend: Frauen oder Männer?

Dr. Annett Kleinschmidt: Zu 90% operiere ich Frauen, jedoch geht der Trend, dass sich Männer ästhetischen Eingriffen unterziehen, deutlich aufwärts.

Worin unterscheiden sich die Wünsche der beiden Geschlechter?

Dr. Annett Kleinschmidt: Prinzipiell unterscheiden sich die Wünsche der Geschlechter gar nicht so stark. Beide möchten natürliche, narbensparende Ergebnisse und eine schnelle Rekonvaleszenz. Inhaltlich wünschen sich Männer bei mir am häufigsten Ober- und Unterlid- bzw. Midfacestraffungen sowie Fettabsaugungen. Häufig ist auch die Korrektur einer weiblich angelegten Männerbrust, die sogenannte Gynäkomastie. Bei den Frauen werden besonders Brustoperationen, Lidoperationen und Intimchirurgie gewünscht. Aber auch das Body Contouring, wie das Mommy Makeover – ein Kombinationseingriff von Brust-OP und Bauchstraffung/Liposuction – steht hoch im Kurs. Hier beobachte ich saisonale Unterschiede. Die großen Eingriffe – zum Beispiel Kombinationseingriffe, die Kompressionswäsche erfordern – finden meist von September bis Ende April statt. Intimchirurgische Eingriffe hingegen haben von März bis September Saison und nehmen dann signifikant ab.

Wie schwerwiegend sind die durchgeführten Eingriffe und wie viel Zeit sollte man nach einer Operation einplanen, bevor man wieder arbeitsfähig ist?

Dr. Annett Kleinschmidt: Eine Operation ist im wahrsten Sinne des Wortes ein einschneidender Eingriff, der eine normale Wundheilung bis zum Abschluss der frühen Narbenbildung nach sechs Wochen beinhaltet. Wenn die Narben schön werden sollen, ist die Bereitschaft seitens meiner Patient(inn)en zur Mitwirkung an therapeutischen Maßnahmen gefragt. Das beinhaltet sechs Wochen keinen Sport und keine starke körperliche Belastung vorzunehmen. Allerdings kann man bei den meisten Eingriffen nach zwei bis drei Wochen bereits wieder arbeiten, je nach Tätigkeitsprofil. Bei Lidstraffungen geht das bereits nach zehn Tagen.

Wie lange dauert es von der Beratung bis zur OP?

Dr. Annett Kleinschmidt: Viele Patienten – ca 70% – sind nach der Beratung bereits entschlossen, den Eingriff durchführen zu lassen und müssen dann lediglich die Ausfallzeit mit Arbeitgeber und Familie abstimmen und planen. Sie vereinbaren innerhalb der nächsten drei Monate einen OP-Termin bei mir. Der Schritt zur Beratung und die jahrelange Auseinandersetzung mit Recherchen im Internet vorab dauert allerdings durchschnittlich sechs Jahre. Die meisten Patienten kommen schon recht gut informiert zu mir und ihr Wunsch nach einer Korrektur ist bereits sehr konkret. In der Erstberatung lege ich dennoch Wert darauf, noch einmal umfangreich und verständlich alle medizinischen Aspekte darzulegen, so dass kein Punkt offenbleibt.   Frau Dr. Kleinschmidt, vielen Dank für das Gespräch.

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