„Burnout-Syndrom kann und muss nicht alleine bewältigt werden!“ – Dr. Stephanie Grabhorn (Blomenburg)

Dr. Stephanie Grabhorn ist Chefärztin der Privatklinik Blomenburg. Im Interview spricht die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie über Warnsignale, die auf einen drohenden Burnout hinweisen sowie geeignete Therapiemethoden.

Dr. Stephanie Grabhorn
Chefärztin der Privatklinik Blomenburg

Immer mehr Menschen leiden unter Stresserkrankungen. Was sind die Symptome von Burn-Out?

Dr. Stephanie Grabhorn: Die Symptome eines Burn-Outs können sehr vielfältig auftreten und stark den Anzeichen anderer psychischer Erkrankungen wie beispielsweise denen einer Depression ähneln, weshalb ein persönliches Gespräch für eine eindeutige Diagnose essenziell ist. Das typische Gefühl des „Ausgebrannt seins“ ist wohl das bekannteste Symptom. Weit über 100 weitere Symptome können Betroffene plagen. Dazu zählen unter anderem ein tiefes Erschöpfungsgefühl, Konzentrationsprobleme, Gereiztheit, Hoffnungslosigkeit und eine abfallende Leistungsfähigkeit. Doch auch somatische Beschwerden deuten auf den Burn-Out hin. Beschwerden wie Migräne, Schlafprobleme und Schwindel finden bei ärztlichen Untersuchungen keine körperliche Ursache und beschweren den Alltag zusätzlich.

Welche Anzeichen weisen auf einen drohenden Burn-Out hin?

Dr. Stephanie Grabhorn: Einige Warnsignale können durchaus auf einen drohenden Burn-Out hindeuten. Leidet der Betroffene unter zunehmender Emotionalität, Versagensängsten, ständiger Unruhe und einem übermäßigem Verantwortungsgefühl, können das bereits emotionale Warnsignale darstellen. Ebenso kann das Verhalten eines Burn-Out Gefährdeten Alarmsignale für ihn selbst und sein Umfeld aussenden. Ein übermäßiges berufliches Engagement mit sich anhäufenden Überstunden, auftretenden Flüchtigkeitsfehlern und zunehmender Passivität oder sozialem Rückzug können erste Anzeichen sein. Das Burnout-Syndrom entwickelt sich dabei typischerweise in Phasen und beginnt mit übermäßigem Engagement im beruflichen Kontext. Die reduzierte Motivation, ein allmählicher Leistungsabfall und körperliche Beschwerden können sich dann nach und nach schleichend verfestigen. Schon bei ersten gehäuften Anzeichen sollte man deshalb hellhörig werden und tief in sich hineinhorchen, um der drohenden Abwärtsspirale zu entkommen. Besonders im frühen Stadium kann eine Therapie optimal greifen.

Der Ernstfall, z.B. ein Zusammenbruch, ist eingetreten. Was ist zu tun?

Dr. Stephanie Grabhorn: Wir raten jedem Betroffenen dazu, sich in professionelle Hände zu begeben. Das Burnout-Syndrom kann und muss nicht alleine bewältigt werden! Der erste Gang führt häufig zum Hausarzt, der insbesondere die körperlichen Beschwerden noch einmal abklären und eine weitere notwendige psychotherapeutische Behandlung in die Wege leiten kann. Ob eine anschließende ambulante oder stationäre Therapie: wichtig ist es, den ersten Schritt zu wagen. Ein stationärer Aufenthalt in einer Akutklinik wie der Blomenburg schafft häufig eine notwendige Distanz zur Hektik des Alltags und ermöglicht es Betroffenen, sich voll und ganz auf Ihre Genesung zu konzentrieren.

Wie funktioniert die Behandlung, wie lange dauert sie im Schnitt?

Dr. Stephanie Grabhorn: Im Zentrum der Burn-Out Behandlung steht in jedem Fall die individuelle Psychotherapie. Gemeinsam mit dem Therapeuten werden die aktuelle Lebenssituation, eigene Leitsätze und Grundeinstellungen erörtert, die das BurnOut-Syndrom gegebenenfalls begünstigt haben. Nach und nach werden die individuellen Stressoren gemeinsam aufgearbeitet und neue Bewältigungsstrategien identifiziert. Bei einem stationären Aufenthalt, wie in der Blomenburg, ist eine Behandlung im ganzheitlichen Sinne möglich. Hier werden dann meist noch unterstützende Therapieangebote eingesetzt, wie beispielsweise verschiedene Entspannungsverfahren, Sporttherapie oder ein spezielles Ernährungskonzept. Die Länge der Behandlung lässt sich so tatsächlich nicht pauschalisieren, da die Therapie höchst individuell erfolgen sollte. Bei einigen Betroffenen reichen bereits wenige Wochen, während wiederrum Andere einen zweimonatigen Aufenthalt mit intensiver Therapie bevorzugen und benötigen.

Was sollte man unternehmen, wenn man erste Anzeichen eines Burn-Out wahrnimmt?

Dr. Stephanie Grabhorn: Auch bei ersten Anzeichen ist der Gang zum Hausarzt sinnvoll. Es ist immer ratsam, sich von Anfang an jemandem anzuvertrauen und sich zu öffnen. Je eher man die ersten Anzeichen bemerkt, desto schneller kann man selber gegensteuern, erste Maßnahmen ergreifen und so dem verfestigen Burn-Out vorbeugen. Häufig fehlt jedoch die eigene Wahrnehmung für die ersten Warnsignale. Auch deshalb ist das Umfeld essenziell wichtig. Bekannte, Freunde und Familie bemerken die Veränderungen vielleicht schneller, als der Betroffene sie selbst bemerkt.  Ein offenes Ohr und die richtige Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt können enorm helfen.

Wie lassen sich Stresserkrankungen prophylaktisch vermeiden?

Dr. Stephanie Grabhorn: Wichtig ist es vor allen Dingen, die mentale Gesundheit ebenso wie die Körperliche ernst zu nehmen und sich aktiv um die eigene Psyche zu kümmern. Achtsamkeitsübungen im Alltag, ausreichend Bewegung, bewusst verbrachte Zeit in der Natur und genügend eingebaute Ruhepausen sind wichtige Aspekte, um Stressfolgeerkrankungen vorzubeugen. Dabei sollte jeder auf sich und seine eigenen Bedürfnisse vertrauen. Während den einen Sport und Bewegung entspannt, setzt der Andere auf kreative Auszeiten, um zur Ruhe zu kommen. Auf sein eigenes Bauchgefühl zu hören, ist hier genau richtig. Ebenso kann ein Perspektivwechsel unsere Belastbarkeit auffrischen und die eigene Resilienz erhöhen. Ein neues Hobby, ein Städtetrip oder kleine Abenteuer im Alltag bringen frischen Wind in unser Leben. Als essenziell wichtig empfinde ich aber vor allen Dingen eins: Reden! Geht es Ihnen nicht gut, sollten Sie die Situation nicht verschweigen. Häufig wollen wir im Alltag niemandem zur Last fallen und vieles mit uns selbst ausmachen. Doch die Unterstützung von außen kann Gold wert sein. Wirken Sie dem Stigma psychischer Erkrankungen entgegen und nehmen Sie Hilfe und Unterstützung in Anspruch, wenn Sie diese benötigen!

Frau Dr. Grabhorn, vielen Dank für das Gespräch.

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