New Work ist eine grundlegende Transformation der Arbeitswelt – Thomas Nowack (pilot Berlin)

Thomas Nowack ist Geschäftsführer des Berliner Standorts der pilot Hamburg GmbH & Co. KG. Im Interview spricht der Experte für Personalentwicklung über die Transformation des Arbeitsmarkts und Agilität in der Unternehmensführung.

Thomas Nowack
Thomas Nowack
pilot Berlin

 „New Work“: Die neue Arbeitswelt ist in aller Munde und vom Nischenthema zum breitflächigen Trend geworden. Was genau meint dieser Begriff?

Thomas Nowack: New Work verstehen wir als eine grundlegende Transformation der Arbeitswelt und somit eine neue Art, Leben und Arbeit zu verbinden. Wir wollen die Bedeutung der Arbeit in einen sinnstiftenden Bereich heben, in welchem sich unsere Kolleginnen und Kollegen verwirklichen können. Dabei löst man sich auf allen Ebenen mit innovativen Ansätzen von den verfestigten Strukturen der herkömmlichen Arbeitswelt. Für mich geht es bei New Work um eine neue Freiheit, Selbstständigkeit und die Teilhabe an der Gemeinschaft sowie um eine größere Work-Life-Balance, in der das Arbeitsleben keine Belastung, sondern ein geschätzter Teil des Lebens ist.

Immer mehr Unternehmen entdecken die Vorteile von Homeoffice und Heimarbeit. Welche Voraussetzungen sollten Arbeitgeber schaffen, damit auch langfristig ein großer Teil der Belegschaft von zuhause aus arbeiten kann?

Thomas Nowack: Natürlich ist die wichtigste Voraussetzung für die Arbeit aus dem Homeoffice das Umdenken der Unternehmen. Es gibt immer noch Arbeitgeber, die Angst davor haben, die Kontrolle über ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verlieren. Wie will man denn wissen, ob der Mitarbeiter es sich nicht gerade auf der Couch gemütlich gemacht hat? Es ist ein Lernprozess, nicht die Anwesenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss kontrolliert werden, sondern das Arbeitsergebnis. Das ist der elementare Unterschied. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Transparenz, dem Dialog, das Vertrauen unter den Mitarbeitenden, die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen und den kurzen Wegen für Rückmeldungen innerhalb der Teams.

Des Weiteren ist Agilität eine wichtige Voraussetzung für Heimarbeit, d.h. wir handeln proaktiv, um notwendige Veränderungen einzuführen und uns schnell und dynamisch den sich wandelnden Märkten anzupassen. Dabei legen wir den Fokus auf die Bedürfnisse unserer Kunden mit einem wertschätzenden Umgang sowohl mit diesen als auch unter den Organisationsmitgliedern. Es ist unendlich wichtig, Dinge einfach mal auszuprobieren!

Homeoffice galt lange als Karrierebremse. Hat sich der Ruf von Heimarbeitern durch den Lockdown verbessert?

Thomas Nowack: Durch den Lockdown hat sich der Ruf von Homeoffice definitiv verbessert, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Das Wichtigste ist die Kommunikation untereinander, um auch in Heimarbeit in Teams zusammenarbeiten und Arbeitsergebnisse einschätzen und beurteilen zu können. Es wird sich allerdings in den nächsten Jahren erst zeigen, wie gut sich Unternehmen auf eventuelle Homeoffice-Situationen einstellen. Das gesamte Team, von Geschäftsführer bis ausführende Mitarbeiter, muss dazu beitragen, dass eine Zusammenarbeit aus Präsenzarbeit im Büro und Homeoffice effektiv abläuft.

Flache Hierarchien gelten als eines der wesentlichen Ziele von „New Work“. Wie funktioniert die Arbeit in dynamischen Teams?

Thomas Nowack Ich bin überzeugt, dass erfolgreiche Arbeit eines dynamischen Teams durch Freiwilligkeit jedes Einzelnen, mit einem klaren Ziel, Arbeit in kurzen Zeitintervallen, Einbeziehung des Kunden, kleine und selbstorganisierte Teams sowie eine hohe Wertorientierung funktioniert. Zudem sehe ich eine regelmäßige Feedbackkultur als elementaren Bestandteil für agile Teams, um die Arbeitsweisen und die Performance weiter zu verbessern.

Es müssen größere Freiräume und Einflussmöglichkeiten durch die Arbeit in dynamischen Teams geschaffen werden, in welchen sich die Kollegen und Kolleginnen besser entfalten, aber auch gezielter einbringen, eigene Ideen umsetzen, Verantwortung tragen und selbstständige Entscheidungen treffen können. Dadurch entwickelt sich eine neue Geschwindigkeit und es wird Mut gefasst, auch mal quer zu denken. Durch individuell angepasste Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit unterschiedlicher Räumlichkeiten mit kreativen Umgebungen entsteht ein höheres Engagement auf Seiten der Mitarbeiter, Sachen besser zu machen oder von sich aus zu verbessern.

Start-Ups tun sich häufig leichter von Beginn an „New Work“-Konzepte in der Firmenphilosophie zu verankern. Aber was können etablierte Unternehmen tun, um Hierarchien abzubauen und Optimierungspotenziale zu heben?

Thomas Nowack: Start-Ups fangen oft sehr klein an und haben nur eingeschränkt oder sogar gar keine Hierarchiestrukturen, jeder macht alles. Dadurch können und müssen diese von der Pike auf New-Work-Konzepte umsetzen. Etablierte Unternehmen hingegen müssen den umgekehrten Weg gehen und gewohnte Strukturen aufbrechen. Besitzstand muss neu verteilt werden, Führungskräfte müssen lernen Verantwortung an ihre Teams abzugeben und diese müssen lernen, die neue Verantwortung anzunehmen. Die größte Herausforderung liegt letztendlich in der Umsetzung. Da der Mensch nun mal ein Gewohnheitstier ist, kommt es vor, dass man schnell in alte Muster zurückfällt. Dieses Konzept kann nicht auf Teufel komm raus umgesetzt werden. Es ist ein wachsender Prozess des Umdenkens aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – mit ehrlichen Feedbackgesprächen auf allen Ebenen.

Welche Hilfe können Unternehmen von externen Dienstleistern erwarten? Wie läuft ein Projekt- bzw. Beratungsprozess ab?

Thomas Nowack: Die Rolle eines externen Dienstleisters sehe ich in erster Linie mit dem Blick von außen. Die Aufgabe des Dienstleisters sollte sein, die Finger in die Wunde zu legen. Das kann eine gute Unterstützung sein. Jedoch gebe ich zu bedenken, dass nur der eigene Wille zur Veränderung erfolgreich sein wird. Die Energie muss von innen kommen. Ein Beratungsprozess liegt im Begleiten der Veränderung und Feinjustieren. Am Ziel ist man dann, wenn man fühlt, dass der Berater überflüssig ist.

Herr Nowack, vielen Dank für das Gespräch.

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