Agile Working wird sich weiter durchsetzen – James Burk (coneon GmbH)

James Burk ist General Manager der coneon GmbH. Im Interview spricht der Experte für Arbeitsplatzeinrichtungen über den Trend zum Home Office und aktuell gefragte Produktkategorien für Großraumbüros.

James Burk
coneon GmbH

Die Corona-Krise hat die Anforderungen an Arbeitsplätze verändert. Welche Produkte sind derzeit besonders gefragt?

James Burk: Bei der Rückkehr der Mitarbeiter zu den Büro-Arbeitsplätzen galt es zunächst, mit den vorhandenen Mitteln den bestmöglichen Schutz zu ermöglichen. Deshalb waren unsere Kunden vor allem an Möglichkeiten interessiert, die einzelnen Arbeitsplätze voneinander abzutrennen, beispielsweise mit Trennwänden oder dem sogenannten „Spuckschutz“ aus Plexiglas. Da sich mittelfristig die Videokonferenz als bevorzugtes Medium der Kommunikation etabliert hat, werden auch dafür Lösungen nachgefragt. Wir bieten dafür Raum in Raum-Lösungen an: Diese ermöglichen eine Videokonferenz mit mehreren Teilnehmern, ohne die anderen Mitarbeiter zu stören. Auch Phone-Boxen, die wir schon lange im Programm haben, rücken jetzt verstärkt in den Fokus der Kunden.

Gibt es bestimmte Produktkategorien, die sich schlechter verkaufen als vor Ausbruch der Pandemie?

James Burk: Das können wir so nicht bestätigen. Aber natürlich sind Unternehmen aktuell zurückhaltenden, was große Investitionen angeht. Viele fragen sich noch, was die Krise langfristig für die Entwicklung des Arbeitsumwelt bedeutet.

Wird das Großraumbüro zum Auslaufmodell?

James Burk: Nein, das glauben wir nicht. Wir gehen davon aus, dass sich das Konzept des Agile Working noch weiter durchsetzen wird. Das Büro wird nicht überflüssig, aber es wird eine neue Qualität bekommen: Es wird zum Ort der bewussten Interaktion und der Kommunikation. Ein Raum für kulturstiftendes Zusammenkommen, in dem die Unternehmenskultur gelebt wird. Das erfordert langfristig jedoch ein ganz neues Raumkonzept: Die Arbeitsplätze müssen intelligent koordiniert und verknüpft werden. Sie sollen die Face-to-Face-Kommunikation fördern und flexibles Kommen und Gehen ermöglichen.

Welche Anforderungen gibt es für die Ausstattung von Homeoffice-Arbeitsplätze?

James Burk: Wir haben eine Checkliste für den optimalen Homeoffice-Arbeitsplatz zusammengestellt. An erster Stelle steht natürlich die richtige Ausstattung mit einem ergonomischen Schreibtisch und Bürostuhl sowie einem separaten Monitor, Maus und Tastatur. Idealerweise arbeitet der Mitarbeiter auch im Homeoffice in einem abgetrennten Raum mit guten Akustik-, Klima- und Lichtverhältnissen. So sind im Homeoffice Tageslicht, eine Temperatur zwischen 19 und 21 Grad sowie eine regelmäßige Belüftung von essentieller Bedeutung. Wo eine Trennung zwischen Arbeits- und Wohnbereich nicht gegeben ist, helfen Trennwände oder auch Ohrstöpsel, um die Umgebungsgeräusche zu reduzieren und ein fokussiertes Arbeiten zu ermöglichen.

Der Arbeitgeber sollte bei den Mitarbeitern im Homeoffice ganz besonders auf eine gute Kommunikation achten: Das kann durch regelmäßige Update-Meetings und Online-Plattformen für das ganze Team realisiert werden. Und auch im Homeoffice gelten natürlich die Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen und das Reinigen von Oberflächen und Arbeitsmitteln.

Gibt es derzeit eine höhere Nachfrage nach Produkten, die auf einen Anstieg von Heimarbeit zurückzuführen ist?

James Burk: Auf großes Interesse stößt derzeit unser Workspace-Management-System für Arbeitsplätze und Gemeinschaftsflächen. Über die App können Unternehmen die Arbeitsplatzbereiche planen und Kapazitäten kontrollieren. Außerdem managt die App die regelmäßige Desinfektion der Arbeitsplätze nach einem Benutzerwechsel und ermöglicht die Kontaktverfolgung. Mitarbeiter können sich auf einen Arbeitsplatz einbuchen, Kollegen finden und sich über Änderungen an ihrem Arbeitsplatz informieren. Homeoffice-Möbel werden derzeit noch nicht verstärkt nachgefragt. Dafür ist es noch zu früh, weil viele Unternehmen noch nicht über ihre langfristige Strategie entschieden haben.

Welche allgemeinen Trends wurden durch die Corona-Krise verstärkt?  

James Burk: Viele Ideen für veränderte Arbeitswelten gibt es schon lange, aber sie konnten sich noch nicht in der Breite durchsetzen. So waren vor der Corona-Krise nur 17 Prozent der Arbeitsnehmer bereit, im Homeoffice zu arbeiten – inzwischen liegt die Zustimmung bei 90 Prozent und die Mehrheit möchte auch nach der Pandemie verstärkt von zu Hause aus arbeiten. Videokonferenzen anstatt Präsenz-Meetings gehören für die meisten Arbeitsnehmen inzwischen zur Normalität. Auch das Konzept des Agile Working – also ein flexibles Bürokonzept, das schnell auf Veränderungen reagieren kann – wird sich weiter etablieren. So findet die Zonen-orientierte Bürogestaltung, bei dem sich die Mitarbeiter je nach der Art ihrer Tätigkeit einen bestimmten Bereich suchen, immer mehr Verbreitung. Für die Unternehmen liegt die Herausforderung darin, einen gesunden Mix aus flexiblen Präsenzbüros und Homeoffice zu finden.

Herr Burk, vielen Dank für das Gespräch.

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