Corona war Auslöser der Korrektur – Peter Ludewig (F&V Fondscenter AG)

Peter Ludewig ist Vorstand der F&V Fondscenter AG. Interview spricht der Diplom Ökonom über die Rolle von Aktien für eine gute Depotperformance und den branchenweiten Schock, der durch die Pandemie ausgelöst wurde.

Aus Sicht eines Vermögensverwalters: Wie haben Sie das letzte Börsenbeben vor wenigen Monaten erlebt?

Peter Ludewig
F&V Fondscenter AG

Peter Ludewig: Schon längere vor Ausbruch des Virus hatten wir aus diversen Gründen zur Vorsicht geraten. Aktienfonds hatten in unseren Empfehlungen fast nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch eine Rolle gespielt. Stattdessen haben wir weitgehend auf flexible Misch- und Rentenfonds gesetzt. Das lässt sich über unsere Rechenschaftsberichte und unseren Newsletter (letzterer ist auf unserer Internetseite hinterlegt) gut nachvollziehen. Corona war insofern der – wie immer nicht vorherzusehende – Auslöser der Korrektur, aber selbige wäre ohnehin erfolgt. Ohne Corona vielleicht später und weniger dramatisch.   

Die Krise haben wir als Chance gesehen. Die Geschwindigkeit der Börsenbewegungen hat uns aber kaum eine Möglichkeit gegeben, mit unseren Kunden zu sprechen und in nennenswertem Umfang zu den tiefen Kursen Ende März/Anfang April in Aktienfonds umzuschichten. Anders als im Rahmen einer Vermögensverwaltung, ist bei einem Vermittler für Transaktionen immer die Kundenbestätigung erforderlich und davor meist eine Beratung. Darüber hinaus hatten wir an den Aktienbörsen mit Verlusten von etwa -50% oder mehr gerechnet und zu schrittweisem Umstieg geraten.

Und die drauffolgende Rallye?

Peter Ludewig: Die Dynamik der Hausse haben wir unterschätzt, sondern eher mit ein oder zwei weitere Baisse-Wellen gerechnet.

Man kann sagen dieses Ereignis war nicht gewöhnlich. Wie schätzen die Langzeitwirkung ein?

Peter Ludewig: Krisen sind, auch an der Börse, normal. Man sollte Sie immer einkalkulieren und einen Plan dafür haben, wie auf Kursverluste reagiert werden soll. Das Außergewöhnliche an dieser Krise war tatsächlich die Geschwindigkeit, in der Baisse und die Hausse abliefen. Normalerweise erfolgt Beides über einen längeren Zeitraum und in mehreren Phasen.  Diese Börsenbewegungen haben zu neuen Erfahrungen geführt. Entscheidend wird aber sein, dass es wegen des Schuldenstandes diverser Euroländer keine Chance mehr auf einen nennenswerten Zins gibt. Die Immobilienpreise haben auf die Null-Zins-Politik schon lange davor reagiert. Die Bewertungen des Aktienmarktes werden wahrscheinlich nachziehen. Wir werden uns an wesentliche höhere Bewertungen (z.B. Buchwerte und Kurs-Gewinn-Verhältnisse) gewöhnen müssen.

Was sind die Assetklassen, die Sie ihren Kunden empfehlen?

Peter Ludewig: Wir sind verpflichtet, die Erfahrungen, die Risikobereitschaft, den Anlagehorizont, die Anlageziele und diverse weitere Details von unseren Kunden abzufragen. Die Empfehlungen müssen dazu passen. Und weil Anleger darüber hinaus zu verschiedenen Zeitpunkten agieren und reagieren, gleicht kaum ein Portfolio unserer Kunden dem anderen.

„Die“ Standardempfehlung kann und darf es also nicht geben.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite, die Ihre Investoren erwirtschaften?

Peter Ludewig: Die Streubreite ist enorm. Das gilt auf lange Sicht, aber auch kurzfristig. Von Anlegern, die vor der Krise vorsichtig waren, die Krise zu Käufen genutzt und im laufenden Jahr trotz Krise hervorragende Gewinne erzielt haben bis zu Anlegern, die zu Tiefstkursen in Panik verkauft haben, ist alles dabei. Daraus einen Durchschnitt zu bilden wäre unsinnig.

Welche Assetklassen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders interessant sein?

Peter Ludewig: Ohne einen (gut) funktionierenden Aktienmarkt sind keine Gewinne mehr zu erzielen. Etwas Edelmetall kann nicht schaden.

Investoren können auch eigenständig Aktien kaufen oder in Rohstoffe investieren. Was sind die wesentlichen Vorteile einer Vermögensverwaltungsgesellschaft?

Peter Ludewig: Die Frage ist, ob ich als Anleger ausreichend Zeit, Wissen und Lust habe, mich permanent um meine Kapitalanlagen zu kümmern. Wahrscheinlich trifft das auf mehr als 90% der Anleger nicht zu. Wenn doch, dann sind direkte Anlagen völlig in Ordnung. Wenn nicht, sollte man sich qualifizierte Hilfe suchen. 

Herr Ludewig, vielen Dank für das Gespräch.

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