Rendite, Sicherheit und Liquidität stehen grundsätzlich in Konkurrenz – Carolin Tsalkas (HONESTAS)

Carolin Tsalkas ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin des unabhängigen Vermögensverwalters HONESTAS. Im Interview spricht die Finanzexpertin über risikoadjustierte Anlagestrategien und die Vorteile professioneller Vermögensverwaltung.

Carolin Tsalkas
HONESTAS

Aus Sicht eines Vermögensverwalters: Wie haben Sie das letzte Börsenbeben vor wenigen Monaten erlebt?

Carolin Tsalkas: Definitiv als turbulent. Nicht zuletzt, weil die Entwicklungen an den Märkten bis Mitte Februar unter positiven Vorzeichen standen, obgleich man in China bereits von einer Pandemie sprach und erste bestätigte Infektionen in Italien und Deutschland gemeldet wurden. Als sich die Infektionslage in Italien jedoch explosionsartig zuspitzte und zunehmend außer Kontrolle geriet, reagierten die Börsen unmittelbar und in einer Intensität, wie sie seit dem Crash im Jahr 1987 nicht mehr zu beobachten war. Die über ein Jahrzehnt andauernde Hausse-Phase an den globalen Börsen endete vorerst schlagartig. Kurzfristig galt es, umsichtige Sicherungsmaßen greifen zu lassen und wiederum sich bietende Chancen am Markt wahrzunehmen.

Und die drauffolgende Rallye?

Carolin Tsalkas: Angesichts der allgemein erwarteten schweren Rezession war die Vehemenz der Markterholung beispiellos wie zuvor die Dynamik beim Börseneinbruch. Die Mehrheit der Marktteilnehmer geht von einem temporären Konjunktureinbruch aus und setzt auf eine sehr schnelle Wachstumserholung. Wirtschaftliche Frühindikatoren signalisieren eine entsprechende Entwicklung und untermauern damit die positive Grundhaltung. Doch Vorsicht ist geboten. Da sich wichtige Börsenindizes bereits wieder bei Notierungen in der Nähe der Vorkrisenniveaus bewegen oder teilweise sogar schon über diesen liegen und sich gleichzeitig die Bewertungsrelationen verschlechterten, ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen.

Man kann sagen dieses Ereignis war nicht gewöhnlich. Wie schätzen die Langzeitwirkung ein?

Carolin Tsalkas: Keine Frage, die Ereignisse des Jahres 2020 werden Einzug in die Geschichte halten. Die allgemeinen Auswirkungen sind schwer abzuschätzen, da braucht es differenzierte Betrachtungen. Mit Blick auf die Entwicklung an den Kapitalmärkten wird entscheidend sein, wie effektiv das Infektionsgeschehen weltweit eingedämmt werden kann. Sofern es zu keinen Rückschlägen kommt und die Folgeschäden der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie begrenzt bleiben, sind Langzeitwirkungen nicht zwingend.

Grundsätzlich entwickeln sich Kapitalmärkte in Zyklen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Exogene Schocks, wie die aktuelle Pandemie, können im Zeitverlauf nie ausgeschlossen werden. Investitionen am Kapitalmarkt sollten daher stets unter langfristigen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Die Auswirkungen negativer Marktphasen können optimaler kompensiert und aussichtsreiche Chancen konsequent genutzt werden.

Was sind die Assetklassen, die Sie Ihren Kunden empfehlen?

Carolin Tsalkas: Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik bleiben Aktieninvestments erste Wahl. Die Liquiditätsschwemme der Notenbanken sowie die Konjunkturpakete der Staaten werden sicherlich Rückenwind für die Wirtschaftserholung erzeugen und die Unternehmensgewinne stabilisieren. Im Zuge der gestiegenen Risikoaversion sind auch Unternehmensanleihen unter Druck geraten und bieten teilweise noch attraktive Renditen. Besonders interessant ist dabei das Segment der Nachranganleihen. Diese werden von Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen zur Optimierung ihrer Eigenkapitalausstattung begeben. Aufgrund von regulatorischen Änderungen im Finanzsektor verlieren die Anleihen des sogenannten alten Formats, d.h. Titel, die vor dem Zeitpunkt der Regeländerung auf den Markt gekommen sind, sukzessive ihre Anrechenbarkeit auf das Eigenkapital. Hierdurch kommt es zunehmend zu Rückkäufen durch die jeweiligen Emittenten mit positiven Implikationen für die Anleihekurse. Der Selektionsfokus sollte dabei stets auf Emittenten mit ausreichender Liquidität und einem soliden Geschäftsmodell liegen. Aus Gründen der Portfoliodiversifikationen erachten wir auch Gold im begrenzten Umfang als empfehlenswertes Investment.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite, die Ihre Investoren erwirtschaften?

Carolin Tsalkas: Bestimmende Faktoren für die Portfoliokonstruktion sind neben der hohen Volatilität der Märkte und der damit einhergehenden Renditeschwankungen auch die individuellen Anlageziele und Verlusttoleranzen der Mandanten. Bei Investitionsentscheidungen stehen die drei Anlageziele Rendite, Sicherheit und Liquidität grundsätzlich in Konkurrenz zueinander. Je nach persönlicher Gewichtung ergeben sich unterschiedliche Anlagestrategien. Ein konservativer Anleger zum Beispiel, der ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Aktien und Renten wählt, kann bei dem aktuellen Niedrigzinsniveau über einen langfristigen Zeitraum gesehen mit einer durchschnittlichen Rendite von 4-6% p.a. kalkulieren.

Welche Assetklassen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders interessant sein?

Carolin Tsalkas: Bedingt durch den Umstand der mangelnden Anlagealternativen bleiben Aktieninvestments weiterhin attraktiv. Dabei sollten unserer Meinung nach Branchen wie Gesundheit, Infrastruktur, Automatisierung und Digitalisierung besonders im Fokus stehen. Im Bereich von verzinslichen Anlagen werden Segmente nachgefragt werden, die auskömmliche Renditepotenziale aufweisen. Dazu gehören beispielsweise Nachranganleihen, Wandelanleihen und Renten in Fremdwährungen. Und last but not least – auch wenn Kontoguthaben momentan nicht mehr verzinst werden – ist das Vorhalten einer Liquiditätsreserve unabdingbar. Schließlich müssen Investoren jederzeit in der Lage sein, sich kurzfristig bietende Marktopportunitäten für den Kauf aussichtsreicher neuer Wertpapiere nutzen zu können.

Investoren können auch eigenständig Aktien kaufen oder in Rohstoffe investieren. Was sind die wesentlichen Vorteile einer Vermögensverwaltungsgesellschaft?

Carolin Tsalkas: Ja sicher, rein theoretisch könnte jeder Anleger auch in Eigenregie an den Kapitalmärkten aktiv werden. In der Praxis sind die Hürden für Kapitalmarktunerfahrene jedoch sehr hoch und es existieren viele Stolperfallen. In Beratungsgesprächen erleben wir oft, dass Kunden zwar klare Vorstellungen von der Höhe der gewünschten Rendite haben, sich anderseits jedoch nicht bewusst sind, welche Risiken sie dafür eingehen müssten.

Als professioneller Vermögensverwalter ist es daher im ersten Schritt unsere Aufgabe, die Risikoneigung unseres Gegenübers zu ermitteln und unter Einbeziehung der persönlichen Anlageziele ein individuelles Rendite-Risiko-Profil zu erarbeiten. Auf dieser Basis wird im Anschluss eine maßgeschneiderte Anlagestrategie entwickelt. Danach übernehmen wir die Verantwortung für Zusammensetzung, Verwaltung, Überwachung und Optimierung des Portfolios.

Unsere Kunden brauchen sich weder Gedanken darüber zu machen, welche Anlageklassen oder Einzeltitel für sie passend sein könnten, noch, wann der richtige Zeitpunkt für Kauf oder Verkauf eines Wertpapieres gekommen sein könnte. Kurz: Die wichtigen Entscheidungen über das „Was“ (Diversifikation), „Wieviel“ (Investitionsquoten) und „Wann“ (Timing) übernehmen wir, genauso wie die zeitintensive Kapitalmarktbeobachtung, Analyse der Einzeltitel und die notwendige Gefahrenabwehr für das Portfolio. Unsere Portfoliomanager verfügen über ausgeprägtes Fachwissen, langjährige Markterfahrung und können mittels Zugriff auf führende Echtzeit-Informationssysteme das Depot, die einzelnen Investments und das Risiko aktiv steuern.

Auf den Punkt gebracht: eine professionelle Vermögensverwaltung optimiert und pflegt das ihr anvertraute Vermögen individuell im Sinne des Klienten, nimmt schwierige Entscheidungen ab, entlastet (nicht nur zeitlich) und erleichtert, den Überblick und die Kontrolle zu behalten.

Frau Tsalkas, vielen Dank für das Gespräch.

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