Die meisten Unternehmen sind mit Krisenmanagement beschäftigt – Thorsten Klindworth (A.B.S. Global Factoring AG)

Thorsten Klindworth ist CEO der A.B.S. Global Factoring AG. Interview spricht er über Preise und Konditionen beim Factoring und welche Voraussetzungen die erbrachten Leistungen und Schuldner mitbringen sollten.

Durch die Corona-Krise hat das Thema Liquiditätsmanagement für viele Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Spüren Sie eine erhöhte Nachfrage nach Factoring-Lösungen?

Thorsten Klindworth: Aktuell sind die meisten Unternehmen mit Krisenmanagement beschäftigt und kümmern sich hauptsächlich um das day-to-day Geschäft.

Viele Unternehmen haben KfW-Mittel beantragt und auch erhalten, so dass die Liquiditätssituation gesichert ist. Viele Unternehmen hatten einen starken Umsatzrückgang, so dass auch der Bedarf an Umsatzfinanzierung (genau das ist ja Factoring) tendenziell gesunken ist. Insofern hat sich die Nachfrage nach Factoring in den letzten Wochen noch nicht stark erhöht, aber wir rechnen im Herbst mit einem sprunghaften Anstieg, da die KfW-Mittel „aufgebraucht“ sind, sich die Umsätze wieder stabilisieren und wachsen, so dass auch wieder ein höherer Mittelbedarf entsteht. Hier ist Factoring als Working Capital Finanzierung ein wichtiger Baustein im Finanzierungsmix und eine gute Ergänzung zu staatlichen Soforthilfen und KfW-Darlehen.

Für welche Unternehmen und Branchen ist Factoring geeignet?

Thorsten Klindworth:  Factoring eignet sich zumeist für Unternehmen aus dem sogenannten „KMU“-Segment, also vorwiegend mittelständische Unternehmen aus nahezu allen Branchen, die es in Deutschland gibt. Die meisten Factoring-Anbieter bieten das Produkt nur im gewerblichen Bereich an, also dort wo Unternehmen anderen Unternehmen Rechnungen stellen (sogenannten B2B-Factoring). Aber auch B2C-Factoring ist im Kommen. Handel, Produktion und Dienstleistung sind die Branchen, die schon über die längste Factoring-Tradition verfügen.

Grundsätzlich ist Factoring aber für alle Unternehmen und Branchen, die Rechnungen über abgeschlossene Lieferungen und Leistungen fakturieren und bei denen es nicht zu größeren Rückgaben kommt oder die Projekte mit Abschlagrechnungen in Rechnung stellen.

Besonders geeignet ist Factoring, wenn der Cash Conversion Cycle, also die Bindung liquider Mittel im Umlaufvermögen eines Unternehmens, verringert werden soll, was wiederum Voraussetzung für ein gutes Rating ist. Mit Factoring hängt die Liquiditätsplanung nicht mehr vom Zahlungsverhalten der Kunden ab, sondern das in den Forderungen gebundene Kapital wird sofort freigesetzt. Die Debitorenlaufzeit verkürzt sich damit vom bisherigen durchschnittlichen Zahlungsziel der Kunden auf rund 2 Tage.

Das freigesetzte Kapital steht dem Unternehmen entweder zur Deckung von Verbindlichkeiten zur Verfügung, kann ins betriebliche Wachstum investiert werden oder versetzt das Unternehmen in die Lage, eingeräumte Skonti auf Lieferantenseite zu ziehen. Somit erlaubt Factoring auch einen zweiten Hebel anzusetzen, der die Profitabilität beeinflusst. Das spart Kosten bei der Beschaffung. Mitunter können sogar höhere Skonti bei den Lieferanten ausgehandelt werden.

Factoring ist somit eine clevere Brücke, mit der man seinen Kunden längere Zahlungsziele gewähren kann, ohne auf eigene Liquidität zu verzichten.

Da neben der Liquiditätsoptimierung beim Fall-Service-Factoring auch das komplette Debitorenmanagement als Zusatzleistung inkludiert ist, ist auch die administrative Entlastung für viele Unternehmen ein Trigger pro Factoring . Dazu zählen neben der regelmäßigen Bonitätsprüfung und -bewertung die Übernahme des Mahnwesens und Inkassos sowie bei Bedarf auch die Rechtsvertretung vor Gericht. Auch die Absicherung der Forderungen durch einen Forderungsausfallschutz gehört zum Leistungsportfolio.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Forderungen für Factoring in Frage kommen?

Thorsten Klindworth: Die Rechnungen sollten vollständig durchgeführte Lieferungen oder abgeschlossene Leistungen beinhalten. Abschlagrechnungen für Projekte oder Rechnungen, die dem Kunden großzügige Rückgabemöglichkeiten einräumen, scheiden meist aus. Die Laufzeiten sollten i.d.R. nicht mehr als 90 Tage betragen und die Forderungen sollten sich gegen bonitätsmäßig vernünftige Kunden richten.

Haben sich die Konditionen für Factoring seit der Corona-Krise verändert?

Thorsten Klindworth: Ich gehe davon aus, dass die Preise in den nächsten Wochen und Monaten steigen werden, da das Risiko in den Märkten aktuell sehr stark zunimmt und sich insofern auf die Risikoprämien auswirkt. Bei uns, der A.B.S. Global Factoring AG, sind die Preise bisher nicht gestiegen – ein Argument dafür, sich zügig mit Factoringlösungen zur Betriebsmittelfinanzierung auseinanderzusetzen. 

Mit welchen Kosten müssen Unternehmen beim Factoring rechnen, wie schnell erhalten Sie ihr Geld nach Rechnungsversand?

Thorsten Klindworth: Das Geld wird in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Rechnungsversand ausbezahlt. Die Kosten für Factoring sind bei uns sehr klar strukturiert und setzen sich aus Factoring-Gebühr und -Zinsen zusammen. Die Factoring-Gebühr ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vom Umsatz und der Bonität eines Unternehmens sowie seiner Abnehmerstruktur und den Laufzeiten der Forderungen ab. Die Gebühr deckt den Service und das Forderungsausfallrisiko ab und liegt je nach Geschäft zwischen 0,5 und 1,5 %. Die Zinsen für die Bevorschussung liegen aktuell bei 2,5 – 6,0 % p.a. Der Vorteil dabei: sie werden nur auf das tatsächlich genutzte Finanzierungvolumen berechnet. Neben Gebühr und Zins entstehen bei uns keine weiteren Kosten.

Ich empfehle gerne den Factoring-Rechner auf unserer Website. Er gibt schnell und übersichtlich eine grobe Orientierung. Außerdem ordnet die beiliegende Beispielrechnung die Kosten und den Nutzen ein. Denn es ist wichtig, die Einsparpotenziale, die Factoring erschließt, auch auszunutzen und die Profitabilität positiv zu beeinflussen. Zudem gehören Zahlungsausfälle der Vergangenheit an, d. h. Ihr Betriebsergebnis wird nicht mehr durch Debitorenverluste getrübt. Überlegen Sie selbst, wie viel Umsatz Sie ansonsten akquirieren müssten, um einen einzigen Zahlungsausfall wieder zu kompensieren.

Welche Voraussetzung sollte ein seriöser Factoring-Anbieter erfüllen?

Thorsten Klindworth: Zunächst einmal sollte er über die entsprechende Erlaubnis verfügen, die hierfür in Deutschland erforderlich ist. Alle seriösen Anbieter in Deutschland unterliegen der Regulierung durch die BaFin. Weiterhin sind die seriösen Anbieter im Deutschen Factoring Verband e.V. zusammengeschlossen. Als Interessent sollte man sich davon überzeugen, ob der jeweilige Anbieter wirklich zu einem passt, also ob er in der Lage ist, das passende Factoring-Produkt für seinen Kunden anzubieten, das seinen Bedürfnissen gerecht wird. Manche Anbieter spezialisieren sich mehr auf kleinere Mittelständler, andere mehr auf größere. Das sollte man im Blick haben, damit man den richtigen Partner findet. Weiterhin gibt es Unterschiede darin, ob der Interessent seine Debitorenbuchhaltung behalten will oder sie aus Effizienzgründen mit an den Factor übergeben möchte. Auch hier gibt es unterschiedliche Angebote.

Ein seriöser Factoring-Anbieter zeichnet sich zudem durch Transparenz und Vertrauen, die Gestaltung der Vertragsbedingungen und die Gebührenstruktur aus. Das zeigt sich auch im Anbindungsprozess und der Qualität des laufenden Supports. 

Herr Klindworth, vielen Dank für das Gespräch.

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