Vorgehensweise der Notenbanken ist unfair Ralf Hermann (Goldwelt24)

Ralf Hermann ist Inhaber von goldwelt24.de. Im Interview spricht der Edelmetallhändler über die Entwicklung des Goldpreises und die Folgen der expansiven Geldpolitik.

Die Schuldenkrise wird von den Notenbanken bekämpft, indem die Märkte mit Geld geflutet werden. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Ralf Hermann: Aus meiner Sicht ist diese Vorgehensweise der Notenbanken – wie Sie sie beschreiben – unfair. Es kommt verstärkt zu Fehlallokationen und unfairem Wettbewerb, was dazu führt, dass die Diversität bzw. Vielfalt leidet, oder anders ausgedrückt Konzentrationen zunehmen. Es entstehen Ungleichgewichte innerhalb und zwischen Nationen, Völkern, Branchen, je nachdem, wo die Mittel im Einzelnen landen. Es besteht die Gefahr des Missbrauchs. Was stärker im Fokus der Allgemeinheit ist, ist, dass die Gefahr besteht, dass mittel- bis langfristig die Kaufkraft des Geldes nicht nur allmählich, sondern vielmehr drastisch, also plötzlich und in stärkerem Ausmaß sinkt.

Sachwerte werden gern als „Inflationsschutz“ oder Mittel gegen die Geldentwertung bezeichnet. Können Sie uns dies einmal am Beispiel Gold veranschaulichen?

Ralf Hermann: Sie kennen ja sicher das berühmte Beispiel vom Maßanzug, den man sich mit einer Unze Gold schon immer kaufen konnte. Die meisten Papierwährungen von früher gibt es heute gar nicht mehr und der Tauschwert in Euro wäre so gering, dass Sie heute nicht mal mehr einen Knopf dafür bekommen. Aber gehen wir nur einmal zurück zur Bargeld-Euroeinführung, also maximal eine Generation, als man rund 350 Euro noch in eine Unze Gold tauschen konnte. Heute bekommen Sie rund 1650 Euro dafür. Sie könnten damit wohl immer noch die Rechnung für Ihre Familienfeier in einem gutbürgerlichen Restaurant bezahlen. Mit 350 Euro dürfte Ihre Verwandtschaft hingegen nicht allzu groß und oder nicht besonders durstig bzw. hungrig sein.

Was kostet eine Unze in der Herstellung?

Ralf Hermann: Die bekannte Maßgröße hierfür wird mit dem englischen Begriff „all-in-sustaining-costs“ ganz treffend umschrieben. Hierin sind im Prinzip alle Kosten pro Unze einer Goldmine ohne Gewinn enthalten. Je nach den Gegebenheiten und Strukturen weichen diese Kostenangaben voneinander ab und werden derzeit nach meinen Informationen je nach Abbaugebiet mit ca. 800 bis 1.000 US-Dollar pro Unze Gold bemessen. Dazu kommen die Form-Kosten der Prägeanstalt evtl. zuzüglich jeweiliger Vermarktungskosten und Zwischengewinne.

In welche Richtung geht mittelfristig der Goldpreis?

Ralf Hermann: Das kann Ihnen so genau natürlich niemand vorhersagen. Auf Basis der Historie rechnen wir innerhalb von drei bis fünf Jahren mit weiter steigenden Notierungen, in US-Dollar auf 2.500 bis 5.000 US-Dollar pro Feinunze Gold.  

Manche schwören auf Goldsparpläne, andere auf den Kauf von Münzen und Barren beim Händler. Was würden Sie empfehlen?

Ralf Hermann: Ich würde – wie Sie es schon schreiben – auf den Typ eingehen, denn beides kann Vor- und Nachteile haben. Wenn Sie sich um das Thema selbst kümmern möchten, würde ich eher Einzelkäufe tätigen, wenn Sie es etwas bequemer haben möchten, würde ich einen Sparplan mit regelmäßiger physischer Auslieferung wählen, um vom Durchschnittskosteneffekt zu profitieren. Von Papiersparplänen ohne regelmäßige Auslieferungsmöglichkeit halte ich als Basisabsicherung wenig, evtl. dann als Beimischung, wenn man bereits anderweitige finanzielle Absicherung getroffen hat.

Gold kann zuhause in großen Mengen aus unterschiedlichen Gründen meist nicht gelagert werden. Welche Orte empfehlen Sie?

Ralf Hermann: Zunächst sollte man für sich selbst bestimmen, was für einen selbst großen Mengen sind. Sofern eine Unterbringung zu Hause nicht möglich oder sinnvoll erscheint, oder man – wie Sie bereits in Ihrer Frage implizieren – bei den Orten diversifizieren möchte, was aus meiner Sicht immer Sinn macht, rate ich zu einer weitestgehend bankenunabhängigen Lagerung. Weiterhin sollte man sich gut informieren, wer dann alles in den Lagerprozess eingebunden ist und ggf. vorab Prüfmethoden anwenden, ob sein Vertrauen in die jeweilige(n) Institution(en) gerechtfertigt erscheint. Viele Kollegen empfehlen auch andere Rechtsräume außerhalb der EU oder mit einem robusten Bankensystem und Haushalt aber noch in eigener Sprache, wie z.B. das Fürstentum Lichtenstein. Ich finde, es kommt sehr darauf an, wie der Einzelne im Umfeld eingebunden ist und auf was er persönlich Wert legt, damit man eine genaue Empfehlung aussprechen kann, die schließlich auch von Nutzen ist.

Herr Hermann, vielen Dank für das Gespräch.

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