Altersvorsorge derzeit ohne Aktien nicht erfolgreich – Klaus Morgenstern (Deutsches Institut für Altersvorsorge)

Klaus Morgenstern ist Mitglied des Sprecherkollegiums bei der Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH. In Interview spricht er über die Notwendigkeit für Aktien zum Aufbau einer ausreichenden Altersvorsorge.

Klaus Morgenstern, Mitglied des Sprecherkollegiums bei Deutsches Institut für Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente ist nicht sicher, um im Alter sorgenfrei zu leben. Gut für denjenigen, der etwas angespart hat. Wie viel sollte es Ihrer Meinung nach bis 65+ sein?

Klaus Morgenstern: Die Höhe der ergänzenden privaten Vorsorge hängt jeweils vom individuellen Fall und dem geplanten Lebensstandard im Alter ab. Dabei spielt auch eine Rolle, ob eine betriebliche Versorgung existiert. Als Richtwert lassen sich 80 Prozent des Nettoeinkommens aus der Erwerbszeit ansetzen. Die Lücke zwischen diesen 80 Prozent und der zu erwartenden gesetzlichen Rente sollten mit privater Altersvorsorge oder betrieblicher Altersversorgung gefüllt werden. Anderenfalls drohen Abstriche bei der Lebensführung im Alter.

Was ist Ihre Meinung zu Aktien?

Klaus Morgenstern: Altersvorsorge ist derzeit ohne Aktien langfristig nicht erfolgreich zu betreiben. Anlagen mit nennenswerten Zinserträgen sind nicht mehr zu finden. Gerade wer frühzeitig mit der Vorsorge beginnt, kann auf Aktien setzen, da es bei den langen Anlagezeiträumen unerheblich ist, ob zwischenzeitliche Schwankungen auftreten.

Welche Anlageklasse würden Sie Menschen empfehlen, die ins Berufsleben einsteigen?

Klaus Morgenstern: Aktien, wie gerade gesagt. Für Berufseinsteiger die beste Wahl, weil wir bei ihnen über Anlagezeiträume von 40, 50 Jahren oder noch mehr reden. Da spielt es keine Rolle, wenn zwischenzeitlich Einbrüche an den Aktienmärkten hingenommen werden müssen. Lediglich in der rentennahen Zeit sollte zumindest zum Teil in etwas risikoärmere Anlagen umgeschichtet werden. Unser Rat an junge Berufseinsteiger: Kostenloses Konto bei einer Direktbank eröffnen, Aktiensparplan mit breit streuenden Indexfonds einrichten und einfach mit kleinen Raten die Aktienanlage ausprobieren. So lassen sich mit zunächst überschaubarem Risiko Erfahrungen mit Aktienanlagen sammeln.

An welchen Werten messen Sie sich und Ihr Unternehmen?

Klaus Morgenstern: Da wir eine kleine Denkfabrik in Sachen Altersvorsorge sind, spielen bei uns vor allem Werte wie die Bereitschaft, Bisheriges zu hinterfragen, und Transparenz bei allen Informationen eine maßgebliche Rolle.

Glauben Sie, dass sich Insolvenzen in Ihrer Branche Corona-bedingt häufen werden?

Klaus Morgenstern: Das Deutsche Institut für Altersvorsorge lässt sich schwer einer Branche zuordnen, da wir uns zwar mit dem Thema Finanzen beschäftigen, aber selbst keine Finanzprodukte vertreiben. Wir sind eher vergleichbar mit Informationsportalen, wobei unsere Tätigkeit deutlich über den Betrieb eines Informationsportals hinausgeht, da wir zum Beispiel auch Studien auflegen und Online-Tools entwickeln. Einrichtungen wir die unsere werden eher wenig mit den Folgen der Corona-Pandemie zu tun haben. Wir sind budgetfinanziert von unseren Gesellschaftern und Förderpartnern, die auch in Zeiten von Corona ein klare Bekenntnis zum Fortbestand des DIA abgegeben haben.

Wie haben Sie die Pandemie erlebt?

Klaus Morgenstern: Da wir nur eine sehr kleine Mannschaft sind, war die Umstellung für uns kein Problem. Wir haben Mitte März die gesamte Arbeit ins Home-office verlagert, wofür unabhängig von Corona die Bedingungen wie zum Beispiel externer Serverzugriff und Datensynchronisation bereits vorhanden waren. Einzig die Durchführung von Präsenzveranstaltungen mussten wir einstellen. Dafür haben wir im Frühjahr ein Online-Format eingeführt, dass wir beibehalten werden, auch wenn Veranstaltungen in der herkömmlichen Form wieder möglich sind.

Herr Morgenstern, vielen Dank für das Gespräch.

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