Das Erfolgsrezept heißt Arbeitsteilung – Wolfgang Juds (CREDO Vermögensmanagement)

Wolfgang Juds ist Geschäftsführer der CREDO Vermögensmanagement GmbH. Im Interview spricht der Kapitalmarktexperte über den Börsencrash und die Vorteile professioneller Vermögensverwaltung.

Wolfgang Juds
CREDO Vermögensmanagement

Aus Sicht eines Vermögensverwalters: Wie haben Sie das letzte Börsenbeben vor wenigen Monaten erlebt?

Wolfgang Juds: Es war Montag, der 24. Februar 2020. Für mich ein bedeutsamer Tag. Nach dem Wochenende brachen die Kurse an den Börsen erstmals massiv ein. Der DAX verlor allein 535 Punkte auf 13.035 Punkte. Danach ging es bis zum 18. März jeden Tag nur abwärts. Bei 8.441 Punkten blieb der DAX schließlich stehen. Für mich fühlte es sich kryptisch oder unwirklich an. Irgendwann kam der bundesweite Lockdown. Niemand wusste, wie es weitergeht. Die Nachrichtenlage wurde von Tag zu Tag schlimmer. Es gab schlicht weg kein anderes Thema mehr in den Medien. Die Kontaktsperren taten ihr Übriges. Die Märkte brachen von Tag zu Tag weiter ein und einige Kunden wurden unsicher, bekamen Angst und wollten ihre Bestände verkaufen. Jeden Tag musste ich Anleger beruhigen und ihnen Mut zusprechen. „Wir halten auf jeden Fall durch – wir verkaufen nichts!“ Das war mein CREDO. Daran habe ich festgehalten. Jeden Tag aufs Neue! Egal wie ich mich gefühlt habe, ich wusste, dass es irgendwann wieder steigen würde. Durchhalten war die Devise! Jeden Abend bin ich heim gegangen und habe an die Vernunft der Anleger appelliert … und zunächst wurde es schlimmer – jeden Tag schlimmer. Aber irgendwann drehte der Markt.    

Und die drauffolgende Rallye?

Wolfgang Juds: In der darauffolgenden Phase sind wir voll investiert geblieben und haben ein Rebalancing durchgeführt. Die Positionen, die am stärksten gefallen sind, haben wir aufgestockt. Dazu zählten zu der Zeit Goldminen und kurzlaufende Anleihen in Norwegischer Krone. Unser Vorteil war, dass wir keine riskanten Unternehmensanleihen hatten und keine toxischen Wertpapiere besaßen. Daher konnten wir die Erholung guten Gewissens abwarten und entspannt zusehen. Wir hatten keinen Strategiewechsel vorgenommen. Lediglich ab einem Stand beim DAX von 11.0000 Punkten haben wir eine Teilabsicherung über Put-Optionen eingebaut und damit die Aufwärtsdynamik im Depot verringert. Insgesamt sind wir sehr gut durch die Krise gekommen. Mit einem bislang überschaubar geringem Minus sind wir noch ganz zufrieden. Es hätte uns erheblich schlimmer treffen können.

Man kann sagen dieses Ereignis war nicht gewöhnlich. Wie schätzen die Langzeitwirkung ein?

Wolfgang Juds: Grundsätzlich gab es vermutlich kurzfristig keine andere Lösung als die Rettungspakete und die Gelddruckprogramme der Notenbanken. Allerdings geschieht dies nicht ohne Nebenwirkungen. Die Zinsen werden eingefroren. Insolvenzen müssen nicht gemeldet werden. Über Kurzarbeit wird die Arbeitslosigkeit aufgefangen. Das alles verändert die Spielregeln am Kapitalmarkt und heizt die Spekulation massiv an. Im Falle einer Schieflage rettet der Staat sowieso. Beispiele sind Lufthansa, Commerzbank, TUI und diverse weitere Firmen.

Was sind die Assetklassen, die Sie ihren Kunden empfehlen?

Wolfgang Juds: Wir empfehlen ein breit gestreutes Depot über eine Vielzahl von Anlageklassen. Schwerpunkte sind momentan Qualitätsaktien sowie Gold und Goldminenaktien. Auch mit einer Beimischung von US-Dollar- und Norwegen Kronen-Anlagen fühlen wir uns wohl. Wir haben die US-Staatsanleihen zwar mit gutem Gewinn verkauft, haben aber einige andere in US-Dollar notierte Aktien im Bestand. Auch REITs (Immobilienaktien) sind derzeit wieder attraktiv bewertet. Die Preise sind deutlich stärker gefallen als die Mieten, was den Sektor derzeit spannend macht.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite, die Ihre Investoren erwirtschaften?

Wolfgang Juds: Durchschnittlich haben wir in den letzten vier Jahren im ausgewogenen Depot 4% – 5% erwirtschaftet, beim Stiftungsdepot 3% – jeweils nach Kosten. Allerdings sind die Schwankungen erheblich gewesen, was daran liegt, dass es einfach keine Zinsen mehr gibt. Dadurch gibt es keinen Puffer mehr. Wir sind in der jüngsten Ausgabe von CAPITAL für unser ausgewogenes und unser chancenorientiertes Depot mit jeweils 5 Sternen ausgezeichnet worden.

Welche Assetklassen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders interessant sein?

Wolfgang Juds: Aktien und Gold sowie Goldminenaktien – daran führt kein Weg vorbei. Die Zinsen werden auf absehbare Zeit nicht steigen. Dadurch braucht es Alternativen – die liegen im Sachwertbereich. 

Investoren können auch eigenständig Aktien kaufen oder in Rohstoffe investieren. Was sind die wesentlichen Vorteile einer Vermögensverwaltungsgesellschaft?

Wolfgang Juds: Bestimmt kennen Sie Walt Disney. Micky Maus, Schneewittchen, Dagobert Duck und Co. hat er auf die Leinwand gebracht. Was viele nicht wissen ist: Ohne die Hilfe seines Bruders hätte er vermutlich nie so bahnbrechend Karriere gemacht. Während er sich selbst um den kreativen Part seines Unternehmens kümmerte, war Roy Disney für die Finanzen zuständig. Er war Vorstandsvorsitzender, später Präsident und Vermögensverwalter der Walt Disney Company. Und obwohl Roy nie im Rampenlicht stand, wäre die Sensationsgeschichte von Disney, die bis heute noch nicht zu Ende erzählt ist, ohne seine Hilfe nie möglich gewesen. Das Erfolgsrezept heißt Arbeitsteilung. Es verdeutlicht, wie wichtig es ist, einen Ansprechpartner an seiner Seite zu haben, der einem zu allen Zeiten den Rücken freihält. Der Anleger hat den Vorteil, dass er sich um sein Kerngeschäft, um seine Aufgaben kümmern kann. Der Vermögensverwalter kümmert sich um die Geldanlagen und nimmt dem Anleger die Entscheidungen in schwierigen Zeiten ab. Wenn der Verwalter das gut managt, ist er auf alle Fälle sein Geld wert.

Herr Juds, vielen Dank für das Gespräch.

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