Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen schlummert viel Potenzial – Jan Schaller

Jan Schaller berät als Coach Unternehmen bei der Digitalisierung und Optimierung von Abläufen und Prozessen. Im Interview spricht er über wichtige Trends und den Corona-bedingten Bewusstseinswandel in vielen Unternehmen.

In der letzten Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen nicht hinreichend digitalisiert sind. Was sind Ihre Erfahrungen bezüglich der Digitalisierung der Wirtschaft?

Jan Schaller: Ich glaube, dass gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen viel Potenzial schlummert. Große Unternehmen sind zwar auch nicht zwingend gut aufgestellt, haben aber die Kapazitäten, sich ggf. neu zu organisieren und auch zu digitalisieren. Bei kleineren Unternehmen fehlt es oft schlicht an Zeit, Erfahrung und Personal um neben dem Tagesgeschäft (gerade in einer so fordernden Phase wie aktuell) auch noch die Digitalisierung zu stemmen. Dabei könnte diesen oftmals sehr davon profitieren, wenn zumindest Teile ihrer Abläufe digitalisiert wären.

Was macht Ihr Unternehmen, um anderen Firmen bei der Digitalisierung zu helfen?

Jan Schaller: Ich sehe mich als jemand, der andere anleitet, es selbst zu können. Ich möchte keine ständige Abhängigkeit aufbauen, sondern dass die Unternehmen und Menschen selbst in der Lage sind, mit digitalen Tools sinnvoll zu arbeiten. Daher ist es mir auch wichtig, zunächst mal eine eingehende Analyse durchzuführen. Ich muss verstehen, was das Unternehmen tut, wie die internen Abläufe sind und wo vielleicht auch die Knackpunkte sind. Erst dann kann ich gute Vorschläge machen, damit die Arbeit auch sinnvoll erleichtert wird. Denn eines ist auch klar: Neue Werkzeuge sind immer nur dann gut, wenn sie auch genutzt werden. Ich würde also von einem Dreischritt sprechen: Analyse der konkreten Situation vor Ort; Erstellen einer individuellen Lösung; Einarbeitung und Vorstellen der Lösung sowie Besprechen konkreter Fragen.

Was ist Ihre Spezialisierung?

Jan Schaller: Ich bin studierter Sozialwissenschaftler und habe so natürlich einen anderen Blickwinkel als jemand, der nur einen technischen Hintergrund hat. Das ermöglicht es mir, auch andere Faktoren als die bloße Technik in den Blick zu nehmen. Letztendlich sind es immer Menschen, die damit arbeiten müssen und diesen Menschen sind verschiedene Dinge wichtig. Wie sicher sind sie im Umgang mit Technik? Wollen sie sich intensiv damit beschäftigen, oder soll es einfach funktionieren? Spielen vielleicht noch andere Faktoren eine Rolle, Klimaverträglichkeit zum Beispiel oder Datenschutz? Ich kann also letztlich ein Konzept liefern, dass sehr gut zum jeweiligen Kontext passt. Auf technischer Ebene bin ich sicherlich eher auf Hardware und Services von Apple spezialisiert und schreibe auch für Publikationen in diesem Bereich.

Für Firmen welcher Größenordnung macht es Sinn, sich der Optimierung digitaler Prozesse zu widmen, auch insbesonders hinsichtlich der Kosten?

Jan Schaller: Ich würde hier auf das eingangs Gesagte verweisen. Prinzipiell macht es für Unternehmen aller Größen Sinn, zumindest zu prüfen, welche Potenziale vorhanden sind. Den kleinen und mittleren Unternehmen fehlt eben nur manchmal eine Person, die sich neben dem Alltagsstress auch noch damit befassen kann. Dieses Investment in Zeit ist aber enorm wichtig, da man letztlich oft auch viel günstigere und passendere Lösungen finden kann, wenn man sich zunächst mal die Zeit nimmt, um zu analysieren, was überhaupt Sinn macht. Aber klar – im Alltagsgeschäft ist das nicht einfach.

Was sind die wichtigsten aktuellen Trends?

Jan Schaller: Zu den wichtigsten aktuellen Trends rechne ich das Arbeiten im Team über Distanzen hinweg und damit verbunden das Thema Home Office. Hier kommt durch Corona gerade viel in Bewegung. Manche, die bisher skeptisch waren, erleben nun, dass Home Office geht und oft sogar produktivere und zufriedenere Mitarbeiter*innen mit sich bringt. Hier gibt es aber nach wie vor viel zu tun. Zum einen was die technischen Voraussetzungen angeht, zum anderen aber auch das Einüben von Routinen. Es ist einfach etwas anderes, ob man im Büro oder zuhause arbeitet. Beides hat Vor- und Nachteile und aktuell geht es für viele noch darum, diese neuen Routinen einzuüben, um die Nachteile des Arbeitens im Home Office zu minimieren.

Für produzierendes Gewerbe wird der Versand immer wichtiger. Auch kleine Boutiquen, Buchhandlungen und ähnliche Geschäfte können hier die Möglichkeiten nutzen und vielleicht sogar Geld sparen, indem sie ihre Ladenflächen reduzieren. Kund*innen können dann online einen Warenkorb zusammenstellen und nur zum Anprobieren und Abholen in das eigentliche Geschäft gehen. Auch Beratungsleistungen können problemlos über Videocall-Lösungen wie Skype oder Zoom erledigt werden.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Branche aus?

Jan Schaller: Ich denke allein an den eben skizzierten Trends lässt sich ablesen, dass meine Branche viel zu tun hat in der kommenden Zeit. Corona hat Deutschland einen Digitalisierungsschub verpasst, vieles was vorher mit Skepsis beäugt wurde, ist plötzlich Standard. Das eröffnet aber auch ganz neue Möglichkeitsräume, da vielen jetzt erst so richtig bewusst wird, was überhaupt alles möglich ist. Hinzu kommt, dass der Technologiesektor eh sehr innovationsgetrieben ist. Man muss sich nur mal vergegenwärtigen, was in den vergangenen zehn Jahren alles passiert ist. Das iPhone – und damit das Smartphone als Gerätekategorie – ist vor gerade einmal 13 Jahren in unser Leben getreten. Ich selbst habe als Kind in den 90ern noch in einem Haushalt ohne Internet gelebt. Da kann man sich vorstellen, dass wir in weiteren zehn Jahren nochmals ganz woanders sein werden. Von daher sehe ich die Zukunft meiner Branche als ziemlich vielversprechend an.

Herr Schaller, vielen Dank für das Gespräch.

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