„Die emotionale Rendite steht im Vordergrund“.

Wir sprechen mit Nina Gladen, Crowd-Spezialistin von Xavin, einer Crowdinvesting-Plattform für Vereine, über Wirkungsorientiertes Investieren.

Impact Investment, ein neuer Name für einen länger anhaltendem Trend. Was steckt hinter diesem Begriff?

Nina Gladen: Die Bedeutung von Impact Investing ist recht einfach. Es steht für eine wirkungsvolle, nachhaltige Geldanlage. Der Trend zeichnet sich tatsächlich schon länger ab, da die Vielfältigkeit der Anlagemöglichkeiten immer größer wird. Gleichzeitig aber auch immer anonymer, durch die weltweiten Möglichkeiten solcher Investments. Zum Glück kann sich Deutschland als ein recht reiches Land bezeichnen und die Anleger wählen ihr Invest immer bewusster aus: Der Fokus ausschließlich auf finanzielle Rendite zu spekulieren rückt in den Hintergrund. Die möglichst messbare Hilfe und Unterstützung steht oftmals im Vordergrund. Gutes tun und davon profitieren trifft bei vielen Menschen den Nerv der Zeit. Sich ökologisch und sozial zu engagieren, schafft einen Mehrwert, den viele gerne nutzen. Insbesondere in Coronazeiten ist der Unterstützungswille besonders groß und hat gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt und die unterschiedlichsten Hilfen sind.

Sie haben sich auf Impact Investments spezialisiert – warum?

Nina Gladen: Wir sind im Bereich Vereine gestartet. Das war unsere Einstiegsgruppe, welche für uns recht gut erreichbar war. Der Bedarf bei Vereinen ist recht groß, und die Möglichkeiten für uns bei Projekten mitzufinanzieren ebenfalls. Gemeinnützige Vereine waren bereits der erste Schritt in diesem Umfeld. Unser Modell funktioniert aus einem Grund sehr gut: Wir können mit relativ geringen Renditen arbeiten, da der Nutzen für den Anleger nicht nur beim Zins liegt, sondern vor allem der sichtbare Impact vor Ort im Fokus steht. Dieser Vorteil ist umso größer, je emotionaler ein Projekt ist. Wir sprechen dabei von einer emotionalen Rendite. Nirgendwo sonst kann man mehr Wirkung erzeugen, als im sozialen Bereich. Denken Sie an ein Kinderkrankenhaus, ein Hospiz oder Projekte in der Jugendhilfe.  Der Trend bei Anlegern Gutes zu tun und sich in der Geldanlage zu engagieren nimmt stetig zu. Wenn gleichzeitig damit ein Projekt direkt vor das Haustüre umgesetzt wird, ist dazu noch die Verbundenheit vorhanden und macht jedes Investment noch greifbarer. Die Anleger können durch ihr Investment nicht nur helfen, sondern auch die Menschen erleben, die dadurch profitieren.

Wer ist Ihr Kunde, der grüne Hippie mit Traumvorstellungen von der Welt oder gibt es kein typisches Profil?

Nina Gladen: Unsere Kunden sind tatsächlich mittleren Alters, verfügen über genügend Kapital um Geld bis zu 10 Jahre anlegen zu können. Meistens sind diese Anleger regional verbunden und bereit für soziales Engagement auf Rendite zu verzichten.

 Welche Renditen lassen sich mit Impact Investments erwirtschaften?

Nina Gladen: Tatsächlich benötigt es bei Xavin kaum hohe Zinsen, da die emotionale Rendite im Vordergrund steht: Unsere Zinsen bewegen sich zwischen 0,70 bis 3,50% pro Jahr. Außerdem gibt es bei Xavin für jede Anlage eine großartige und wirklich einzigartige Prämie. Der Anglerverein hat zum Beispiel jedem Investor einen frischen Lachs spendiert. Es gibt natürlich auch andere Formen des Impac Investing, bei denen die finanzielle Rendite im Vordergrund steht und die neben der Wirkung auch maximale finanzielle Rendite zu erzeugen. Direkter als bei Xavin geht es unserer Meinung aber nicht.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Investieren nach ESG-Kriterien und Impact Investing?

Nina Gladen: Bei Xavin verstehen wir Impact Investing weniger aus der finaziellen Renditebrille. Der hauptsächliche Unterschied liegt für uns im direkten Nutzen der Geldanlage durch direktes Investment in gezielt Projekte. Die entweder selbst erlebbar ist, weil man selbst von der Umsetzung der Projekte profitiert, oder weil die Investments an konkrete Projekte gebunden sind. Bei uns gilt also „Impact First“ und die Wirkung muss nicht nur messbar, sondern tatsächlich erlebbar sein. Bei einer Geldanlage ist diese Komponente üblicherweise nicht gegeben.

Werden diese Art von Investments die Welt verbessern können? Kann man die Wirkung messen?

Nina Gladen: Diese Investments verbessern die Welt zunächst im Kleinen, nämlich in der jeweiligen Region sowie bei den lokalen Organisationen, die die Projekte umsetzen. Sie stärken das WIR-Gefühl und geben Menschen die Möglichkeit Teil dessen zu werden, was andere an sozialem Beitrag leisten können.

Die Wirkung können Sie messen, wenn Sie beispielsweise die Hoffnungshäuser besuchen und die Menschen kennenlernen, denen solche Projekte einen neuen Lebensraum geschenkt haben. Sie wird direkt messbar, wenn etwa neuer sozialer Wohnraum oder neue Sportanlagen geschaffen werden. Langfristig schlägt sich das positiv auf die Erfolgsmessung jedes einzelnen Projektstarters nieder.

Frau Gladen, wir danken Ihnen für das Gespräch

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