Konditionen für Factoring konstant auf einem attraktiven Niveau

Wir sprechen mit Sascha Wilhelmi, Geschäftsführer der CommerzFactoring GmbH, über die Liquiditätsfunktion des Factorings.

Durch die Corona-Krise hat das Thema Liquiditätsmanagement für viele Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Spüren Sie eine erhöhte Nachfrage nach Factoring-Lösungen?

Sascha Wilhelmi, Geschäftsführer der CommerzFactoring GmbH

Sascha Wilhelmi: Factoring gewinnt zunehmend an Bedeutung und die Corona-Krise beschleunigt diesen Trend eindeutig. Viele Unternehmen wurden ab März zunächst mit noch nie dagewesene Lieferengpässen aus China und Norditalien konfrontiert. Mit der globalen Ausbreitung des Virus folgten dann branchenabhängig teilweise dramatische Umsatzrückgänge. Bei einigen unserer Bestandskunden im metallverarbeitenden Gewerbe bzw. Automotive-Bereich kam es im Vergleich zum Vorjahr zu Umsatzrückgängen bis zu 90%. Viele Unternehmen nehmen die staatlichen Instrumente wie z.B. das mittlerweile bis Ende 2021 verlängerte Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und KfW-Mittel in Anspruch. Doch alle diese Maßnahmen können ein Abschmelzen des Eigenkapitals sowie der Liquiditätsreserven der Unternehmen nur bremsen, aber nicht verhindern. KfW-Darlehen führen zudem zu einer erhöhten Verschuldung. Alle diese Faktoren erschweren die Kreditvergabe durch Banken. Factoring führt dem Unternehmen bonitätsunabhängig, zusätzliche Liquidität zu und verbessert die Eigenkapitalquote. Wir gehen daher von einem gesteigerten Wachstum aus.

Für welche Unternehmen und Branchen ist Factoring geeignet?

Sascha Wilhelmi: Factoring eignet sich vor allem für produzierende Unternehmen sowie für Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich inkl. Handel. Wichtiger als die Betrachtung der Bonität des Unternehmens ist die Fragestellung, ob die zu verkaufenden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen werthaltig sind.

Die Werthaltigkeit hängt bspw. davon ab, in welcher Höhe die Abnehmer unserer Kunden Zahlungsabzüge vornehmen können, also z.B. Skonto, Reklamationen oder anderweitige Gegenforderungen haben, wie z.B. Bonusvereinbarung oder Gegengeschäfte. Wir schauen uns daher sehr intensiv das Grundgeschäft unserer Kunden und die Vereinbarungen mit deren Abnehmern an. Grundsätzlich gilt: Je standardisierter das Produkt bzw. die Leistung und je weniger wechselseitige Verpflichtungen der Vertragspartner, desto eher eignet sich Factoring.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Forderungen für Factoring in Frage kommen?

Sascha Wilhelmi: Die CommerzFactoring GmbH bietet ihre Lösungen Unternehmen im B2B-Bereich an, die einen Jahresumsatz von 2,5 Mio. Euro oder mehr erzielen. Außerdem müssen unsere Kunden auch Firmenkunden der Commerzbank AG sein – bzw. durch Kontoeröffnung im Zuge des Factoring – werden.

Haben sich die Konditionen für Factoring seit der Corona-Krise verändert?

Sascha Wilhelmi: Die Konditionen für Factoring sind in den letzten Jahren konstant auf einem attraktiven Niveau. Corona hat daran bislang nichts geändert. Die effektiven Finanzierungskosten im Factoring liegen nahe bei den Kosten für einen Kontokorrent-Kredit, wobei die Konditionen für den Kredit von der Bonität des Kunden abhängig sind. Unsere Kunden profitieren zusätzlich im Factoring durch den Schutz vor Forderungsausfällen und von der Kennzahlenoptimierung. Zudem kann Factoring auch für solche Unternehmen interessant sein, die ohne Gewährung zusätzlicher Sicherheiten keinen Kredit erhalten würden.  

Mit welchen Kosten müssen Unternehmen beim Factoring rechnen, wie schnell erhalten Sie ihr Geld nach Rechnungsversand?

Sascha Wilhelmi: Die CommerzFactoring GmbH hat im Wesentlichen zwei Kostenkomponenten. Die Factoringgebühr wird auf den Umsatz aller Forderungen berechnet. Aus der Summe der jeweils angekauften Forderungen ergibt sich eine täglich schwankende „Verfügbarkeit“, die bedarfsgerecht von den Kunden abgerufen werden kann und auf welche tagesaktuell wie bei einem Kontokorrent-Kredit Zinsen berechnet. Erfolgt die Übertragung der neuen Rechnungen und Gutschriften über eine IT-Schnittstelle in den Morgenstunden, kann der Kunde taggleich eine Auszahlung anfordern. Je nach Empfängerbank steht dann die benötigte Liquidität noch am gleichen Tag zur Verfügung. Bei der Auswahl des Factoring-Unternehmens sollte der Kunde allerdings wissen, dass die Konditionsgestaltung der unterschiedlichen Anbieter abweichend hierzu sein kann. Im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern garantiert die CommerzFactoring GmbH die Konditionen für die gesamte Vertragslaufzeit (mindestens: 1 Jahr). Außerdem ist es bei einigen Wettbewerbern notwendig, unabhängig vom konkreten Liquiditätsbedarf die volle Verfügbarkeit zu nutzen. Dies kann deutlich höhere Zinsaufwendungen zur Folge haben. 

Welche Voraussetzung sollte ein seriöser Factoring-Anbieter erfüllen?

Sascha Wilhelmi: Ein seriöser Factoring-Anbieter sollte durch folgende Faktoren überzeugen:

1. Eine gesicherte Refinanzierung: Im Falle der CommerzFactoring GmbH durch die Commerzbank AG

2. Verständnis für das Geschäft des Kunden: Die Chancen und die Risiken des Factorings hängen stark von den jeweiligen Branchen ab. Die CommerzFactoring GmbH hat seit ihrer Gründung im Jahr 2008 diese Expertise aufgebaut. Mit einem Factoringumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro im Jahr 2019 gehört die CommerzFactoring mittlerweile zu den Top-5- Anbietern im deutschen Markt.

3. Zuverlässige Systeme: Unsere Kunden arbeiten in der Regel täglich mit uns zusammen und entscheiden selbst, ob sie den persönlichen Kontakt zum Kundenbetreuer suchen oder die Abwicklung vorwiegend über unsere Onlineplattform erfolgt. Es sollte selbstverständlich sein, dass diese Zusammenarbeit professionell und effizient vonstattengeht und auf Kundenseite einen minimalen Zusatzaufwand zur Folge hat.

Herr Wilhelmi, wir danken Ihnen für das Gespräch

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