Von undurchsichtigen und illiquiden Anlageformen sehen wir ab – Peter Kugel (PRIVALOR AG)

Peter Kugel ist Vorstand der PRIVALOR AG. Im Interview spricht er über die langfristigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Finanzmärkte und die Vorteile professioneller Vermögensverwaltung in stürmischen Zeiten.

Peter Kugel
PRIVALOR AG

Aus Sicht eines Vermögensverwalters: Wie haben Sie das letzte Börsenbeben vor wenigen Monaten erlebt?

Peter Kugel: In den ersten Monaten war es die Überzeugung der Weltgesundheitsorganisation und der westlichen Regierungen, dass die Bedrohung durch das Virus und damit auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sehr stark regional auf Wuhan beschränkt sein würde. Dass diese Einschätzung falsch war, wurde der breiten Öffentlichkeit und den Börsenmarktteilnehmern insbesondere durch die sich dramatisch verschlimmernde Situation in Nord-Italien deutlich. Ab diesem Zeitpunkt fielen die Aktien- und Rentenbörsen mit einer sehr dramatischen Geschwindigkeit.

Im Rentenbereich waren die Verluste in unseren Kundendepots nur marginal, da wir bereits in der Vergangenheit einen Fokus auf die gute Zahlungsfähigkeit von Schuldnern gelegt haben und bewusst nur Wertpapiere erworben hatten, die nur gering auf die Risiken sich ändernder Zinssituationen reagieren. Eine Veränderung der Depots war aus diesen Gründen nicht erforderlich. Nach den allerersten Kursrückgängen haben wir die Aktienbestände unserer Kunden sehr deutlich reduziert, um sie vor großen Teilen der weiteren Verlustrisiken zu schützen. Dabei waren wir sehr erfolgreich.

Und die drauffolgende Rallye?

Peter Kugel: Im Zuge der sich weiter verschärfenden Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens wurden die Volkswirtschaften und Unternehmen von den Staaten und Notenbanken im sehr großen Maßstab unterstützt. Die dort eingesetzten Mittel überstiegen bei Weitem die Mittel, die in früheren Krisen aufgewendet wurden. Dadurch ergab sich ein deutlich spürbares Spannungsfeld. Auf der einen Seite wirkten die staatliche und durch Notenbanken freigesetzte Liquiditätsunterstützung auf die Nachfrage nach festverzinslichen Wertpapieren und Aktien preistreibend. Auf der anderen Seite stieg gleichzeitig die Sorge vor der Einschränkung der zukünftigen Handlungsfähigkeit der nun höher verschuldeten Staaten gepaart mit vollkommen unklaren Prognosen bezüglich der Höhe und Dauer der Belastung durch die Krise für die Unternehmen.

Unsere wertstabilen Anlagen – unter anderem festverzinsliche Wertpapiere – hatten wir in der Abwärtsbewegung nicht verändert und mussten dieses Portfolio auch in der Erholung deshalb nicht anpassen. Aktuell haben wir für unsere Kunden in diesem Anlagesegment im Jahr 2020 bisher eine positive Rendite erzielen können.

Im Bereich der stärker schwankenden Anlageformen haben wir nach der allerersten Stabilisierung der Aktienmärkte wieder Positionen im Aktienbereich und in Gold aufgebaut. Diese Positionen sind in Ihrem Wert seitdem stark gestiegen. Wir hielten es aufgrund der wirtschaftlichen Risiken in einer weltweiten Pandemie und den aufgrund der unklaren Gewinnsituation der Aktienunternehmen nicht für sinnvoll, das gesamte, für diesen Anlagebereich vorgesehene Kapital zu investieren. Aus diesem Grund weisen unsere Kundendepots im Jahr 2020 in diesem Bereich noch eine geringe negative Rendite aus.

Man kann sagen, dieses Ereignis war nicht gewöhnlich. Wie schätzen die Langzeitwirkung ein?

Peter Kugel: Die Langzeitwirkungen durch die Pandemie halten wir für erheblich. Die Verschuldung der Staaten und zum Teil auch der Unternehmen und der privaten Haushalte ist weltweit stark angestiegen. Dies mindert dauerhaft die Möglichkeit, Gelder auszugeben. Dies wirkt langfristig negativ auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen und damit auf die Preise von Aktien.

Die Zinsen werden durch die neue Situation in Europa noch sehr lange sehr niedrig bleiben. Dies wiederum hat dramatische Folgen für die Renditen von wertstabilen, festverzinslichen Wertpapieren. Dadurch werden viele Renditeerwartungen – zum Beispiel von kapitalbildenden Versicherungen und betrieblichen Altersvorsorgen – nicht erreicht werden können. Renditen, die eine Geldentwertung ausgleichen, werden nur durch die Inkaufnahme zusätzlicher Risiken möglich und nicht in allen Fällen sinnvoll sein.

Grundsätzlich erwirtschaften aktuell die allermeisten Aktienunternehmen Gewinne. In der Vergangenheit ist es den Unternehmen im Durchschnitt auch immer gelungen, ihre Gewinne zu steigern. Dies wird auch in der Zukunft gelingen und die Aktienpreise werden mittel- und langfristig weiter steigen. Die Preisentwicklung der Aktien wird dabei zudem mittelfristig stark durch die häufig fehlenden Anlagealternativen unterstützt.

Was sind die Assetklassen, die Sie ihren Kunden empfehlen?

Peter Kugel: Die Zusammenstellung der Anlagen erfolgt nach einem intensiven Gespräch über die Kundenwünsche. Dies führt zu einer sehr individuellen und auf den jeweiligen Kunden zugeschnittenen Auswahl der Anlagen.

Für die schwankungsarmen Anteile der Gesamtanlage empfehlen wir den Kunden festverzinsliche Wertpapiere, bei denen für uns der Sicherheitsaspekt über dem Renditeaspekt steht. Um die Rendite in diesem Bereich zu steigern, mischen wir konservative Mischfonds und offene Immobilienfonds bei.

Für den Anteil der Gesamtanlage, für den höhere mittelfristige Renditen im Vordergrund stehen, investieren wir in Gold und weltweit verteilt in Aktienanlagen. Von undurchsichtigen und illiquiden Anlageformen sehen wir ab.

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite, die Ihre Investoren erwirtschaften?

Peter Kugel: Im schwankungsarmen Bereich halten wir die sehr schönen Renditen der Vergangenheit mittelfristig nicht mehr für realistisch, ohne dass höhere Risiken in Kauf genommen werden müssen. Von der Risikoerhöhung in diesem Anlagesegment sehen wir jedoch ab. Aus diesem Grund halten wir eine Rendite von ca. einem Prozent pro Jahr für erzielbar. In der Vergangenheit waren die erzielten Renditen in diesem Anlagesegment deutlich höher.

Bei den Aktienanlagen streben wir mittelfristig Renditen nach Kosten im Bereich von über 5% an. In der Vergangenheit haben wir unser Renditeziel in aller Regel erreicht. Sehr häufig konnten wir teilweise sehr viel höhere Renditen für unsere Kunden erzielen.

Welche Assetklassen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders interessant sein?

Peter Kugel: Unter Renditegesichtspunkten werden die mit Abstand interessantesten Anlageformen Immobilien- und Aktienanlagen sein. Für Aktienanlagen erwarten wir dabei langfristig die besten Renditen im Vergleich zu den anderen Anlageformen. Um die Kaufkraft des Vermögens zu sichern, bieten sich zudem Anlagen in Gold an. Hierbei müssen aber – wie bei Immobilen und Aktien – leider starke Preisschwankungen in Kauf genommen werden.

Investoren können auch eigenständig Aktien kaufen oder in Rohstoffe investieren. Was sind die wesentlichen Vorteile einer Vermögensverwaltungsgesellschaft?

Peter Kugel: Ein guter Vermögensverwalter kennt die Wünsche und Ziele seiner Kunden sehr genau. Durch seine Tätigkeit arbeitet er täglich an der Erreichung der finanziellen Kundenziele. Bei der überwiegenden Anzahl dieser Arbeitsschritte muss der Investor nicht mitwirken. Er wird im von ihm gewünschten Umfang informiert. Darüber hinaus wird er fast vollständig von allen übrigen Tätigkeiten entlastet.

Sofern der Anleger eigenständig Produkte wie ETFs oder direkte Aktien mit geringer Kostenbelastung bei einem günstigen Bankanbieter erwirbt, stellt dies die kosteneffizienteste Anlagemöglichkeit im Wertpapierbereich dar. Im Vergleich zur Abwicklung über die klassische Hausbank wird jedoch die Kostenbelastung bei einem Vermögensverwalter in der Regel geringer ausfallen, da dieser den Einsatz kostengünstiger, nicht an die Hausbank gebundener Produkte und Sonderkonditionen für die Abwicklung sicherstellen kann. Dass hierbei Interessenkonflikte beispielsweise durch Provisionen der Banken und Produktanbieter zu Gunsten des Vermögensverwalters entstehen, ist sogar gesetzlich durch ein streng kontrolliertes Provisionsannahmeverbot gewährleistet.

Auf einen Anlagezeitraum von zehn Jahren erwarten wir deutlich höhere Aktienkurse als heute. Auf dem Weg dahin halten wir allerdings temporäre Preisrückgänge von mehr als 40% an den breiten Aktienindizes für wahrscheinlich. Bei Kursrückgängen in dieser Größenordnung benötigt ein eigenständig agierender Anleger ein sehr stabiles Nervenkostüm, wenn die eigenen Vermögenswerte akut und sichtbar betroffen sind. Neben einer breiten und guten Verteilung der Anlagegelder wird es für das Ausmaß von Verlusten und Gewinnen entscheidend sein, dass ein Anleger sich in den „Krisenmarktphasen“ richtig positioniert. Für eine fundierte Anlageentscheidung werden hierzu die richtigen Werkzeuge benötigt, um eine Situation zu bewerten und wohlüberlegte Kauf- und Verkaufsentscheidungen zu treffen. Ein guter Vermögensverwalter verfügt über diese Werkzeuge, die Zeit und im Idealfall die nötige Ruhe und Erfahrung, um in einer Krise fundierte Entscheidungen im Sinne seiner Mandanten zu treffen. Es gibt aber sicherlich auch Anleger, die über diese Fähigkeiten verfügen. Diese benötigen keinen Vermögensverwalter.

Herr Kugel, vielen Dank für das Gespräch.

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