Das Ausfallrisiko im Blick haben – Roland Scholz (S-Factoring GmbH)

Wir sprechen mit Roland Scholz, Generalbevollmächtigter der S-Factoring GmbH, ein Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe, über die Liquiditätsfunktion des Factorings.

Durch die Corona-Krise hat das Thema Liquiditätsmanagement für viele Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Spüren Sie eine erhöhte Nachfrage nach Factoring-Lösungen?

Roland Scholz: Als Factoring vor Jahren eingeführt wurde, gab es zunächst vereinzelt Bedenken: Machen das nicht nur Unternehmen mit Zahlungsschwierigkeiten? Heute ist Factoring als modernes und zeitgemäßes Finanzierungsinstrument nicht mehr aus der Unternehmensfinanzierung wegzudenken. Denn Factoring erhöht die Liquidität und damit die Flexibilität eines Unternehmens. Mit Factoring signalisiert man seinen Kunden auch, dass man den Schwerpunkt auf das Kerngeschäft legt, aber gleichzeitig die Kunden mit einem attraktiven Zahlungsziel unterstützt.

Als Factoring-Spezialist für Unternehmen sowie Abrechnungsdienstleister für medizinische Leistungen bieten wir – die S-Factoring GmbH – auch in diesen Zeiten – wie gewohnt – eine schnelle und solide Lösung zur Liquiditätssicherung an. Wir merken, dass viele große Unternehmen scheinbar Liquidität „sichern“. Da verzichten Großkonzerne plötzlich auf Skonto, nutzen Zahlungsziele oder bitten Ihre Lieferanten um längere Zahlungsziele. Die betroffenen Zulieferer wenden sich dann häufig an uns. Also ja, wir spüren den erhöhten Bedarf.

Für welche Unternehmen und Branchen ist Factoring geeignet?

Roland Scholz: Factoring ist grundsätzlich für alle Branchen geeignet, bei denen abgeschlossene Lieferungen und/oder Leistungen mit anschließender Rechnungsstellung vorliegen, egal ob im Transportbereich, bei Dienstleistungen, im Handel oder produzierendem Gewerbe. Bei uns sogar im Handwerk. In der Factoring Branche eine Seltenheit. Leistungen nach VOB und Abschlagszahlungen prüfen wir im Detail auf Factoringtauglichkeit. Wir bieten häufig auch dort Factoring Lösungen an, wo viele andere Factoringgesellschaften sich nicht engagieren, beispielsweise bei privaten oder kommunalen Debitoren. Im medizinischen Bereich finanzieren wir Patientenforderungen aus Privatleistungen, Forderungen gegenüber den Krankenkassen oder Kassenärztlichen Vereinigungen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Forderungen für Factoring in Frage kommen?

Roland Scholz: Egal, ob es sich um eine Warenlieferung oder eine Dienstleistung handelt: Voraussetzung ist eine klar definierte und erbrachte Leistung bei Rechnungsstellung. Die Forderung darf noch nicht fällig oder bereits überfällig sein. Die Debitoren müssen bonitätsmäßig auch zur Zahlung der Forderungen in der Lage sein. Die Hürden sind also nicht sehr hoch.

Haben sich die Konditionen für Factoring seit der Corona-Krise verändert?

Roland Scholz: Nein, bei uns haben sich die Konditionen nicht verändert. Wir wollen aus der Corona-Krise keinen Profit schlagen, sondern unseren Kunden zuverlässig zur Seite stehen. Das S in unserem Namen steht ja nicht nur für Sparkasse, sondern auch für Seriosität. Wir kommunizieren das seit Beginn der Corona-Krise mit den Worten „Wir versorgen Sie auch in diesen Zeiten zuverlässig mit Liquidität. Bleiben Sie, Ihre Familie und Ihr Team gesund.“. Natürlich schauen wir uns derzeitig die Forderungen sehr genau an und versuchen die Risiken für alle Beteiligten zu minimieren. Das Ausfallrisiko der Forderungen für unsere Kunden im Blick zu haben, ist Teil unserer Factoring Dienstleistung. Unsere Kunden wissen somit, wie bonitätsstark ihr Abnehmer ist und können Zeit und Geld sparen, wenn sie die bonitätsschwachen Abnehmer nicht beliefern.

Mit welchen Kosten müssen Unternehmen beim Factoring rechnen, wie schnell erhalten Sie ihr Geld nach Rechnungsversand?

Roland Scholz: Zur Orientierung: Der Preis für die Factoring-Dienstleistung bewegt sich bei uns im Skontobereich. Aber jedes Unternehmen ist unterschiedlich. Unsere Kunden erhalten ein individuelles, genau auf das Unternehmen abgestimmtes Angebot. I.d.R. ist das Geld innerhalb von 2 Bankarbeitstagen auf dem Konto unserer Kunden.

Welche Voraussetzung sollte ein seriöser Factoring-Anbieter erfüllen?

Roland Scholz: Bei der Auswahl des Factoring Partners sollten die Kunden genau hinschauen. Wichtig ist eine solide Finanzkraft und die Erlaubnis durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Klarheit schafft hier ein Blick auf die Website der BaFin. Verfügt ein Factoring-Institut über die notwendige Erlaubnis laut KWG (Kreditwesengesetz), ist es auf dieser Liste veröffentlicht.

Entscheidend für den Kunden ist neben verlässlichen Abläufen die nachhaltige Finanzkraft des Factors, denn jeden Tag werden Forderungen angekauft und überwiesen. Kommt es hier zu Störungen, ist das für die Kunden ein großes Problem.

Da sind wir als Teil der Sparkassen-Finanzgruppe ein verlässlicher, ein starker Partner.

Herr Scholz, wir danken Ihnen für das Gespräch

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