Grundstückspreise sind kontinuierlich gestiegen – Bernhard Sommer

Bernhard Sommer ist Vorstandsvorsitzender der Kern-Haus AG. Im Interview spricht er über die aktuelle Situation in der Branche und die Folgen stetig steigender Grundstückspreise.

Jede Branche ist von den Auswirkungen des Lockdown mehr oder weniger betroffen. Wie stark ist das Bauträger-Geschäft allgemein und Ihr Unternehmen im Speziellen beeinträchtigt?

Bernhard Sommer: Unmittelbar nach dem Lockdown hat Kern-Haus seinen Vertrieb auf digitale Beratung (Videokonferenz) von Interessenten umgestellt, sodass auch vollumfänglich über diese Art der Kommunikation weiter beraten werden konnte. Es wurden sogar Verträge komplett digital abgeschlossen, ohne dass sich Verkaufsberater und Kunde vorab persönlich kennengelernt haben. Auf den Baustellen konnte mit entsprechendem Abstand und Planung weitergearbeitet werden. Die Baubranche insgesamt kommt bis dato recht gut durch die Krise. Die Maßnahmen wie etwa die Kontaktbeschränkungen und das mit verbundene zu Hause bleiben hat bei vielen Menschen die Sehnsucht nach den eigenen vier Wänden geweckt oder verstärkt. 

Eine Insolvenz des Partnerunternehmens heißt für den Privatinvestor oder gewerblichen Bauherren meist den Totalverlust des Kapitals. Denken Sie, dass dieser Umstand bedingt der Krise häufiger eintritt?

Bernhard Sommer: Das können wir auf die Hausbaubranche in Deutschland bezogen schlecht einschätzen. Bauherren von Kern-Haus genießen da eine maximale Sicherheit, da sie immer nur nach dem aktuellen Baufortschritt bezahlen und somit kein wirkliches Risiko eingehen.

Homeoffice funktioniert auf der Baustelle natürlich nicht, aber hat sich sonst bei Ihnen etwas verändert?

Bernhard Sommer: Wir haben nach dem Lockdown mehr als die Hälfte der Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, sodass höchstens eine Person pro Büro geblieben ist. Vor der Krise haben wir nur wenige Mitarbeiter mit festen Homeoffice-Zeiten gehabt, durch die Krise hat sich aber gezeigt, dass einige Kollegen wie etwa Bauzeichner ohne Kundenkontakt auch von zu Hause gut und effizient arbeiten und damit Beruf und Familie besser vereinbaren können. Ansonsten hat sich durch die Krise gezeigt, dass zahlreiche Termine, die ansonsten als Präsenztermine mit An- und Abreise stattgefunden hätten, mit Videokonferenzen gut lösbar sind. Auch künftig wird überlegt, welche Dienstreisen zwingend notwendig sind.

Wie haben sich die Grundstücks- und Baupreise in den letzten Jahren entwickelt? Hat die Krise Auswirkungen auf die Preise?

Bernhard Sommer: Die Grundstückspreise sind über die letzten Jahre hinweg kontinuierlich gestiegen, insbesondere in den urbanen Regionen. Aktuell spüren wir, dass es auch wieder eine Rückbesinnung auf die ländlichen Regionen gibt, die verkehrsmäßig noch über eine akzeptable Infrastruktur verfügen. Im Moment ist keine Preisveränderung spürbar, das Preisgefüge war in den letzten Jahren grundsätzlich hoch.

Welche Anreize könnte die Politik Ihrer Meinung nach schaffen, um Bauträgern das Leben zu erleichtern?

Bernhard Sommer: Die Politik hat bereits dafür gesorgt, dass durch das Aussetzen der nächsten Novellierungsstufe der Energieeinsparverordnung und damit höheren energetischen Anforderungen die Baupreise für Ein- und Zweifamilienhäuser nicht zusätzlich weiter steigen. Die Politik könnte jedoch die gesamten Genehmigungsverfahren vereinfachen, damit Baugenehmigungen schneller erteilt werden können, denn nach wie vor ist Deutschland das Land in Europa mit der niedrigsten Eigenheimquote.

Was geben Sie zukünftigen Bauherren mit, die auf dem Weg ins Eigenheim oder den Erwerb einer Immobilie als Kapitalanlage sind?

Bernhard Sommer: Der Weg ins Eigenheim ist die richtige Entscheidung für eine sinnvolle Vermögensbildung, denn nach wie vor gilt das Eigenheim als beste Altersvorsorge. Weiterhin sollten sich zukünftige Häuslebauer für eine gute Lage beim Grundstück entscheiden, bedeutet konkret: eine gute Infrastruktur im Umfeld (z. B. Ärzte, Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten) und eine gute Verkehrsanbindung. Beim Grundstückspreis gilt es, darauf zu achten, dass das Gesamtprojekt (Haus, Grundstück, Baunebenkosten) bezahlbar bleibt und dann den richtigen Haushersteller auszusuchen, der eine offene, ehrliche, vollumfängliche Kostenkalkulation an den Tag legt und im Vorfeld bereits alle Ausstattungsmerkmale detailliert mit den Bauherren bespricht und einkalkuliert.

Herr Sommer, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.