Nicht alle Desinfektionsmittel sind ausreichend viruzid – Kristin Jäger

Kristin Jäger ist Geschäftsführerin von Carexcess und Careprocons. Im Interview spricht sie über den Boom von Hygieneartikeln während der Pandemie und langfristige Branchentrends.

Zu Beginn der Corona-Krise war Desinfektionsmittel eine Mangelware. Wie sieht die aktuelle Versorgungslage aus?

Kristin Jäger

Kristin Jäger: Am Anfang der Corona–Krise war es schwierig an wirkungsvolles Desinfektionsmittel zu kommen. Mittlerweile gibt es viele Anbieter, die qualitativ hochwertiges Desinfektionsmittel in großen Mengen vertreiben.

Welche Produktkategorien werden derzeit besonders stark nachgefragt, wie haben sich die Preise entwickelt?

Kristin Jäger: Besonders nachgefragt werden immer noch Mund–Nase–Bedeckungen, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen und Desinfektionsspender in allen Größen und Formen. Zum Anbringen an Wänden und als Säulen, die flexibel gestellt werden können.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Desinfektionsmitteln?

Kristin Jäger: Es gibt große qualitative Unterschiede in der Wirkungsweise, der Konsistenz und im Geruch. Nicht alle Desinfektionsmittel sind ausreichend viruzid. Es gibt Desinfektionsmittel auf Alkohol – oder Chlorbasis. Es gibt zum Beispiel Desinfektionsmittel die hautverträglicher und angenehmer im Geruch sind und andere nicht.

Rechnen Sie dauerhaft mit einer erhöhten Nachfrage nach Desinfektionsmitteln, bei welchen Produkten insbesondere?

Kristin Jäger: Wir rechnen mit einer anhaltenden Nachfrage für hautverträgliches und angenehm riechendes Desinfektionsmittel für Hände und auch Desinfektionsmittel für Flächen, welches wirkungsvoll und angenehm im Geruch ist. Ich denke, dass das neue verantwortungsvolle Bewusstsein im Umgang mit anderen Menschen sich manifestiert hat und auch weiterhin mehr auf Hygiene geachtet wird. Desinfektionsmittel ohne Duft riecht meistens eher unangenehm und die Menschen assoziieren damit eher Orte mit medizinischem Hintergrund.

Welche Trends und Produktinnovationen gibt es in der Branche?

Kristin Jäger: Wir sind zum Beispiel gerade dabei eine Nachfüllstation für Desinfektionsmittel zu entwickeln, um für die Endverbraucher eine kostengünstige und nachhaltigere Lösung anzubieten. Durch das Kaufen von Desinfektionsmitteln in kleinen Flaschen entsteht viel Plastikmüll, der mit wiederverwendbaren Behältern vermieten werden kann. Dazu können wir das Desinfektionsmittel wesentlich kostengünstiger anbieten. Zum anderen haben wir ein People Counting System entwickelt, das es ermöglichen z.B. auf Events und Messen die Anzahl der Leute in der Location in Echtzeit zu messen. Auch wenn es mehrere Ein– und Ausgänge gibt, kann man alle Daten synchronisieren und hat zu jeder Zeit die tatsächliche Anzahl vorliegen. So kann überprüft werden ob die Besucherzahl überschritten wird und ob die Abstandsregeln eingehalten werden können. Das ist auch eine wichtige Grundlage für die Übermittlung der Zahlen an Ämter und Behörden. Natürlich ist alles datenschutzkonform. Ein weiterer Trend sind Registrierungs–Apps für Gastronomen, um einfach und schnell der Dokumentationspflicht nachzukommen.

Frau Jäger, vielen Dank für das Gespräch.

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