Stand Up Paddling: Traum von Surfen, Freiheit und Abenteuer – Thomas Richter (GTSports GmbH)

Thomas Richter ist Geschäftsführer der GTSports GmbH. Im Interview spricht er über den Reiz von Stand Up Paddling und den Trend zu Outdoor-Aktivitäten.

Thomas Richter

Stand Up Paddling ist seit einigen Jahren zum Trend geworden. Was macht den Reiz dieses Freizeitsports aus?

Thomas Richter: Wasser ist ein sehr wichtiges Element und viele Menschen sind Wasseraffin – sie lieben das Meer und seit es SUP gibt auch ihre Seen und Flüsse. Dank des Umwelt- und Naturschutzes haben wir saubere Gewässer, tolle Landschaften und atemberaubende Natur in Deutschland und vielen anderen Ländern. Man fühlt sich frei, kann allein oder in einer Gruppe gemeinsam paddeln. Wir haben bereits vor zehn Jahren eine Physiotherapeutische Studie erstellen lassen: diese beschreibt den Sport als absolut gesundheitsfördernd. Wer das erste Mal jemanden beim SUP zuschaut, verspürt einen Reiz und träumt selbst von Surfen, von Freiheit und Abenteuer. Und genau darum geht es: frei sein und was für sich selbst tun.

Für wen eignet sich dieser Sport und wie schwer ist er zu erlernen?

Thomas Richter: Wir empfehlen diesen Sport jedem, egal ob Frau, Mann oder Jugendlicher. Was sie können müssen, ist schwimmen und Sie sollten keine Angst vor Wasser haben. Das Alter spielt keine Rolle. Im Jahr 2014 besucht mich eine Frau aus Bayern. Sie hat unsere Produkte lange beobachtet und getestet und uns auf verschiedenen Messen besucht. Mit über 70 Jahren kam sie zum Stand Up Paddeln. Wir alle wollen alt werden und fit im Alter sein. Den Gleichgewichtssinn zu trainieren ist unheimlich wichtig, damit wir eben möglichst nicht an Gehhilfen im Alter gebunden sind.

Medizinisch und wissenschaftlich kann man diesen Sport als gesundheitsfördernd einstufen. Durch das Training der Rumpf- und Stützmuskulatur und das dauerhafte Gleichgewicht halten, werden wichtige Muskulatur trainiert. Ohne Balance-Training verkümmern diese und stützen uns mit zunehmendem Alter nicht genug. Dann kommt es zur Überlastung und Abnutzung von Gelenken. Diese Muskelgruppen werden sehr selten trainiert, beziehungsweise werden immer weniger und instabiler. Früher oder später verlieren wir gar einen Teil unseres Gleichgewichtssinns. Beim Stehen auf einem SUP Board, beansprucht man alle Stützmuskulaturen. Vom Innenfuß, über Knie, Becken, Nacken und die tiefe Rückenmuskulatur: alles ist angespannt.

Mit zunehmendem Alter und unserer Bequemlichkeit werden wir häufiger empfindlicher für Krankheiten und Gelenkschmerzen. Es ist schon sehr lange her, dass wir, um an Nahrung zu kommen, eine Schlucht auf einem Baumstamm überqueren mussten. Die Evolution hat uns einen 1A Gleichgewichtssinn implementiert, Gehirn und Rückenmark arbeiten perfekt zusammen. Heute gehen wir in den Supermarkt und kaufen viel zu viel ungesunde Dinge ein. Meine Oma ist noch täglich zur Schule gelaufen und in die nächste Stadt musste sie zehn Kilometer laufen. Es war ganz normal und das ist alles erst 70 Jahre her. Heute fahren wir E-Roller, sitzen im Taxi, in der Bahn, im Bus und benutzen Lifte und Rolltreppen. Wir zählen stolz unsere Schritte auf unseren Smart Watches und bei 10.000 Schritten bekommen wir den ersten Preis und am nächsten Tag wieder den ersten Preis. Und wir denken, dass 10.000 Schritte ausreichen, um fit zu sein.

Bewegung ist wichtig! Und SUP ist Sport, Training, Ruhe und Natur. Dieser Sport ist auch gut für die Seele und lässt den Kopf frei werden. Das liegt wohl auch an der Perspektive: übers Wasser gehen, wie Jesus. Keine oder nur wenig Umweltgeräusche, plätscherndes Wasser, zwitschernde Vögel und ab und zu ein fliegender Schwarm Gänse. Man verspürt Freude und schüttet Glückshormone aus, strengt sich an oder paddelt einfach nur gemütlich.

Profitiert die Branche vor allem vom Verleih der Paddle Boards oder auch von Privatkäufern?

Thomas Richter: Die Branche profitierte von den Corona-Regeln. Selbst bei den sehr schweren Maßnahmen, die getroffen werden mussten, konnte man Stand Up Paddeln. Es war nicht verboten, sondern es wurde sogar empfohlen Sport zu machen – allein, zu zweit oder mit der Familie. Ich glaube, dass viele geplant dieses Jahr in ihrer Heimat zu bleiben und im Urlaub nicht so weit zu reisen. Viele kauften sich SUP, die sie für Ihren Urlaub und in ihrer Freizeit benutzen können. Das gesparte Geld für ein Vier-Sterne-Hotel im Ausland oder ein All-Inclusive-Reise, kam der Outdoor-Branche zu Gute.

Nachdem klar war, dass wir alle unsere Ferien in Deutschland verbringen würden, boomte die Branche. Wir haben so einen Schub schon lange gebraucht: Wir haben keine politische Lobby und wurden oft belächelt. Wir sind Sportler und auch Unternehmer und wir hoffen, dass das Bewusstsein für Freizeitsport weiter wächst.

Corona hat für einen Boom von Outdoor-Aktivitäten geführt. Spüren Sie die Pandemie auch im Alltag?

Thomas Richter: Seit 2017 sind wir in Berlin. Eine sehr freizügige und tolle Stadt, multikulturell und voller Wasser. In der Anfangszeit der Pandemie waren wir stolz und froh, dass sich im Grunde genommen der größte Teil an alle Regeln gehalten hat. Für uns war es ganz normal sich die Hände zu desinfizieren oder eben auch zu paddeln. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist nicht Schlimmes in diesen Zeiten. Ich kann mich noch an den März 2020 erinnern, als ich niemanden erreichte, weder im Steuerbüro noch in Ämtern (aufgrund der Grippewelle, anm. d. Redaktion). Und im Handel war der Krankenstand riesengroß. Vielleicht lernen wir daraus – egal ob Pandemie oder Grippe – ein Mund-Nasenschutz ist nichts Schlimmes und Hygiene ist auch nichts Schlimmes. Vielleicht müssen wir nicht nur an der Digitalisierung arbeiten, sondern auch an Hygienekonzepte. Wenn es für die Gesundheit ist, warum denn nicht?

Wird der Markt für Paddle Boards weiter wachsen oder ist der Höhepunkt des Trends schon erreicht?

Thomas Richter: Ich bin kein Hellseher, aber ich versuche schon das ganze Leben immer vorausschauend ein bisschen die Zukunft zu analysieren. Ich glaube, dass der Sport weiter wachsen wird. Es ist eine der Sportarten 2020 und wenn er unter Gesundheitsaspekten betrachtet wird, werden noch viel mehr Menschen verstehen, was dieser Sport bewirken kann und welche Möglichkeiten er bietet. Ich glaube, dass Schulungen, Kurse für richtigen Umgang mit dem Equipment und das Training der richtigen Paddel-Technik  einen Markt bietet. Fitness im Freien, Sommers wie Winters, ist gesundheitsfördernd und macht Spaß. SUP wird eine der Sportarten sein, die weiterwachsen wird. Wir als Sportgeräte-Hersteller versuchen tolle Produkte herzustellen, die Spaß machen und gesund sind.

Herr Richter, vielen Dank für das Gespräch.

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