Digitalisierung hilft Zeit zu sparen und Fehler zu vermeiden – Peter Ludewig (F&V Fondscenter AG)

Peter Ludewig ist Vorstand der F&V Fondscenter AG. Im Interview spricht er Kapitalanlagen für die Generation 50+.

Was würden Sie Menschen finanziell empfehlen, die frisch geerbt haben?

Peter Ludewig: Eine (gute) Empfehlung hängt kaum davon ab, aus welcher Quelle das Geld stammt (wenngleich wir das zumindest gemäß Geldwäschegesetz abfragen müssen) und auch das Alter spielt dabei nur ganz selten eine nennenswerte Rolle. Beispiel: Ein 80-jähriger Pensionär, der seine monatlichen Einnahmen nicht annähernd ausgibt, kann mit seinen Ersparnissen völlig anders (und viel risikoreicher) disponieren als ein 25-jähriger Uni-Absolvent kurz vor der Gründung einer Familie. Wenn es für jede Situation eine allgemeingültige/einfache Lösung gäbe, würde ich unser Unternehmen schließen, denn es würde nicht mehr gebraucht.    

Wir sind verpflichtet, die Erfahrungen, die Risikobereitschaft, den Anlagehorizont, die Anlageziele und diverse weitere Details von unseren Kunden abzufragen. Die Empfehlungen müssen dazu passen. Und weil Anleger darüber hinaus zu verschiedenen Zeitpunkten agieren und reagieren, gleicht kaum ein Portfolio unserer Kunden dem anderen. „Die“ Standardempfehlung kann und darf es also nicht geben – auch nicht bei Erbschaften.

Bemerken Sie in Ihrer täglichen Arbeit, dass immer mehr Menschen erben, wie es manche Statistiken besagen?

Peter Ludewig: Nein, bei uns melden sich deswegen nicht mehr Menschen als schon vor 10 oder 20 Jahren.

Die Babyboomer gehen in Rente, macht eine Geldanlage ab 60 noch Sinn?

Peter Ludewig: Die Lebenserwartung liegt für die meisten Menschen mit 60 noch bei mehr als 20 Jahren, und sie planen in der Regel nicht, in diesem Zeitraum die Ersparnisse komplett aufzubrauchen. Also ist in vielen Fällen zumindest ein Teil der Ersparnisse für einen sehr langen Zeitraum übrig und kann investiert werden. Wer sich allerdings bisher nur mit Lebensversicherungen und dem Sparbuch auskennt, sollte „nur“ wegen der fehlenden Zinsen nicht plötzlich Anlagen tätigen, die davor ein Leben lang ganz bewusst vermieden wurden und mit denen man sich nicht auskennt. Wer neugierig ist und dazulernen möchte, könnte zunächst mit einem relativ kleinen Betrag für einige Zeit testen, ob und wie man mit diesen „neuen“ Anlagen klarkommt.  

Welche Geldanlagen gibt es für die Generation 50+?

Peter Ludewig: Prinzipiell die gleichen, wie mit 20, 30 oder 60! Allerdings, wir beschäftigen uns ausschließlich mit Investmentfonds. Ob anderen Anlageformen altersabhängig mehr oder weniger geeignet sind, möchte ich nicht beurteilen.

Welche Neuerungen gibt es in Ihrer Branche?

Peter Ludewig: Es gibt fast permanent Neuerungen. Seit 1. August unterliegt beispielsweise unsere Beratung neuen gesetzlichen Bestimmungen. Im kommenden Jahr wechselt wahrscheinlich die Behörde, die uns beaufsichtigt, und neue interessante Fonds, die es zu beurteilen und ggf. auszuwählen gilt, gibt es auch immer wieder.

Wie stark ist Ihr Berufsstand von der zunehmenden Digitalisierung betroffen?

Peter Ludewig: Digitalisierung hilft uns, Zeit zu sparen und Fehler zu vermeiden. Wir nutzen die Technik deshalb gern und soweit wie möglich. Das persönliche Gespräch wird trotzdem (hoffentlich) für die meisten unserer Kunden nicht zu ersetzen sein.

Wie sorgen Sie persönlich vor?

Peter Ludewig: Fast ausschließlich mit Investmentfonds. Weil man auch die eigene Zukunft nicht vorhersehen kann, war es mir schon immer wichtig, flexibel und liquide zu bleiben. Das bieten Investmentfonds. Dazu kommen gute Ertragschancen und durch eine strenge staatliche Regulierung und Kontrolle auch ein sehr hohes Maß an Rechtssicherheit. Und einen Top-Fondsmanager kann man im Gegensatz zur einer tatsächlich individuellen (aber meist nicht besseren) Vermögensverwaltung schon für wenige Euro „bekommen“, inklusive risikoreduzierender Streuung des Investments über eine Vielzahl von Wertpapieren.  

Herr Ludewig, vielen Dank für das Gespräch.

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