Zukunftsaussichten der Versicherungsbranche – André Skibinski

André Skibinski ist Geschäftsführer von  W&P Versicherungsmakler GmbH. Im Interview spricht er über den richtigen Versicherungsschutz und der Suche nach dem passenden Versicherungspartner.

André Skibinski

Welche Versicherungsarten halten Sie aus Sicht eines Angestellten für unbedingt nötig?

André Skibinski: Der Gesetzgeber möchte, dass der Schadenverursacher in unbegrenzter Höhe für den Schaden haftet, den er anderen zufügt. Ein solcher Schadenersatzanspruch kann ganz schnell Ihre Existenz bedrohen oder vernichten. Ganz oben auf der Liste der notwendigen Versicherungen sollten also die Versicherungen stehen, die Ansprüche Dritter übernehmen. Das ist an erster Stelle natürlich die Privathaftpflichtversicherung. Das kann aber auch eine Tierhalterhaftpflichtversicherung (Hund, Pferd) oder eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht sein, wenn Sie vermietete Immobilien besitzen. Der Abschluss bestimmter Haftpflichtversicherungen ist vom Gesetzgeber direkt vorgeschrieben. Ohne den Abschluss einer entsprechenden Haftpflichtversicherung lässt sich beispielsweise kein Fahrzeug in Deutschland zulassen. Die Kfz-Haftpflichtversicherung gehört deshalb mit zu der Kategorie der unverzichtbaren Versicherungen, sofern Sie ein versicherungspflichtiges Kraftfahrzeug besitzen.

Direkt nach den eingangs genannten Haftpflichtversicherungen kommen dann die Versicherungen, die Ihren Lebensunterhalt absichern. Wir sprechen hier von der Absicherung der Arbeitskraft. Das sind in erster Linie Berufsunfähigkeits-, Unfall- oder Krankenversicherungen. Zur Durchsetzung eigener Schadenersatzansprüche kann eine Rechtsschutzversicherung hilfreich sein. Die private Altersvorsorge sichert den Lebensstandard im Rentenalter und sollte deshalb rechtzeitig begonnen werden.

Zur Absicherung eigener Sachwerte sollte man eine Hausratversicherung prüfen. Für Immobilienbesitzer ist der Abschluss einer entsprechenden Gebäudeversicherung sicherlich unerlässlich. In welchem Umfang eigene Sachwerte versichert werden sollten hängt immer von den konkreten Umständen ab. Grundsätzlich gilt hier vielleicht, was finanziert ist und über einen gewissen Wert verfügt, sollte auch versichert werden.

Und für Selbstständigen?

André Skibinski: Neben den o.g. Risiken aus dem privaten Lebensbereich kommen beim Selbständigen noch die Risiken aus seiner beruflichen Tätigkeit dazu. Auch hier stehen wieder die Versicherungen ganz oben, die Haftpflichtansprüche Dritter regulieren, eine Betriebs- oder Berufshaftpflicht zum Beispiel. Ebenso unerlässlich ist die Absicherung der betrieblich genutzten Sachwerte, da diese häufig mit Krediten finanziert sind. Je nach Tätigkeitsbereich des Selbständigen sollte die Absicherung der Cyberrisiken in jedem Falle geprüft werden.

Da Selbständige i.d.R. keine Beiträge an die Gesetzliche Rentenversicherung abführen, sollte die Absicherung der Berufsunfähigkeit und die Vorsorge für das Rentenalter ganz oben auf der Liste stehen. Viele Selbständige widmen diesen Themen leider nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Aufgrund der Selbständigkeit ändert sich meist auch der Sozialversicherungsstatus. Das bedeutet, auch das Thema Krankenversicherung muss deshalb geklärt werden.

 Wie groß können die Unterschiede zwischen den Anbietern sein?

André Skibinski: Sowohl im Versicherungsschutz als auch bei den dafür fälligen Beiträgen kann es drastische Unterschiede geben. Grundsätzlich kann jeder Versicherer die Beiträge so kalkulieren, wie er es für richtig hält und den Versicherungsschutz nach seinen Maßstäben zusammenstellen. Das hat zur Folge, dass es teilweise drastische Beitragsunterschiede geben kann. Viel wichtiger als der Beitrag ist m.E. aber der gebotene Versicherungsschutz. Eine genaue Prüfung der Bedingungen schützt vor bösen Überraschungen im Schadenfall.  

Was raten Sie Unternehmern auf der Suche nach dem richtigen Versicherungspartner?

André Skibinski: In jedem Fall sollte es ein Partner mit entsprechender Erfahrung sein. Als Vertreter dieser Berufsgruppe empfehle ich natürlich immer, sich an einen Versicherungsmakler zu wenden. Nicht, weil Versicherungsmakler per se die besseren Berater sind, sondern weil es für den Unternehmer meiner Meinung nach auf die Unabhängigkeit des Beraters ankommt. Vielleicht gibt es befreundete Unternehmen, die ihrerseits schon Erfahrungen in diesem Bereich gemacht haben? Eine Empfehlung kann hier hilfreich sein. Neben der fachlichen Komponente ist es natürlich auch nicht unwichtig, ob mir mein Gegenüber sympathisch ist. Ein persönliches Gespräch ist aus meiner Sicht deshalb unverzichtbar.

Kapitallebensversicherung, private Rentenversicherung oder fondsgebundene Lösung als Zusatzvorsorge – was empfehlen Sie?

André Skibinski: Aus meiner Sicht gibt es hier kein richtig oder falsch. Ebenso wenig lässt sich dazu eine pauschale Empfehlung geben. Vielmehr hängt diese Frage von der persönlichen Lebenssituation, den aktuellen Umständen und den eigenen Vorlieben des Kunden ab. Flexibilität während der Vertragslaufzeit und die Frage der möglichen steuerlichen Förderung sind zusätzliche Punkte, die mit dem Kunden erörtert werden müssen.

Welche Auswirkungen hat die jüngste Krise auf die Versicherungsbranche?

André Skibinski: Kaum eine andere Branche spürt die Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinspolitik so nachhaltig, wie die Versicherungsbranche. Das trifft nicht nur die Versicherer selbst mit ihren Ausschließlichkeitsvertretern, auch wir Versicherungsmakler spüren die Folgen.

Die aktuelle Corona Krise hat uns nun vor ein neues Problem gestellt. Wie die meisten meiner Kollegen auch setze ich noch auf den persönlichen Kontakt zum Kunden. Mit den verhängten Kontaktbeschränkungen waren Kundengespräche in den letzten Monaten so gut wie gar nicht möglich.

Welche Auswirkungen die Corona Krise auf die Versicherungsbranche hat wird auch davon abhängen, wie schnell sich die Wirtschaft im Allgemeinen von dem Lockdown erholt. 

In jeder Krise steckt allerdings auch eine Chance. Gerade in diesen Zeiten kommt es m.E. darauf an, die eigene Arbeitsweise zu hinterfragen und nach neuen Wegen Ausschau zu halten. Nur wer sich ständig weiterentwickelt, wird diese und andere Krisen geschäftlich überleben können. Das gilt sowohl für Versicherer als auch für uns Makler.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten der Branche ein, auch in Bezug auf Insurtechs?

André Skibinski: Ich bin seit über 25 Jahren in dieser Branche tätig und habe in dieser Zeit schon viele Veränderungen erlebt. Schon oft wurde davon gesprochen, dass das eine oder andere Ereignis den Versicherungsmarkt radikal verändern wird. Die Branche hat es bisher immer geschafft, sich auf veränderte Rahmenbedingungen einzustellen. Ein ganz wichtiges Thema wird in Zukunft sicherlich sein, wie mit der notwendigen Digitalisierung umgegangen wird. Ich glaube allerdings nicht, dass der Versicherungsvertrieb nur noch im Internet oder über Apps stattfinden wird. Beide Absatzkanäle haben sicherlich ihre Zielgruppe gefunden. Trotzdem wird die persönliche Beratung unerlässlich bleiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich viele Kunden online informieren, den eigentlichen Vertragsabschluss dann aber doch lieber offline, gemeinsam mit einem Vermittler tätigen. So einfach, wie dem Kunden manchmal suggeriert wird, ist es dann eben doch nicht, den eigenen Bedarf zu ermitteln und dafür die richtige Versicherung zu finden.

Herr Skibinski, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.