„Die Lage ist katastrophal“

Wir sprechen mit Felix Kosel, Geschäftsführer der eventano GmbH über die Lage der Eventbranche in der gegenwärtigen Corona-Krise

Felix Kosel


„Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Felix Kosel: Nein, das war ich in der Tat nicht. Und ich bin ganz ehrlich, diese ISO-Norm war mir bis eben auch gar nicht wirklich bekannt. Doch ich habe die Situation Anfang des Jahres sehr schnell erkannt und konnte reagieren. Das ist ein Vorteil von flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungswegen. So habe ich frühzeitig und auch immer wieder neu sämtliche Prozesse und Ziele entsprechend angepasst, was dem Portal eventano.com und auch der Firma zugute kam. 

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Felix Kosel: Die Lage ist katastrophal. Die Eventbranche liegt ja fast komplett brach. Wenn von heute auf morgen sämtliche Veranstaltungen auf null heruntergefahren werden müssen, ist das bereits ein enorm harter Schlag. Inzwischen sind mehrere Monate vergangen und noch immer gibt es für die meisten Eventlocations keine Möglichkeit, wie vor dem Lockdown Veranstaltungen durchzuführen. Vereinzelt finden Hochzeiten statt und auch für kleinere Tagungen werden Räumlichkeiten gebucht, aber es ist nur ein klitzekleiner Tropfen auf dem heißen Stein. Firmen und auch Privatpersonen sind weiterhin äußerst verunsichert und verschieben sämtliche Veranstaltungen bzw. planen aktuell einfach keine. 

Hier und da finden digitale Veranstaltungen oder hybride Events statt. Jeder versucht, was überhaupt möglich ist. Es werden Hygienekonzepte erstellt und die Digitalisierung hält Einzug in der Eventbranche. Aber es bleibt die Unsicherheit sowohl bei Veranstaltern, als auch bei den Eventlocations, da sich von jetzt auf gleich wieder alles ändern kann. Und das ist für die meisten äußerst schwierig, oft bedrohlich und gar nicht wenige Betreiber mussten auch bereits Ihre Locations aufgeben.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Felix Kosel: Ich habe sofort den Fokus von der Vermarktung auf Optimierung, Weiterentwicklung unseres Portals und die strategische Ausrichtung der Firma gesetzt, interne Strukturen überdacht und neue geschaffen. Man kann die Hände in den Schoß legen oder aber das Beste aus der Situation machen. Letzteres liegt mir da natürlich sehr viel mehr. Und da mir von vornherein beim Aufbau der Firma Flexibilität wichtig war, konnte ich relativ schnell den Kurs anpassen. Da ist mir meine langjährige Startup Erfahrung sehr zugutegekommen. Und so haben wir tatsächlich mit Hochzeitslocatons-Berlin.com ein weiteres Portal gekauft und sind eine große Kooperation mit dem Stadtportal berlin.de eingegangen.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Felix Kosel: Natürlich müssen auch wir enorme Einschränkungen hinnehmen. Denn wenn der geplante Umsatz wegbricht, kann man nicht weitermachen wie bisher. Dennoch bin ich der Meinung, wir müssen weiter investieren und das aktuell auch deutlich mehr als gedacht. Doch ohne Investitionen gibt es einen Stillstand. Nur liegt der Fokus eben auf anderen Bereichen und man überlegt sich zweimal, für was man das Geld ausgibt. Und dann leiden ggf. bestimmte Bereiche darunter. Dass es Themen wie Umweltschutz oder Nachhaltigkeit sind, glaube ich allerdings eher weniger.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Felix Kosel: Tatsächlich viele, denn ich lerne immer wieder aus Fehlern und Krisen. Diese allerdings hier alle aufzuzählen wäre zu lang. Um aber ein paar zu nennen: Denke groß, aber mit kleiner Struktur. Agiles, digitales und flexibles Arbeiten im Team, das ist der richtige Weg für eventano. Und der Austausch, das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung in der Branche sind wichtiger denn je. Eine Ellenbogenpolitik ist aktuell und auch in Zukunft vollkommen fehl am Platz.

Welche Ratschläge möchten Sie gerade Startups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Felix Kosel: Als Startup sollte man so oder so bestimmte Eigenschaften besitzen. Denn ob eine Krise da ist oder nicht, man muss sich immer wieder neu dem Markt und den Kunden anpassen, Dinge anders entscheiden, neue Wege gehen, verschiedene Möglichkeiten ausloten und vor allem austesten, Strukturen und Produkt weiterentwickeln und anpassen. Im besten Fall schafft man es, die im Weg liegenden Steine in neue Ideen umzuwandeln. 

Herr Kosel, wir danken Ihnen für das Gespräch

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