„Unternehmen, die schon heute ihre Nachhaltigkeitsrisiken reduzieren, haben Kostenvorteile gegenüber Ihren Wettbewerbern“

Wir sprechen mit Robert Roth, Projektmanager der SDG INVESTMENTS GmbH über wirkungsorientiertes Investieren. SDG INVESTMENTS ist eine Matching-Plattform für Finanzierungs- und Anlageprodukte, die sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen orientieren.

Lars Hunsche und Frank Ackermann
(c) SDG INVESTMENTS GmbH

Impact Investment, ein neuer Name für einen länger anhaltendem Trend. Was steckt hinter diesem Begriff?

Robert Roth: Wirkungsorientiertes Investieren („Impact Investing“) bedeutet in Unternehmen, Projekte, Startups, etc. zu investieren, die eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft haben und proaktive Lösungsansätze bieten. Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen geben einen allgemein gültigen und international anerkannten Rahmen vor, mit dem die Wirkung der nachhaltigen Investitionen gemessen werden kann.

Sie haben sich auf Impact Investments spezialisiert – warum?

Robert Roth: Die SDG INVESTMENTS GmbH wurde im September 2017 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigten sich die Gründer Frank Ackermann und Lars Hunsche bereits intensiv mit der Strukturierung von Finanzprodukten für nachhaltige Unternehmen, die beispielsweise Musikinstrumente vermieten oder Solarstrom in ländlichen Gebieten Malis bereitstellen. Es wurde deutlich, dass obwohl eine Vielzahl von Akteuren und Initiativen aktiv sind, um Projekte mit Wirkung zu realisieren, häufig ein Marktplatz fehlt, auf dem Initiatoren und Investoren zusammenfinden. Die Implementierung der SDG INVESTMENTS® Plattform war ein pragmatischer, logischer Schritt, um ein systematisches Bindeglied zwischen Projekten und institutionellen Investoren zu schaffen.

Wer ist Ihr Kunde, der grüne Hippie mit Traumvorstellungen von der Welt oder gibt es kein typisches Profil?

Robert Roth: Den klassischen Impact Investor gibt es nicht. Wir richten uns mit unserer SDG INVESTMENTS Plattform ausschließlich an professionelle und Institutionelle Investoren. Zu unserem Kundenkreis gehören Family Offices und Stiftungen, aber auch Nachhaltigkeitsbanken, Kirchliche Banken und Asset Manager, die ganz gezielt Investitionen mit Wirkung und Rendite suchen. Aber wir nehmen auch ein zunehmendes Interesse von Versicherungen, Versorgungswerken und Pensionskassen wahr.

Es gibt viele Gründe, warum Investoren ihr Geld heutzutage nachhaltiger anlegen möchten. Neben kommerziellen, strategischen und politischen Aspekten sind es vor allem auch ethische Gründe und das Bewusstsein der Anleger um ihre Verantwortung, welche den Trend zu nachhaltigen Anlagen treiben. Die Wirkung der zunehmenden Regulatorik im Bereich Nachhaltige Finanzierung, wie bspw. der EU-Taxonomie und nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten ist dabei auch nicht zu unterschätzen.

Welche Renditen lassen sich mit Impact Investments erwirtschaften?

Robert Roth: Nachhaltig investieren bedeutet nicht Verzicht auf Rendite, vielmehr stellen nachhaltige Investments eine Chance auf langfristige Erträge dar. Unternehmen, welche schon heute ihre Nachhaltigkeitsrisiken reduzieren, haben Kostenvorteile gegenüber Ihren Wettbewerbern und damit verbundene Geschäftsmöglichkeiten. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in Investitions­entscheidungen reduziert langfristige Risiken und führt zu einer verbesserten risikoadjustierten Rendite. Diese liegen im aktuellen Marktumfeld zwischen 5% und 7%. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell muss eben zugleich ein wirtschaftlich gutes Geschäftsmodell sein.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Investieren nach ESG-Kriterien und Impact Investing?

Robert Roth: ESG-Kriterien stellen in erster Linie darauf ab, negative Effekte der Mittelverwendung auf Umwelt, Gesellschaft und Governance zu erfassen, damit Investoren Unternehmen oder Projekte mit „schlechten“ ESG-Status oder hohem ESG-Risiko vermeiden können. Dabei wird auch mit Ausschlusskriterien und Ansätzen gearbeitet, bei welchen der am wenigsten Schlechte als “Best-in-Class” auch noch investierbar gilt. Im Kontext der Identifizierung nachhaltiger Geschäftsmodelle besteht bei der vornehmlichen Fokussierung auf ESG Kriterien die Gefahr, sich zu sehr auf die Risikoeingrenzung zu beschränken. Denn damit geht nicht automatisch einher, dass das Geschäftsmodell des Unternehmens eine nachhaltig positive Wirkung erzielt.

Die weltweit anerkannte Alternative zum risikoorientierten ESG-Ansatz ist das durch die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen geschaffene Rahmenwerk für Impact Investing. Nachhaltig ist, was eine positive Wirkung auf die Nachhaltigkeitsziele hat. Im Sinne einer positiven Wirkung (Impact) stellen die Nachhaltigkeitsziele keinen reaktiven Problemansatz, sondern einen proaktiven Lösungsansatz dar, an dem sich Investoren bei ihren nachhaltigen Investitionen orientieren können.

Wird diese Art von Investments die Welt verbessern können? Kann man die Wirkung messen?

Robert Roth: Etablierte Unternehmen mit traditionellem Geschäftsmodell bewegen sich nur langsam in Richtung mehr Nachhaltigkeit, wohingegen Investitionen in KMUs und Startups mit nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen zur z.B. Energiewende, alternativer Mobilität und Kreislaufwirtschaft viel größere Wirkung haben. Diese Wirkung wird durch die 17 Nachhaltigkeitsziele, 163 konkrete Vorgaben und durch 224 eindeutig definierte Indikatoren messbar und transparent gemacht. Diese Geschäftsmodelle gilt es daher mittels Impact Investing zu fördern und die Situation unseres Planeten und der Menschen bis 2030 und darüber hinaus spürbar und messbar zu verbessern.

Herr Roth, wir danken Ihnen für das Gespräch

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