Algorithmen von Werbeplattformen werden immer smarter – Hendrik Herms

Hendrik Herms ist Geschäftsführer der Löwenstark Consulting GmbH. Im Interview spricht er über den Stand der Digitalisierung in Deutschland und einfache Maßnahmen, die auch KMU umsetzen können.

Hendrik Herms

In der letzten Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen nicht hinreichend digitalisiert sind. Was sind Ihre Erfahrungen bezüglich der Digitalisierung der Wirtschaft?

Hendrik Herms: Vielleicht muss man sich erstmal fragen, was wir unter mittlerweile schillernden Begriff der „Digitalisierung“ überhaupt verstehen? Unterhält man sich mit den verschiedenen Entscheidern aus unterschiedlichen Branchen in Deutschland, fällt sofort auf, dass jeder hierunter etwas anderes versteht. Beim dem einen ist die Digitalisierung nämlich die Anschaffung von Notebooks für fast alle Mitarbeiter, beim nächsten sind es komplexe AI-Projekte zur Verbesserung der automatischen Kundenhotline. Wenn Sie mich an Digitalisierung fragen, verstehe ich hierunter eine komplexes ineinander verwobenes Konstrukt aus verschiedenen Handlungsfelder, wie bspw. Hard-/Software, Anwendungskompetenzen für diese, Automatisierungen von Prozessen und Dienstleistungen durch autonome Systeme, Information und Daten, Verwertung von Daten, digitale und datenbezogene Geschäftsmodelle, Digitale Vertriebs- und Serviceweg – und, und, und. Aber eben auch neue Formen der Zusammenarbeit – gestützt durch digitale Tools – und neue Formen der betrieblichen Organisation bis hin zur Führung.  Wie verschiedene andere Beratungsunternehmen auch, haben wir bspw. eine Reifegrad-Modell zur Messung der Digitalisierung entwickelt. Das hilft ganz gut in der fakten-basierten Bewertung, wie digital denn nun ein Unternehmen ist.

Mein Eindruck ist hier, dass es hoch-digitalisierte Branchen gibt, wie bspw. Medien, B2B Servicedienstleister (bspw. Anwaltskanzleien), Versicherungen usw. Und auf der anderen Seite stark nachholbedürftige Branchen, wie bspw. die Landwirtschaft, Baugewerbe, Öffentliche Verwaltung oder schlicht Länder und Kommunen. Das finde ich ehrlich jedes Mal besonders traurig, wenn ich persönlich auf dem Ortsamt zwischen 08:30 und 12:00 Uhr erscheinen muss, um meine Anwohnerparkscheibe zu verlängern und mir einen Ausdruck abzuholen, den ich hinter meine Autoscheibe lege. Ich spitze gerade zu, aber im Grunde zeigt es die Situation. Das Gesamtfazit: Wir sind digitaler in Deutschland, als man es auf den ersten Blick wahrhaben will.

Was macht Ihr Unternehmen, um anderen Firmen bei der Digitalisierung zu helfen?

Hendrik Herms: Wir sind ja Experten im weiten Feld des Online-Marketings und des digitalen Vertriebes. Wir helfen unseren Kunden, über digitale Medien eine hohe Sichtbarkeit für Ihre Marke zu erzeugen und bringen schlussendlich potenzielle Käufer in die Vertriebskanäle der Kunden, damit dort Umsatz erzeugt wird. Wenn gewünscht, entwickeln wir auch mit unseren Kunden Strategie zur Digitalisierung Ihres Vertriebes, Ihrer Vertriebswege und helfen aktiv dabei diese Umzusetzen. So bauen wir bspw. unseren Kunden optimale Händlerpräsenzen bei Amazon auf oder wir bauen Ihnen gleich einen kompletten Webshop inkl. Warenwirtschaftssystem auf. Auch beraten wir unsere Kunden bei der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen und helfen ihnen diese zu verwirklichen. Ein wichtiger Punkt hier noch: Wir helfen unseren Kunden auch, in dem wir für sie staatliche Förderprogramme zur Digitalisierung ihrer Unternehmen empfehlen und beantragen.

Was ist Ihre Spezialisierung?

Hendrik Herms: Unser Fokus ist ganz klar Online-Marketing, Online-Strategieberatung und Web-Entwicklung.

Für Firmen welcher Größenordnung macht es Sinn, sich der Optimierung digitaler Prozesse zu widmen, auch insbesondere hinsichtlich der Kosten?

Hendrik Herms: Das ist keine Frage der Größe von Unternehmen, sondern von Investitionskosten der Digitialisierung von Prozessen vs. der potenziellen Einsparmöglichkeit oder dadurch gegebenen Wachstumsmöglichkeiten. Ein Beispiel: Ein Handwerker schreibt seine Angebote und Rechnung noch abends nach der Arbeit via Word und Excel. Dafür braucht er x Stunden pro Woche. Digitalisierungsansatz: Er schafft sich ein ERP-System an, legt dort Textbausteine und Angebotsblöcke und kann nach Einführung quasi auf Knopfdruck Angebote bausteinartige in Sekunden zusammenstellen. Was spart er? Viele Stunden Arbeit, in denen er lieber Geld durch Aufträge verdient. Ist eine reine Break-Even-Betrachtung

Was sind die wichtigsten aktuellen Trends?

Hendrik Herms: Bezogen auf die Digitalisierung? KI und AI sind die Megathemen. Sie bieten ein riesiges Potenzial Prozessen und Fertigungstätigkeiten zu automatisieren und somit Firmen noch profitabler zu machen. Leider werden wir hier aber auch einige unerfreuliche gesellschaftliche Verwerfungen sehen. Ich glaube nämlich nicht, dass das ohne permanente Jobverluste stattfinden wird.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Branche aus?

Hendrik Herms: Wir sind natürlich durch AIs bzw. KIs genau so unter Druck geraten. Es ist kein Geheimnis, dass Werberiesen wie bspw. Google oder Facebook auf die Vergütungen von Kunden an uns in den Bereichen Strategie, Beratung und Operations schielen und an unsere Margen ran wollen. Die Algorithmen von den Werbeplattformen werden immer smarter und wir müssen als menschliche Berater hier durch Strategie und Cleverness gegenankämpfen, sonst verlieren wir unsere Kunden an irgendwelche Self-Service-Backends von Google. Sprich: Wir müssen uns und unser Service-Portfolio ständig weiterentwickeln, damit wir unseren Kunden stets die optimalsten und besten Online-Marketingberatungen und Ergebnisse liefern können.

Herr Herms, vielen Dank für das Gespräch.

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