Komplett eigenverantwortlich und autark arbeiten – Petra Schindel (Pitchpunks)

Petra Schindel ist Inhaberin von Pitchpunks. Im Interview spricht sie über die Auswirkungen der Corona-Krise auf kreative Freelancer und Designer.

„Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Petra Schindel: Keiner konnte vorhersehen, dass uns 2020 eine noch nie dagewesene globale Virus-Pandemie heimsuchen wird, das unvorstellbar wirtschaftliche und soziologische Konsequenzen mit sich bringt. Die wirklichen Ausmaße werden wir erst Jahre später richtig realisieren können. Egal ob mittelständische Unternehmen oder Einzelkämpfer: Generell sollte jeder Selbstständige/Freiberufler darauf achten, genügend Rücklagen für außergewöhnliche Situationen zu bilden. Besonders wenn man Verantwortung für Angestellte hat. Das ist ein eigenverantwortliches Risikomanagement das man als Selbstständiger in erster Linie umsetzen sollte.

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Petra Schindel: Die Auftragslage ist von heute auf morgen vollständig eingebrochen. Projekte wurden auf unbestimmte Zeit verschoben oder direkt storniert. Der Bereich Marketing und Werbung wird bei jeder kleinen wirtschaftlichen „Irritation“ sofort in Mitleidenschaft gezogen.

Krisen- und Risikomanagement wird in Unternehmen oft nachrangig behandelt. Welche internen und externen Risikofaktoren haben Sie für Ihr Unternehmen / Ihre Branche besonders im Blick?

Petra Schindel: Es entstehen durch unser einmaliges Geschäftsmodell kaum interne Risiken. Wir sind ein Pool von Freelancern, die komplett eigenverantwortlich und autark arbeiten. Bei größeren Projekten schließen wir uns zusammen oder arbeiten allein, wenn Einzelprojekte anstehen. So trägt jeder für sich sein Risiko. Wir können uns so flexibel der jeweiligen Marktsituationen anpassen. Um externe Risiken, wie beispielsweise geringe Auftragslage oder Krankheitsfall, entgegen zu wirken, ist es wichtig, dass sich jeder Einzelunternehmer ausreichend finanziell absichert, um mindestens drei Monate überbrücken zu können.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Petra Schindel: Da ich als Freiberuflerin zu 90 Prozent im Homeoffice arbeite, hat sich mein Workflow kaum verändert. Videokonferenzen sind allerdings die einzig große Umstellung gewesen, die mich zur Anschaffung eines bequemeren Bürostuhls motiviert hat. Positiv anzumerken ist, dass ich aufgrund der damals schlechteren Auftragslage mehr Zeit hatte, Projekte zu verfolgen, die ich wegen dem Tagesgeschäft vernachlässigt habe.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Petra Schindel: Meine Arbeitsweise hat sich während der Krise kaum geändert. Deswegen wurden auch andere Themen nicht beeinträchtigt.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Petra Schindel: Wir sind noch mitten in der Krise und keiner kann vorhersagen, wie lange sie noch anhält. Wichtig ist es, nicht zu resignieren und sich der neuen Marktsituation anzupassen.

Welche Ratschläge möchten Sie gerade Startups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Petra Schindel: Die neue Herausforderung ist nun, wie man mit der neuen Situation umgeht. Entstehen daraus neue Bedürfnisse, an denen man anknüpfen kann? Oder lässt sich daraus ein neues Geschäftsmodell generieren? Wachsam sein – kreativ sein – und neue Wege gehen. Das ist der Konsens, den ich jedem Startup oder etablierte Unternehmen mit auf den Weg geben möchte.

Frau Schindel, vielen Dank für das Gespräch.

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