Haartransplantation ist ein komplikationsarmer Eingriff mit guten Erfolgsaussichten – Dr. Mehmet Atila

Wir sprechen mit Dr. med. Mehmet Atila, Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie und Gründer und ärztliche Direktor von MEDICAL INN, über die Möglichkeiten der Eigenhaartransplantation.

Viele Männer leider unter Haarausfall. Wie hoch ist der Leidensdruck Ihrer Patienten?

Dr. Atila: Obwohl der Haarverlust meist gesundheitlich unbedenklich ist, kann er psychisch belastend sein. Mit dem fortschreitenden Verlust der Haare, fühlen sich viele Betroffene immer unwohler in ihrer Haut. Diese Veränderung wird häufig als unattraktiv empfunden und das Selbstbewusstsein leidet. Insbesondere junge Menschen verzweifeln nicht selten an den immer größer werdenden kahlen Stellen auf ihrem Kopf. Meist braucht es eine gewisse Zeit, die Situation zu akzeptieren. Das heißt allerdings nicht, dass man sich damit abfinden muss. 

Welche Typen von Haarausfall gibt es?

Dr. Atila: Es werden vier verschiedene Typen von krankhaftem Haarausfall, der Alopezie, unterschieden: androgenetischer Haarausfall, kreisrunder Haarausfall, diffuser Haarausfall und narbiger Haarausfall. Alle Arten können Männer und Frauen gleichermaßen betreffen.

Die androgenetische Alopezie ist die häufigste Form von Haarausfall. Typisches Merkmal des erblich bedingten Haarausfalls ist der Beginn an den Schläfen (Geheimratsecken) und dem Hinterhaupt bei Männern oder in der Schädelmitte bei Frauen.

Welche Methoden für Haartransplantationen gibt es, für welche Arten von Glatzenbildung sind diese geeignet?

Dr. Atila: Prinzipiell sollte die Devise lauten: Erst die Diagnose, dann (gegebenenfalls) die Behandlung. Ist die definitive Ursache des Haarausfalls und die Behandlungsmöglichkeit durch eine Haartransplantation ärztlich bestätigt, wird festgelegt, welche Behandlungsmethode am besten infrage kommt.

Bei einem genetischen Haarausfall macht dauerhaft meist nur eine OP Sinn, bei der in kahle Stellen neue Haare eingepflanzt werden. Solche Eigenhaartransplantationen werden heute mit moderner FUE- und FUT-Technik durchgeführt.

Bei Narbenbildung, kreisrundem Haarausfall oder diffusem Haarausfall kommt eine Transplantation gegebenenfalls auch infrage. Hier muss jedoch die Ursache für den Haarausfall berücksichtigt werden. Ist der Haarausfall krankheitsbedingt, würden die verpflanzten Haare vermutlich ausfallen.

Bei dünner werdendem Haar kann eine Eigenbluttherapie helfen, den Haarausfall zu stoppen und neues Haarwachstum anzuregen. Das aus dem Blut des Patienten gewonnene PRP ist konzentriertes Blutplasma, welches direkt an die Haarwurzeln gespritzt, eine optimale Nährstoffversorgung derselben erzielt, für eine bessere Durchblutung sorgt und die Neubildung von Haarfollikeln anregt.

Wie läuft eine Haartransplantation ab?

Dr. Atila: Die Haartransplantation wird in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Bei der Haartransplantation werden kräftige Haarwurzeln (sogenannte Grafts) vom Hinterkopf entnommen und an den unerwünschten kahlen oder lichten Stellen wieder eingepflanzt. Da diese Behandlung nur mit Eigenhaar funktioniert, ist es wichtig, dass am Hinterkopf noch genügend kräftiges Spenderhaar vorhanden ist.

Die Gesamtdauer des Eingriffs variiert je nach Anzahl der Transplantate. Bei der Transplantation von 1000 bis 1500 Grafts muss mit einer Dauer von etwa 3 bis 6 Stunden gerechnet werden. Je nach Größe der behandelten Stelle können mehrere Sitzungen erforderlich sein, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht ist.

Mit einer Haartransplantation wird hauptsächlich männliche Kahlheit behandelt, es können aber auch Augenbrauen, Bart, Brusthaar und Schamhaar wiederhergestellt werden. Außerdem können Narben, die durch Unfälle oder Operationen, wie Gesichtsstraffungen und vorhergehende Haartransplantationen, entstanden sind, aufgefüllt werden.

Eine Haarverpflanzung wird zunehmend auch von Frauen mit dünnem und kahler werdendem Haar in Anspruch genommen.

Wie lange dauert der Heilungsprozess?

Dr. Atila: Die Haartransplantation ist grundsätzlich ein komplikationsarmer Eingriff mit guten Erfolgsaussichten. Nach der Transplantation muss man mit den neu verpflanzten Haaren vorsichtig umgehen. Rubbeln, Reiben oder anderweitige Krafteinwirkungen sind zu vermeiden. Schließlich versuchen die Haarfollikel zunächst einmal Halt in der Kopfhaut zu finden. Bis die Verwurzelung geglückt ist, sollte man den einzelnen Härchen jede Menge Regenerationszeit gewähren.

Kleine Verkrustungen verschwinden nach 10 bis 14 Tagen durch regelmäßiges Haare waschen mit einem milden pH-neutralen Shampoo, wobei das Haare waschen ab 48 Stunden nach dem Eingriff wieder erlaubt ist. 

Worauf sollte bei der Auswahl des Arztes geachtet werden?

Dr. Atila: Wer sich für eine Haartransplantation interessiert, sollte sich vor dem Eingriff über geeignete Kliniken und Ärzte informieren.

Ein wichtiges Kriterium ist die nachweisbare Erfahrung mit Haartransplantationen. Der behandelnde Arzt muss nicht nur über umfassendes Fachwissen zum Thema Haarausfall verfügen, sondern sollte im Idealfall regelmäßig Haartransplantationen durchführen bzw. ärztlich begleiten.

Herr Dr. Atila, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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