Nico Hüsch: „Die Zeichen stehen eindeutig auf Verbesserung“

Wir sprechen mit Nico Hüsch, Geschäftsführer der Nico Hüsch GmbH, über die Digitalisierung in der Finanzbranche.

Nico Hüsch

Viele erwarten eine noch stärkere Digitalisierung des Finanz- und Versicherungsvertriebs. Wie sehen Sie das?

Nico Hüsch: Ich freue mich über den fortschreitenden Digitalisierungsgrad der Finanzbranche. In Ihrer Frage bezeichnen Sie die Entwicklung der letzten Jahre implizit als „stark“ – das sehe ich ehrlich gesagt nicht so.

Als unabhängige Finanzberater arbeiten wir bei der Nico Hüsch GmbH mit nahezu allen Banken und Versicherungen zusammen. Lassen Sie mich aus der Praxis berichten:

Was bei manchen Marktteilnehmern los ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Banken und Versicherungen arbeiten teilweise noch auf Betriebssystemen, für die vor Jahren der Support eingestellt worden ist. Andere verlangen wichtige Unterlagen per Fax und sind dann mit dem eFax überfordert. Digitale Unterschriften sind für manche noch vollkommendes Neuland.

Fast alle Unternehmen drucken sämtliche Unterlagen aus und legen diese in einem Archiv ab. Manchmal werden sogar E-Mails ausgedruckt und abgeheftet. Unterlagen werden den Kunden zwingend per Post zugestellt, obwohl diese die Unterlagen bereits in der digitalen Kunden-App übermittelt bekommen haben.

Diese Liste könnte ich noch recht lange fortführen…

Fakt ist: Im internationalen Vergleich mit den Industrieländern hat die Finanzbranche in Deutschland noch jede Menge Aufholbedarf. Die Politik hat dies allerdings meiner Meinung nach erkannt und setzt inzwischen den Fokus auf Digitalisierung.

Für die Gründung unseres Unternehmens war ein notwendiges Kriterium, dass 100% Digitalisierung möglich ist. Als dies Anfang 2019 möglich wurde, haben wir nach jahrelanger Vorbereitung losgelegt. Ausschlaggebend war für uns, dass der Großteil der Unternehmen die relevanten Informationen für computergestützte Systeme zugänglich gemacht haben. Heute können wir voller Stolz behaupten, unsere Kunden vollumfänglich digital zu beraten.

Das heißt zum Beispiel: Wir haben keinen Drucker im Unternehmen, unsere Kunden haben eine eigene Kunden-App, über die sämtliche Kommunikation läuft, wir beraten deutschlandweit online und unsere Kunden unterzeichnen digital und haben jederzeit Zugriff zu allen Unterlagen und Aufzeichnungen.

Mit Hilfe der Digitalisierung ist es professionellen Beratern möglich, immer effizienter und geleichzeitig kundennah sein zu können. Wir konnten unsere Prozesse massiv optimieren, seitdem wir jede Möglichkeit der Digitalisierung für uns und unsere Kunden einsetzen. Dadurch können wir ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten. Eine optimale Finanzberatung im Jahr 2020 in Deutschland ist nur noch mit einem Höchstmaß an Digitalisierung möglich, um den wachsenden Anspruch der Kunden nach umfassenden Marktvergleichen und vollkommender Transparenz gerecht zu werden.

Doch ich muss auch warnen; denn leider gibt es auch schwarze Schafe, die ihre windigen Geschäftsmodelle unter dem Deckmantel der „Digitalisierung“ unkenntlich machen. So gibt es einige bspw. „Robo-Advisor“, denen die Sparer ihr Vermögen anvertrauen. Bei genauerem Hinsehen stellen die Kunden nach einigen Jahren fest, dass die Rendite mau ist, die Kosten hoch und der zu Grunde liegende Algorithmus in der Finanzwissenschaft schon lange als erfolgslos enttarnt worden ist.

Fazit: Insgesamt freuen wir uns aber auf die nächsten Jahre und werden weiter jede Möglichkeit der Digitalisierung für uns und unsere Kunden nutzen. Hierfür haben wir zum 01.08.2020 einen Geschäftsführer für die Business Unit „digitales“ für uns gewinnen können. Die großen Marktteilnehmer sind systembedingt langsam und träge, werden aber in den nächsten Jahren massiv nachholen und sich digitaler positionieren.

Worauf sind Sie spezialisiert und welche Erfahrung oder Ausbildung bringen Sie mit?

Nico Hüsch: Als unabhängige Anlageberater haben wir uns auf Finanzkonzepte für den Vermögensaufbau spezialisiert. Wir beraten unsere Kunden ganzheitlich und nutzen alle vorhandenen Möglichkeiten am Finanzmarkt in Deutschland.

Der Schwerpunkt bei den meisten Kundenkonzepten liegt in breit gestreuten Anlagen im renditeorientierten Aktienmarkt. Dabei kombinieren wir die Vorteile der verschiedenen „Welten“. So hat unser durchschnittliches Kundenportfolio einen passiven ETF-Anteil von etwa 40-80%, um kostengünstig in den Industriemärkten zu investieren. Neben den ETFs sind ausgesuchte, aktive Fonds, oft mit Branchen- oder Regionen-Schwerpunkten, eine sinnvolle Ergänzung.

Wir sehen uns als lebenslange Begleiter für alle Finanzangelegenheiten unserer Kunden. Deswegen verfügt die Nico Hüsch GmbH über erfahrene Berater in jedem Alter.

Natürlich verfügen unsere Berater über die entsprechenden Zertifizierungen. Von den gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen der Zulassungsbehörden oder den aufbauenden Studiengängen für den Bereich Finanzen halten wir allerdings nicht viel. Das vermittelte Finanz-Wissen transportiert wenig die aktuellen Geschehnisse an den Finanzmärkten und ordnet sich als anwendende Wissenschaft beim Anspruch ein, die relevantesten Grundlagen zu vermitteln.

Unsere Berater haben nach ihrer akademischen Laufbahn langjährige Erfahrungen in der Finanzbranche gesammelt. Vor allem teilen alle eine Begeisterung für das Thema Finanzberatung. Zu unserem Team gehören Wirtschaftsingenieure, Ökonomen, Doktoren für Jura und Medizin usw. Die Erfahrungen haben wir in der Bankenbranche gesammelt, in Finanzvertrieben und in Family-Offices.

Ist es zu Pandemie-Zeiten nicht schwierig Menschen persönlich zu beraten?

Nico Hüsch: Nein, für uns hat sich überhaupt nichts geändert. Auch die letzten Jahre, ganz ohne Pandemie, fand unsere persönliche Beratung vollkommen kontaktlos online statt.

Nutzen Sie computergestützte Systeme bei der Auswahl von Produkten?

Nico Hüsch: Ohne computergestützte Systeme würden wir absolut nichts für unsere Kunden tun können. Jede Produktauswahl, egal ob Anlagefonds oder Versicherungsprodukt, hat mit großen Datenbanken zu tun mit oftmals mehreren hundert Vergleichsparametern.

Nehmen wir beispielsweise die über 22.000 in Deutschland handelbaren Investmentfonds. Hier nur ein kleiner Auszug unserer internen Bewertungsparameter:

Verwaltetes Fondsvolumen, Rendite, Volatilität, Ratings, Anlageschwerpunkt, Aktienquote, Auflagedatum, Anlagestrategie usw.

Stellen Sie sich eine Liste vor mit 22.000 Fonds und jeder hat, wie in diesem Beispiel, nur 10 vergleichende Parameter. Dann müssten Sie schon 220.000 Informationen untereinander vergleichen. Für Computersysteme stellt dies natürlich keine Herausforderung dar. Beispielsweise Excel kann für derartige Aufgaben spielend leicht genutzt werden.

Wenn allerdings für eine Portfolioanalyse die verschiedensten Fonds in Beziehung zueinander gestellt werden müssen, hilft Excel nicht weiter. Nun ist ein Analyseprogramm von Nöten, welches über eine automatische Schnittstelle möglichst tagesaktuell die Einzeltitelgewichtung der 22.000 Fonds übermittelt bekommt. Hier gibt es ausgezeichnete Programme, die jeden Monat viel Geld kosten, aber ohne die es absolut nicht mehr geht. 

Es gibt also Excel, ein super Programm für Portfolioanalyse, ein Programm für die Analyse von privaten Krankenversicherungstarifen und so weiter. Wir nutzen derzeit über 10 verschiedene, externe Anbieter, die in Ihrer Nische herausragend sind.

Unsere Ausgaben für die jeweils besten Softwareanwendungen am Markt betragen in etwa 20%-30% von unseren Mitarbeiterkosten, was recht viel ist. Allerdings ist jeder Euro gut investiert, da er unmittelbar unserer Beratungsqualität zu Gute kommt.

Als Makler handeln wir im Kundeninteresse und sind für unsere Beratung verpflichtet, eine „hinreichende Zahl“ von Marktmöglichkeiten zu analysieren. Wir interpretieren diese Vorgabe des Gesetzgebers so, dass wir immer das meiste machen, was technisch möglich ist.

Welche Vorteile ergeben sich hierdurch für Ihre Kunden?

Nico Hüsch: Unsere Kunden haben über uns Zugang zu den detailliertesten Analysen, die aktuell möglich sind. Natürlich wissen unsere erfahrenen Berater, welcher Detailgrad jeweils angemessen ist. Aber am Ende des Tages erhalten wir einen eindeutigen Informationsvorsprung und somit Wettbewerbsvorteil durch Technologie.

Unsere Kunden erhalten das beste Preis-Leistungsverhältnis am deutschen Finanzmarkt für ihr persönliches Finanzkonzept.

Wie funktioniert Finanz- und Versicherungsberatung in Ihrer Meinung nach in 5 bis 10 Jahren?

Nico Hüsch: Auch in den letzten Dekaden gab es für die Finanzbranche mehr aus genug Gründe, um die Finanzberatung in Deutschland insgesamt zu hinterfragen und strukturelle Anpassungen vorzunehmen. Allerdings war der Wettbewerbsdruck stets zu gering.

Heute im Jahr 2020 ist die Hoffnung größer denn je, dass es zu positiven Entwicklungen am Markt kommen wird. Denn nun geht es den großen, trägen, „Market-Makern“ endlich an den Kragen! Dynamische Highperformer-Beratungshäuser können trotz massiver Größennachteile durch die Möglichkeiten der Digitalisierung den Marktführern beachtliche Umsätze streitig machen.

Auch der Marktführer für Private Altersvorsorgen in Deutschland hat das erkannt und möchte bis 2030 größtenteils garantielose Produkte veräußern – so hört man zumindest. Zunächst einmal müssen tausende Mitarbeiter in Rente geschickt werden und die übrigen müssen massiv geschult werden, da Sie nunmehr keine Rürup-, Riester-, und betriebliche Altersvorsorgen (also Garantieprodukte) mehr verkaufen sollen, zumindest nicht mehr im Regelfall.

Heute werden zu ca. 95% Garantieprodukte verkauft, vielleicht werden 2030 zu 5% Garantieprodukte verkauft. Hin und wieder macht für einen Kunden auch ein Garantieprodukt Sinn, dies trifft in etwa bei 5% unserer heutigen Beratungen zu. Die meisten unserer Kunden profitieren schon heute unmittelbar von den Entwicklungen an den Finanzmärkten über Fondsdepots und Fondspolicen.

Der Versicherungsbereich wird sich in den nächsten Jahren größtenteils automatisieren. Neben den etablierten Vergleichsportalen haben auch kleine Maklerhäuser schon heute Zugang zu den gleichen Rechenkernen der Marktführer. Neue globale Player wie Amazon-Insurance werden den Markt ordentlich aufmischen.

Immer mehr Kunden erkennen durch das Internet die Vorteile einer unabhängigen Anlageberatung. Versicherungsvertreter und Bankmitarbeiter werden massiven Entlassungswellen ausgesetzt sein.

Der Anlagetrend in passive ETF nach „Buy-and-Hold“ zu investieren wird fortgesetzt, wobei die Portfoliogestaltung optimiert wird und die Anteile der Emerging-Markets im Portfolio des Durchschnittsdeutschen zunehmen wird. Robo-Advisors und Ähnliches werden solange an Bedeutung verlieren, wie die Algorithmen von Menschen mit Informationen gefüttert werden müssen. Erst eine echte künstliche Intelligenz wird diesen Bereich wieder interessant machen.

Insgesamt freuen wir uns sehr auf die nächsten 10 Jahre, da die Zeichen eindeutig auf Verbesserung stehen. Nie waren die Chancen so gut wie heute, dass die Finanzindustrie kundenorientiertere Produkte auf den Markt bringt. Dank der Digitalisierung werden wir weiter jeden Tag unser Bestes dafür tun, diese Entwicklung zu unterstützen.Herr Hüsch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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