Berufsbild des Maklers befindet sich in einem stetigen Wandel – Jürgen Michael Schick (IVD)

Jürgen Michael Schick ist Präsident des Immobilienverbandes Deutschland IVD. Im Interview spricht er den Einfluss von Investoren auf den deutschen Immobilienmarkt und die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung auf das Berufsbild des Maklers.

Jürgen Michael Schick

(c) Hoffotografen/IVD

Wie stark hat sich der Immobilienmakler-Beruf in den letzten Jahren verändert?

Jürgen Michael Schick: Das Berufsbild des Maklers befindet sich in einem stetigen Wandel – und das schon seit Jahren. Der Makler ist ständig neuen Veränderungen ausgesetzt. Ich denke da zum Beispiel an die vielen neuen gesetzlichen Vorgaben oder rechtlichen Entscheidungen, auf die sich der Makler in den letzten Jahren einstellen musste. Im Rhythmus weniger Monate kommen immer neue Vorhaben hinzu.

Er muss also stets am Ball bleiben, um auf dem hart umkämpften Markt mit etwa 12.000 Maklerunternehmen in Deutschland bestehen zu können. Zudem muss ein professioneller Makler den Markt vor Ort kennen, dessen Entwicklungen und Preise und über Angebot und Nachfrage des jeweiligen Immobiliensegments Bescheid wissen. Auch hat er Kenntnisse im Mietrecht und Vertragsrecht, Grundbuchrecht, Notarrecht oder dem Baurecht. Auch sollte er seine Kunden in Steuer- und Finanzierungsfragen beraten können. Sie sehen, das Geschäft ist sehr komplex und anspruchsvoll.

Investoren, inländische und ausländische, drängen nach wie vor auf den Markt. Macht sich das in Ihrem Alltag bemerkbar?

Jürgen Michael Schick: 817.000 Unternehmen – das sind 25,1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland – sind in der Immobilienwirtschaft tätig. Das zeigt, wie kleinteilig die deutsche Immobilienbranche ist. Die Kleinteiligkeit ist unter anderem ein Grund dafür, warum die Branche so stabil und attraktiv ist im Vergleich zu anderen Ländern. Eine vielschichtige Eigentümerstruktur im Wohnungsmarkt, das Nebeneinander von mehreren starken Städten mit attraktiven Gewerbeimmobilienmärkten oder auch die langfristigen Zinsen und die sicherheitsorientierte Finanzierungskultur machen den deutschen Immobilienmarkt aus – und das zieht natürlich inländische und ausländische Investoren an, zunehmend auch in und nach Krisenzeiten wie diesen. Deutschland wird bei Investoren immer beliebter, weil es als Stabilitätsanker und sicherer Hafen in Europa gilt.

Stimmt es, dass Investoren sich scheuen, Maklerprovision zu zahlen?

Jürgen Michael Schick: Ich kenne keinen Verkäufer oder Käufer, der sich scheut, seinen Makler zu bezahlen, wenn dieser einen professionellen Job gemacht hat. Makler, die ihre Leistung aufzeigen und erklären können und transparent sind, sind in der Regel ihren Preis auch wert. Außerdem sorgt die gesetzliche Neuregelung über die Verteilung der Maklerkosten, die im Dezember in Kraft tritt, dafür, dass die Maklerkosten zwischen den Parteien überall in Deutschland fair aufgeteilt werden.

Wie lange sind Sie im Geschäft und welche Immobilientypen betreuen Sie?

Jürgen Michael Schick: Ich bin seit fast 30 Jahren in der Immobilienbranche tätig. Anfang der 90er Jahre gründete ich mein Unternehmen in Berlin, ein Fachmaklerunternehmen für Wohn- und Geschäftshäuser.

Würden Sie heute nochmal Immobilienmakler werden oder etwas anderes?

Jürgen Michael Schick: Für mich ist Immobilienmakler der schönste Beruf der Welt. Ich würde es immer wieder tun.

Was sind die wichtigsten Trends?

Jürgen Michael Schick: Was wir momentan beobachten ist, dass immer Menschen über den Erwerb von Wohneigentum nachdenken. Unsere Mitgliedsunternehmen bestätigen uns, dass es in diesen Zeiten eine höhere Nachfrage nach Eigentumswohnungen oder Einfamilienhäusern gerade auch im Umland von Metropolen gibt. In einer aktuellen IVD-Umfrage haben wir ermittelt, dass 75 Prozent aller Deutschen gern Wohneigentum hätten. Durch die Corona-Pandemie wird dieser Wunsch noch bestärkt. Junge Familien mit Kindern suchen sich mehr Freiraum und Sicherheit in den ländlicheren Regionen. Mit Homeoffice und flexibleren Arbeitsplatzmodellen erspart man sich zukünftig lästige Pendlerzeiten.

Es wäre deshalb sinnvoll, weitere politische Maßnahmen zur Eigentumsförderung anzustoßen und bestehende fortzusetzen. Das Baukindergeld beispielsweise ist ein voller Erfolg und sollte unbedingt entfristet werden. Außerdem sollte die Grunderwerbsteuer gesenkt und Freibeträge für Ersterwerber eingeführt werden. Mit einem KfW-Bürgschaftsprogramm könnten junge Familien beim Eigenkapital – der größten Hürden beim Immobilienkauf – entlastet werden. Mit diesen Maßnahmen würden bedeutend mehr Menschen Wohneigentum erwerben können. Das sollte das politische Ziel und der Trend für die nächsten Jahre sein.

Wird der Beruf des Maklers irgendwann aussterben, aufgrund der Digitalisierung?

Jürgen Michael Schick: Ich sehe momentan kein digitales Tool und auch keine künstliche Intelligenz, die den Makler ersetzen können. Auch die Hybridmakler haben längst feststellen müssen, dass auf den Faktor Mensch nicht verzichtet werden kann. Vertrauen und Emotionen lassen sich nicht digitalisieren. Der größte Mitbewerber des Maklers ist er selbst. Wenn er sich den neuen digitalen Möglichkeiten öffnet und sie nutzt, dann wird er auf dem Markt bestehen. Und das noch auf lange Zeit.

Herr Schick, vielen Dank für das Gespräch.

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