Stefan Steinhardt: SGS ist widerstandsfähig, aber auch nicht immun

Stefan Steinhardt ist Managing Director der SGS-Gruppe in Deutschland. Im Interview spricht er über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und den ungeahnten Digitalisierungsschub der Wirtschaft.

Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Stefan Steinhardt: Weltweit war wohl kaum ein Unternehmen optimal auf das ganze Ausmaß der Corona-Pandemie vorbereitet.

Die SGS ist widerstandsfähig, aber auch nicht immun gegen die Auswirkungen dieser Pandemie. Unsere Teams für Risikomanagement, Betriebsintegrität und Personal haben rasch zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, von denen viele ohnehin auf unser Serviceangebot zugeschnitten sind.

Unsere SGS-Expertenteams bieten übrigens Unternehmen auch Ausbildungen zur ISO 31000 sowie eine Bewertung der ISO 31000 Risikomanagementsysteme an. Unser weltweites Netzwerk sorgt dafür, dass wir über die richtigen Fachleute für zahlreiche Branchen verfügen. Mit rund 90.000 Mitarbeitern und einem internationalen Netzwerk von über 2.600 Niederlassungen sind wir rund um den Globus nahezu überall kundennah präsent.

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Stefan Steinhardt: Wenn die Geschäfte unserer Kunden ins Stocken geraten, sind auch wir natürlich davon betroffen. Da wir aber sehr breit aufgestellt und Partner aller wichtiger Branchen sind, gewinnt das Prüfen, Testen, Verifizieren und Zertifizieren in vielen Unternehmen gerade in Krisenzeiten noch mehr an Bedeutung.

Krisen- und Risikomanagement wird in Unternehmen oft nachrangig behandelt. Welche internen und externen Risikofaktoren haben Sie für Ihr Unternehmen / Ihre Branche besonders im Blick?

Stefan Steinhardt: Als börsennotiertes Unternehmen haben wir eine globale Plattform für Corporate-Governance und Compliance Regeln und auch strukturierte Risikomanagement-Prozesse etabliert. Die aktuelle Corona-Krise zeigt, dass sich unsere Management-Strukturen bewähren. Dank der Dynamik und Reaktionsfähigkeit unserer Mitarbeiter in einem derart herausfordernden Betriebsumfeld haben wir eine stabile Leistung im ersten Halbjahr 2020 erzielen können.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Stefan Steinhardt: Als sich die Pandemie abzeichnete lag unser Fokus auf der Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Kontinuität des Kundendienstes, wegweisenden neuen Dienstleistungen, fortgesetzten Investitionen in Märkte mit hohem Wachstumspotenzial und Finanzdisziplin.

Darüber hinaus haben wir vielen Mitarbeitern angeboten, ihre Arbeit per Home-Office fortzusetzen. Dank unserer IT-Infrastruktur und unserer ohnehin dezentralen und damit auch kundennahen Organisation war dies reibungslos möglich.

Außerdem haben wir schnell eine abteilungsübergreifende COVID19-Taskforce ins Leben gerufen. Damit wir unsere Hygienemaßnahmen schnell auf aktuellen Entwicklungen, Empfehlungen und Richtlinien, beispielsweise des Robert-Koch-Instituts, anpassen können. Über unser Intranet halten wir unsere rund 3.400 Mitarbeiter an 40 Standorten in Deutschland stets auf dem laufenden.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Stefan Steinhardt: Das ist bei der SGS nicht der Fall. Alle zu diesen Themen initiierten Projekte laufen weiter wie geplant. Übrigens bieten wir unseren Kunden auch zu diesen Fragen eine breite Palette an speziellen Dienstleistungen an: von Prüfungen, Probennahmen, Inspektionen, bis hin zu Zertifizierungen und Verifizierungen. Damit helfen wir weltweit Unternehmen, ihre Umwelteinflüsse zu minimieren.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Stefan Steinhardt: Die Art und Weise, wie sich die Gesellschaft an die Herausforderungen der letzten Monate angepasst hat, ist beeindruckend. Viele dieser Änderungen werden andauern, was die Rolle der TIC-Branche und das Engagement von SGS für eine bessere, sicherere und vernetztere Welt noch relevanter macht.

Welche Ratschläge möchten Sie gerade Start Ups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Stefan Steinhardt: In jeder Branche gibt es Risiken für Gesundheit, Sicherheit und Umwelt, die identifiziert und mit zuverlässigen Risikomanagementverfahren bewältigt werden müssen. Das gehört quasi zu unserem Tagesgeschäft. Deshalb sind auch Start Ups gut beraten, wenn sie sich rechtzeitig auf Krisenszenarien professionell vorbereiten.

Herr Steinhardt, vielen Dank für das Gespräch.

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