Demographische Entwicklung ist eine Kernherausforderung für den Immobilienmarkt – Gero Gosslar (ZIA)

Gero Gosslar ist Geschäftsführer vom Zentraler Immobilien Ausschuss (ZIA) e.V. Im Interview spricht er über die demographische Entwicklung und dem steigenden Bedarf nach altersgerechten Wohnungen.

Gero Gosslar

In welcher Weise beeinflusst die demographische Entwicklung den Immobilienmarkt in Deutschland? Und speziell in Ihrer Region?

Gero Gosslar: Die demographische Entwicklung ist eine der Kernherausforderungen für den Immobilienmarkt. Die steigende Zahl älterer Menschen hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben und Wohnen im Alter und bringt Herausforderungen für die Gesellschaft im Allgemeinen und die Immobilienwirtschaft im Speziellen mit sich. Altersgerechtes Wohnen, zeitgemäße Pflege oder der Einsatz digitaler Möglichkeiten für die Pflege von älteren Menschen – die Branche ist gefordert, hierfür Lösungen und Konzepte zu bieten – insbesondere unter dem Aspekt des Quartiersansatzes. Die Professionalisierung, die Transparenz der einzelnen Teilsegmente von Gesundheitsimmobilien sowie die Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen sind entscheidende Bestandteile auf diesem Weg.

Unser Leitgedanke aus der Versorgungsperspektive ist dabei: „Ambulant und stationär“ – es bedarf eines vielfältigen und differenzierten Angebots, das den Lebenssituationen und individuellen Präferenzen betroffener Menschen entspricht und gute Arbeitsplätze für Pflegekräfte bietet.

Sozialimmobilien, beispielsweise Seniorenimmobilien, sind zu einer Kapitalanlage geworden. Wie ist Ihre Meinung zu diesen Investments?

Gero Gosslar: Ohne Investoren aus dem In- und Ausland sind die Herausforderungen nicht zu schaffen – weder die Erweiterung des stationären Angebots noch die Weiterentwicklung des Quartiersansatzes. Ebenso wenig können wir ohne sie den Neubau vorantreiben und auf den wachsenden Bedarf an Pflegeplätzen in Deutschland reagieren. Private Investoren decken einen vorhandenen, gesellschaftlichen Bedarf. Wenn nicht stärker investiert wird, bedeutet dies weniger Angebotsvielfalt und eine immer schwierigere Pflegeplatzsuche für Pflegebedürftige.

Benötigt es für das Segment Sozialimmobilien mehr politische Anreize? Was können Sie befürworten oder kritisieren?

Gero Gosslar: Wir brauchen eine große Bandbreite an Angeboten für Senioren und pflegebedürftige Menschen. In den Wohnquartieren ist ein breites Angebot aus betreutem Wohnen, seniorengerechten, barrierearmen Wohnungen, ambulanten Pflegeleistungen und (teil-) stationärer Pflege nötig. Dieses Angebot wird nicht in ausreichendem Maß geschaffen. Das liegt unter anderem an Regulierungen des Gesetzgebers, die für Investoren sehr hinderlich sind. Die Rahmenbedingungen müssen dringend vereinheitlicht und vereinfacht werden – hier geht es etwa um die Angleichung der unterschiedlichen baulichen Vorgaben bei der Errichtung von stationären Pflegeeinrichtungen. Eine Harmonisierung der Bauordnungen auf Bundesebene – wenn nicht sogar eine einheitliche Bundesbauordnung – würde das länderübergreifende Engagement von Investoren und Entwicklern und die entsprechende Lösung des baulichen Pflegenotstands nachhaltig vereinfachen.

Haben jüngere Menschen grundlegend andere Vorstellungen vom Wohnen als ältere Generationen?

Gero Gosslar: Das lässt sich sicher nicht pauschal sagen. Ja, im Alter wächst tendenziell der Wunsch nach einer langfristigen Wohnperspektive. Aber sicher ist dies auch für die jüngere Generation nicht in Gänze auszuschließen. Fest steht aber eins: Viele Menschen wollen in den eigenen vier Wänden altern. Aber nur ein bis zwei Prozent des Wohnungsbestands sind heute altersgerecht. Und das hat zwangsläufig Auswirkungen auf alle Altersgruppen – sowohl auf die ältere Generation zum jetzigen Zeitpunkt als auch für die jüngere Generation dann in der Zukunft.

Welche Auswirkungen wird die Demographische Entwicklung auf die Immobilienfinanzierung haben?

Gero Gosslar: Die Erweiterung stationärer Angebote, die Weiterentwicklung der Quartiersangebote sowie die Entwicklung moderner Wohnkonzepte wird auch in der Zukunft von privaten und institutionellen Investoren unter Einsatz von Finanzierungsmitteln erfolgen. Je nach gewählter Rechtsform der Kreditnehmer und der Bedürfnisse der Projektentwickler und Anleger werden hierfür maßgeschneiderte Immobilienfinanzierungsprodukte entwickelt werden.

Herr Gosslar, vielen Dank für das Gespräch.

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