Wohnimmobilienpreise bleiben trotz Corona-Krise stabil – René Atz-Asen

René Atz-Asen ist Geschäftsführer der estateMoments GmbH. Im Interview spricht er über Corona-bedingte Entwicklungen am Immobilienmarkt und prognostiziert aufgrund der demographischen Entwicklung sinkende Preise ab dem Jahr 2030.

René Atz-Asen

Wen hat die Pandemie mehr getroffen, die Mieter und Käufer, die keine Notartermine machen konnten oder die Vermieter und Verkäufer?

René Atz-Asen: Nach meiner Auffassung ist es so, dass alle Parteien durch die Auswirkungen der Pandemie direkt oder indirekt betroffen sind. Zwischen Vermieter und Mieter besteht wechselseitig eine starke Abhängigkeit. Schließlich hat man nicht nur als Mieter den Wunsch, wirtschaftlich mit beiden Beinen stabil im Leben zu stehen. Viele Vermieter sind auf eine regelmäßige Mieteinnahme in vereinbarter Höhe aufgrund von Darlehensverpflichtungen oder zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts angewiesen. Auch als Vermieter profitiert man somit von einem Mieter, der seine Miete pünktlich und nachhaltig bezahlt. Darüber hinaus ist es auch für einen Vermieter nicht unwichtig, dass ein Mieter über ein gutes Einkommen verfügt bzw. der Mieter sein Einkommen über die Jahre steigern kann, da der Mieter dadurch in der Lage sein wird, regelmäßige Anpassung der Miete an die steigenden Lebenshaltungskosten mitzutragen. Insoweit war die Pandemie mit ihren wirtschaftlichen Auswirkungen (z. B. Entlassungen und Kurzarbeit) durchaus sowohl für Mieter, als auch für Vermieter eine große Belastung. Auf breiter Linie dürfte es jedoch durchaus so sein, dass die überwiegende Zahl der Mieter sich in einer schwächeren Position befindet. Bezahlt ein Mieter aufgrund von Kurzarbeit oder dem Verlust seines Arbeitsplatzes seine Miete vorübergehend nicht, droht ihm mittelfristig der Verlust der Wohnung und die finanziellen Verluste (Gehaltsausfälle oder Gehaltskürzungen) lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt meist nicht einfach so ausgleichen. Ein Vermieter hat ein Stück weit den Vorteil, dass er gegenüber dem Mieter eine Forderung auf Zahlung der Miete hat und diese Forderung bis auf Weiteres bestehen bleibt, auch wenn der Mieter zunächst nicht bezahlen kann. Letztlich hat für Käufer und Verkäufer die Pandemie gefühlt die geringsten Auswirkungen und beschränkte sich im ersten Ansatz zunächst einmal auf den Verlust von Zeit in Form von längeren Wartezeiten zur Wahrnehmung von Besichtigungsterminen, längere Bearbeitungsdauern bei der Finanzierungsbeschaffung oder bei Notaren und Ämtern.

Die Suchmaschine Google zeigt immer noch ein geringes Suchvolumen für Begriffe wie Eigentumswohnung kaufen bzw. mieten. Ist die Krise also noch nicht überwunden, wann gibt’s Besserung?

René Atz-Asen: Wir erwarten nicht, dass der Wohnimmobilienmarkt in Berlin und Potsdam pandemiebedingt einen größeren Einbruch erleben wird. Anders könnte es bei gewerblichen Immobilien aussehen. Es ist davon auszugehen, dass einige Kaufwillige sich aktuell zurückhalten und darauf spekulieren, dass im Spätherbst bzw. gegen Ende des Jahres die Immobilienpreise insolvenzbedingt sinken werden bzw. sich für kurzentschlossene Käufer dann gute Chancen ergeben können. Was die gesamtwirtschaftliche Lage und auch einzelne Berufsgruppen betrifft, ist davon auszugehen, dass die ‚Krise‘ noch nicht überwunden ist und es sogar noch schlimmer werden könnte. Der Wohnimmobilienmarkt in den Großstädten wird darunter jedoch voraussichtlich nicht oder nur sehr überschaubar betroffen sein.

Sind Sie in Ihrem Geschäft von Kontaktbeschränkungen oder anderen Corona-Maßnahmen betroffen?

René Atz-Asen: Es gab durchaus einzelne Mieter, die mit Verweis auf eine Vorerkrankung oder der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe die Wahrnehmung von Besichtigungsterminen verweigert haben. Im Großen und Ganzen hatten die Kontaktbeschränkungen und anderen Corona-Maßnahmen auf uns und unseren Berufsalltag jedoch bislang nur geringe Auswirkungen.

Wie sehr wären Sie mit Ihrem Unternehmen von einem zweiten Lockdown betroffen?

René Atz-Asen: Solange die Wahrnehmung von Besichtigungsterminen nicht untersagt wird, bleiben wir arbeitsfähig.

Werden die Immobilienpreise langfristig wieder fallen?

René Atz-Asen: Ja, voraussichtlich jedoch erst ab dem Jahr 2030, sofern die Bevölkerung in Deutschland abnimmt und die Abnahme nicht durch qualifizierte Zuwanderung ausgeglichen werden kann.

Herr Atz-Asen, vielen Dank für das Gespräch.

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