Unsere Politiker waren miserabel vorbereitet – Dieter Huber (Adorable Immobilien)

Dieter Huber ist Geschäftsführer der Adorable Immobilien Berlin GmbH. Im Interview spricht er über die Auswirkungen der Pandemie auf den Immobilienmarkt und die Risiken eines möglichen 2. Lockdowns.

Wen hat die Pandemie mehr getroffen, die Mieter und Käufer, die keine Notartermine machen konnten oder die Vermieter und Verkäufer?

Dieter Huber: Vier Parteien, wenigstens, waren aufeinander abzustimmen. Die Notare haben uns Makler ersucht bei den Terminen nicht teilzunehmen. Das war unproblematisch, da wir die Teilnahme am Notartermin aus Servicegedanken machen nicht aus Notwendigkeit. Wir werden in der Regel nicht gebraucht. Die Notare haben Teile Ihrer Mannschaft in das Home-Office gebracht und einige haben die Zeiten reduziert bzw. wenige haben schlicht nicht beurkundet, vielleicht Ältere oder Kranke? Notare gelten als systemrelevant.

Wir als Makler haben uns ebenfalls auf Corona eingestellt. Niemand möchte sich vorwerfen lassen, leichtfertig damit umgegangen zu sein. Daher waren stets drei unserer insgesamt sechs Kräfte von April bis Ende Juni im Home-Office. Besichtigungen haben wir, da ausschließlich in der Verkaufsvermittlung tätig, wie gehabt individuell durchgeführt. Zusätzlich haben wir den potentiellen Erwerber mit Maske und Desinfektionstuch ausgestattet, auf die Teilnahme unsererseits an der Besichtigung verzichtet sofern der Eigentümer dies machen wollte bzw. konnte und der Raum etwas enger war.

Mit den Verkäufern konnten wir im Wesentlichen weiterarbeiten wie gewohnt. Offensichtlich ist das wirtschaftliche Interesse so stark bewertet, dass hier am wenigsten zu justieren war. Auch neue Aufträge bei Verkäufern konnten in dieser Zeit sogar verstärkt akquiriert werden. Verstärkt deshalb, da wir in den Monaten April bis Juni unser Augenmerk verstärkt hierauf richteten.

Bei den Interessenten waren nach unserer Beobachtung die deutlichsten Rückgänge zu verbuchen. Offensichtlich galt dann doch Risikovermeidung der Gesundheit vor Wohnbedarf jetzt decken. Die Kontakte von Interessenten zu uns gingen in den drei Monaten sehr deutlich zurück – wir haben insofern eine Zeit gespenstischer Ruhe erlebt. Da waren der eingeschränkte Service der Notariate auch gar kein Problem.

Die Suchmaschine Google zeigt immer noch ein geringes Suchvolumen für Begriffe wie Eigentumswohnung kaufen bzw. mieten. Ist die Krise also noch nicht überwunden, wann gibt’s Besserung?

Dieter Huber: Für uns haben sich die Monate August und September im Umsatz extrem stark entwickelt. Noch sind aber immer weniger Interessenten schnellentschlossen. Vielleicht blieben die weniger Ernsthaften fern? Für uns war es weniger Aufwand als sonst, für ein sehr ordentliches Ergebnis. Da wir einen sehr starken Jahresanfang Januar/Februar hatten sind wir in den Kennzahlen per Ende September nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Ich habe das Gefühl auf dem Immobilienmarkt ist die Krise fast vorbei, vor allem sehen wir bisher in keinem der Teilmärkte (wohnen, gewerblich) negative preisliche Auswirkungen. Das ist entgegen der Meinung von unerfahrenen Interessenten, die wenigstens noch im Juli dachten es käme die Zeit der Schnäppchen.

Sind Sie in Ihrem Geschäft von Kontaktbeschränkungen oder anderen Corona-Maßnahmen betroffen?

Dieter Huber: Ja, die Monate April bis Juni signalisierten Böses. Der Jahresstart und ungewöhnliche Monate August/September haben aber alles egalisiert. Wir hatten noch nie so ruhige Monate wie April 2020 und Juni 2020, haben aber durch bewusste Konzentration auf Objektakquise alles richtig gemacht.

Wie sehr wären Sie mit Ihrem Unternehmen von einem zweiten Lockdown betroffen?

Dieter Huber: Ein zweiter Lockdown würde uns mit Sicherheit indirekt stark treffen. Dabei würden derart viele Existenzen bedroht, dass sich dies auf dem Immobilienmarkt auswirken müsste. Auch nicht auszuschließen bleiben schon heute nach einem 1. Lockdown, den ich persönlich nach wie vor für falsch halte. Unsere Politiker waren miserabel vorbereitet, nämlich gar nicht, sonst hätte man auf einen Lockdown ganz verzichten können. Mittelfristige und langfristige Effekte aus dem 1. Lockdown ergeben sich bei Preisen für gewerbliche Immobilien, insbesondere Läden und Büroflächen sowie Hotels, Pensionen.

Werden die Immobilienpreise langfristig wieder fallen?

Dieter Huber: Sie werden sich unabhängig von Corona entwickeln, wenn es keinen 2. Lockdown gibt, in Abhängigkeit von den Zinsen für Immobilienkrediten und der Einkommenssituation der Haushalte. Sie werden aber nicht ewig weiter steigen, es sei denn wir nehmen (hoffentlich) dauernden Frieden an und kommen nicht mehr in Krisen ganz anderer Art (Euro-Europa, Autoindustrie, Energie- oder Umweltkrisen…).

Herr Huber, vielen Dank für das Gespräch.

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