Liquiditätsproblem durch Kurzarbeit oder Entlassungen – Vivien Hermel (Living in Berlin)

Vivien Hermel ist Inhaberin von Living in Berlin. Im Interview spricht sie über kurzfristige Liquiditätsengpässe bei Käufern und Mietern sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Maklertätigkeit.

Wen hat die Pandemie mehr getroffen, die Mieter und Käufer, die keine Notartermine machen konnten oder die Vermieter und Verkäufer?

Vivien Hermel

Vivien Hermel: Eigentlich kann man sagen, dass die Pandemie alle getroffen hat. Mieter und Käufer hatten plötzlich häufig ein Liquiditätsproblem durch Kurzarbeit oder Entlassungen und konnten sie sich keine Immobilien mehr leisten und Verkäufer und Vermieter hatten das Problem, dass sie ihre Immobilien nicht mehr vermieten oder verkaufen konnten, da keine ausreichend liquiden Interessenten da waren. Zusätzlich bestand natürlich die Schwierigkeit überhaupt Immobilien zu besichtigen.

Die Suchmaschine Google zeigt immer noch ein geringes Suchvolumen für Begriffe wie Eigentumswohnung kaufen bzw. mieten, ist die Krise also noch nicht überwunden, wann gibt’s Besserung?

Vivien Hermel: Das kann ich zumindest für unser Unternehmen nicht bestätigen. Wir haben eine sehr hohe Nachfrage von Interessenten nach Immobilien. Dass eventuell Eigentumswohnungen weniger gesucht werden, liegt vermutlich in Berlin eher an den Fehlleitungen der Politik und dem daraus z.B. resultierenden Berliner Mietendeckel. Es herrscht eher eine politisch bedingte Verunsicherung bei Suchenden und Anbietenden gleichermaßen. Die Pandemie wird grundsätzlich erst überwunden sein, wenn die Politik lernt die eigenen Fehler nicht auf dem Rücken der Wirtschaft auszutragen.

Sind Sie in Ihrem Geschäft von Kontaktbeschränkungen oder anderen Corona-Maßnahmen betroffen?

Vivien Hermel: Derzeit nicht mehr, wir führen Besichtigungen mit Maske oder genügend Abstand durch und natürlich fast ausschließlich mit Einzelterminen, was aber schon immer Gang und Gebe bei uns war. Zwischenzeitlich hatten aber auch wir eine gewisse Zeit, in der wir quasi nicht arbeiten konnten.

Wie sehr wären Sie mit Ihrem Unternehmen von einem zweiten Lockdown betroffen?

Vivien Hermel: Das hängt mehr davon ab, inwieweit sich das erneut auf die Einkommen und die Jobs der Kunden auswirkt. Gibt es keine Kaufkraft mehr, kann sich auch keiner tolle Immobilien leisten. Auf der anderen Seite sind die Verkäufer und Vermieter, die eher zur Vorsicht neigen und nicht wissen, ob sie derzeit verkaufen oder die Immobilien lieber behalten sollen. Es könnte uns also recht stark erwischen, wenn nichts mehr geht – wir können aber auch erneut mit einem blauen Auge davon kommen. Hinzukommend muss man aber ehrlicherweise auch sagen, dass wir in den letzten Jahren und Monaten gut gewirtschaftet haben und auch eine gewisse Zeit überstehen können. Da sind andere Branchen wesentlich stärker betroffen als die Immobilienwirtschaft.

Werden die Immobilienpreise langfristig wieder fallen?

Vivien Hermel: Zumindest kurz- und mittelfristig denke ich das eher nicht. Langfristig hängt es von recht vielen Parametern ab, die derzeit schwer bis kaum einschätzbar sind. Es kommt ja im Immobilienbereich nicht nur darauf an, ob die Leute kaufen/mieten und verkaufen/vermieten wollen, sondern auch wie der Finanzmarkt sich entwickelt, was die Weltwirtschaft macht, usw.

Frau Hermel, vielen Dank für das Gespräch.

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