Uwe Eilers: „Nur nachhaltig wirtschaftende Unternehmen werden dauerhaft erfolgreich sein“

Uwe Eilers ist Vorstand der FV Frankfurter Vermögen AG. Im Interview spricht er über unabhängige Vermögensverwaltung, Familiy Offices und die Herausforderungen von Geldanlagen in Niedrigzinszeiten.

Vermögensverwaltung ist nur was für Superreiche, oder doch nicht? Wie hoch ist üblicherweise das von Ihnen verwaltete Vermögen?

Uwe Eilers

Uwe Eilers: Es gibt tatsächlich Vermögensverwalter, insbesondere sogenannte Family Offices, die ausschließlich reiche Familien betreuen. Die Mehrzahl der unabhängigen Vermögensverwalter betreuen auch Kunden mit Vermögenswerten ab 100.000 Euro. Diejenigen, die eigene vermögensverwaltende Fonds aufgelegt haben, können sogar Kunden betreuen, die darunter liegen. Die FV Frankfurter Vermögen AG deckt die ganze Breite ab, selbstverständlich abhängig davon, was der Kunde wünscht.

Was sind Ihre favorisierten Assetklassen?

Uwe Eilers: Wir investieren sowohl in Anleihen, Edelmetalle und in Aktien. Auf Kundenwunsch beraten wir im Rahmen der Vermögensverwaltung auch Immobilienthemen. Die Gewichtung der Assetklassen ist abhängig von der Risikotragfähigkeit des jeweiligen Kunden. Grundsätzlich bevorzugen wir eine höhere Aktienquote aufgrund des derzeitigen Niedrigzinsumfeldes. Innerhalb der Assetklasse sind wir seit langem übergewichtet in zukunftsträchtige Technologieunternehmen, die in Schlüsseltechnologien tätig sind. Ebenso fahren wir seit langem eine Übergewichtung in der Medizintechnik. Beides hat sich stark bewährt. Im Übrigen legen wir Wert auf die Einhaltung der ESG-Kriterien. Nur nachhaltig wirtschaftende Unternehmen werden dauerhaft erfolgreich sein. Aus dem Grund sind auch unsere Fonds ESG-konform.

Wie schätzen Sie Deutschland als Investitionsstandort ein?

Uwe Eilers: Es gibt sehr viele innovative deutsche Unternehmen, in die man noch relativ günstig investieren kann. Dennoch sollten die Vermögenswerte breit diversifiziert werden, um die Schwankungsbreite in einem überschaubaren Rahmen halten zu können. Das gilt sowohl für Anleihen als auch für Aktien. Branchen- und Länderdiversifikation ist grundsätzlich enorm wichtig.

Das Meridian-Einkommen in Deutschland liegt knapp über 2.500 Euro brutto. Welche finanzielle Empfehlung können Sie dieser Gruppe aussprechen?

Uwe Eilers: Eine grundsätzliche Empfehlung ist nicht seriös. Schließlich hat jeder Anleger unterschiedliche Vermögenswerte zum Zeitpunkt der Beratung. Manchmal sind bereits Immobilien, Wertpapiere oder auch Barvermögen vorhanden. Auch die Familienverhältnisse sind relevant: dazu zählen das Alter des Anlegers genauso wie die familiäre Situation, also z.B. ob Kinder da sind. Welche Gelder werden in Zukunft benötigt, wird es Schenkungen oder Erbschaften geben?

Worin sehen Sie die Herausforderungen in den kommenden Jahren für Ihre Branche?

Uwe Eilers: Die Herausforderungen der unabhängigen Vermögensverwalter sind vielfältig. Grundsätzlich sollte jede Gesellschaft die Digitalisierung aller wesentlichen Prozesse abgeschlossen haben. Die Beratung wird dabei allerdings fast immer persönlich sein, da die Geldanlage bei den meisten Anlegern auf Vertrauen basiert. Die Wertpapier-, Devisen- und Rohstoffmärkte werden ebenso herausfordernd bleiben. Zu viele divergierende Einflussfaktoren lassen viele Anleger ratlos zurück: Was werden die Notenbanken tun, was die Politik in den verschiedenen Ländern? Wird sich die Wirtschaft erholen? Wenn ja, in welchem Zeitraum und welche Branchen werden langfristig leiden und welche profitieren? Wo lassen sich noch Zinsen erwirtschaften, ohne zu große Risiken eingehen zu müssen? Sind Edelmetalle noch sinnvoll?

Was müsste sich ändern, dass die Branche ein starkes Wachstum erfährt?

Uwe Eilers: Das Wachstum in der Branche der unabhängigen Vermögensverwalter ist gut. Schließlich dünnen unsere Hauptwettbewerber, die Banken, ihr Angebot sukzessive aus. Einzig die Bekanntheit müsste erheblich gesteigert werden, damit mehr Anleger unsere Branche als Anbieter stärker in Betracht ziehen.

Herr Eilers, vielen Dank für das Gespräch.

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