Blackrock hat enormes Mitspracherecht bei der Firmen-Strategie – Jens Ohr

Jens Ohr ist Geschäftsführer der Oskar.de GmbH. Im Interview spricht er über die Vorteile breit gestreuter ETF und die Schwierigkeiten von Fondsmanagern den Vergleichsindex zu schlagen.

ETF gelten als einfaches und kostengünstiges Vehikel, um Aktien zu erwerben. Wie genau funktionieren diese Produkte?

Jens Ohr: Manchmal sind die einfachen Dinge die genialsten. Ungefähr so ist das mit ETFs. Der Name ETF bedeutet zwar Exchange-Traded-Fund, also börsengehandelter Fonds, gemeint sind mit der Bezeichnung ETF heute aber sogenannte Index-Fonds. Wie bei einem herkömmlichen Fonds auch, enthält ein ETF verschiedene Aktien. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Fonds (aktiv gemanagte Fonds) werden diese allerdings nicht von einem Fonds-Management ausgewählt, sondern bilden 1:1 einen Index nach. Am Beispiel des DAX bedeutet das: ein DAX-ETF enthält die gleichen 30 Aktien in gleicher Gewichtung wie der DAX. Der Vorteil dabei: Es wird kein teures Fonds-Management mehr benötigt und der DAX-ETF wird sich nie schlechter entwickeln als der DAX (allerdings auch nicht besser). Jedoch ist hierbei wichtig zu wissen, dass die meisten aktiv gemanagten Fonds den Vergleichsindex nicht schlagen. Mit anderen Worten: ein ETF ist günstiger und bringt in den meisten Fällen eine bessere Rendite als aktiv gemanagte Fonds.

Welche Arten von ETF gibt es und worin unterscheiden sich die Produkte?

Jens Ohr: Es gibt mittlerweile tausende von ETFs von vielen verschiedenen Anbietern. Grundsätzlich unterscheidet man aber nach den Asset-Klassen, also Aktien, Anleihen, Rohstoffe, usw. Die meisten ETFs gibt es für den Aktien-Bereich. Die bekanntesten sind die ETFs auf den MSCI-World Index. Über einen MSCI-World ETF können Anleger in mehrere Tausend Aktien gleichzeitig investieren und so eine breite Streuung in ihrem Depot mit nur einem Investment erreichen. Die einzelnen ETFs auf den MSCI World von unterschiedlichen Anbietern unterscheiden sich bei den Kosten, dem sogenannten Tracking-Error oder in der Art der Abbildung (synthetisch/physisch). Da es relativ kompliziert und zeitaufwändig ist, die richtigen ETFs auszuwählen und vor allem auch kontinuierlich zu überprüfen, haben wir OSKAR entwickelt. Da übernehmen wir Auswahl, Rebalancing, Steueroptimierung, usw.

Worin Investieren Menschen derzeit mehr, in Aktien- oder Renten ETF?

Jens Ohr: Laut unseren Statistiken sind Aktien-ETFs nach wie vor die mit Abstand wichtigste Klasse. Renten bzw. Anleihen bringen aktuell zwar Sicherheit aber auch nur wenig Rendite und dienen deshalb eher als stabilisierendes Element bzw. als Beimischung.

Skeptiker sprechen von Gefahren im Zusammenhang mit ETFs. Sehen Sie ebenfalls Risiken in der Asset-Klasse? Welche?

Jens Ohr: Aus Sicht der ETF-Anleger sehe ich außer den typischen Markt-Risiken keine ETF-spezifischen Gefahren. Kritiker bemängeln aber, dass aufgrund des enormen Geld-Volumens, das aktuell in ETFs angelegt ist, die Macht von Firmen wie Blackrock (größter Anbieter von ETFs) zu groß werden könnte. Man muss sich das so vorstellen: Blackrock investiert im Namen seiner Anleger das Geld in verschiedene Aktiengesellschaften. Die Stimmrechte dafür liegen dann aber bei Blackrock. Blackrock hat also als größter Aktionär von z.B. Bayer, BASF oder Allianz enormes Mitspracherecht bei der Firmen-Strategie.

Studien besagen, dass Fondsmanager den Markt auch nicht schlagen. Gibt es trotzdem Vorteile, die für aktive gemanagte Fonds sprechen?

Jens Ohr: Die meisten Fondsmanager schlagen Ihren Vergleichs-Index oder -Markt nicht. Es gibt allerdings welche, die zumindest in manchen Jahren besser performen. Leider weiß man das immer erst hinterher und deshalb sind ETFs aus meiner Sicht sinnvoller als aktive Fonds. Eine Ausnahme könnten Spezial-Themen sein, die sich nicht oder schwer über Indizes abdecken lassen und bei denen das Know-How des Fondsmanagers einen großen Unterschied machen kann.

Herr Ohr, vielen Dank für das Gespräch.

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