Dr. Michael Kohlhase: Die Branche muss aus der „Schmuddelecke“ heraus

Dr. Michael Kohlhase ist Geschäftsführer der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH in München. Im Interview spricht er über die Herausforderungen seiner Branche und dem Trend zu großen Anbietern.

Vermögensverwaltung ist nur was für Superreiche, oder doch nicht? Wie hoch ist üblicherweise das von Ihnen verwaltete Vermögen?

Dr. Michael Kohlhase

Dr. Michael Kohlhase: Ja und Nein. Die meisten Vermögensverwalter – und so auch wir – bieten ihre Hauptstrategie/-kompetenz auch in Form von vermögensverwaltenden Investmentfonds an. Somit kann man als Anleger über diese Fonds schon mit kleinen Beträgen profitieren.

Der direkte Austausch findet allerdings wohl nur statt, wenn man auch ein „echter“ Kunde wird. Das ist bei uns nicht anders und fängt für die standardisierte Variante bei 50.000 Euro und die individuelle Variante bei 500.000 Euro an.

Was sind Ihre favorisierten Asset-Klassen?

Dr. Michael Kohlhase: Wir bevorzugen seit Jahrzehnten den Anleihenbereich. Neudeutsch „fixed income“ genannt. Dieser ist zwar allgemein weniger ertragsversprechend, aber dafür etwas schwankungsärmer. Er hat eigentlich ein geringeres Anlagerisiko und ist für unsere konservativere Kundschaft geeigneter.

Wie schätzen Sie Deutschland als Investitionsstandort ein?

Dr. Michael Kohlhase: Eine schwere Frage. Der Reformstau ist doch signifikant und dennoch schafft es Deutschland häufig, die verschlafenen Trends aufzugreifen und dennoch erfolgreich zu sein. Für die Zukunft wird die Frage der Qualität der Infrastruktur (physisch und digital) von herausragender Bedeutung sein.

Überraschenderweise hat die deutsche Wirtschaft die Corona-Pandemie mit Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten bisher gut gemeistert. Dies hätte man einem Land, in dem es an vielen Orten noch nicht einmal einen Basis-DSL-Anschluss geschweige denn stabilen Mobilfunk gibt, kaum zugetraut. Ich selbst habe an den Orten, an denen ich mich regelmäßig aufhalte, keinen oder nur sehr schlechten Mobilempfang. Und ich lebe nicht im Wald oder in einem Dorf.

Das Meridian-Einkommen in Deutschland liegt knapp über 2.500 Euro brutto. Welche finanzielle Empfehlung können Sie dieser Gruppe aussprechen?

Dr. Michael Kohlhase: Mit diesem Meridian-Einkommen sind wohl kaum große Sprünge zu machen. Insbesondere nicht, wenn man in den teuren Regionen wie beispielsweise München oder Stuttgart lebt. Dennoch sollte man zumindest versuchen, etwas zu sparen. Die Rente wird am Lebensabend nicht mehr ausreichen! Wer wirklich nicht sparen kann, sollte sich zumindest vor möglichen und unnötigen Ausgaben schützen und die nötigsten Versicherungen hierfür abschließen sowie Verträge/Verpflichtungen genau prüfen.

Ein Schritt zum Vermögensaufbau ist sicherlich die eigengenutzte Immobilie. Man spart sich die Miete und zahlt mit diesem Geld etwas ab. Über einen Zeitraum von 30 Jahren und mehr kann man das hinbekommen und hat einen Wert geschaffen. Somit entfällt im Alter zumindest die Miete oder man kann die Immobilie verkaufen und etwas Neues anfangen.

Worin sehen Sie die Herausforderungen in den kommenden Jahren für Ihre Branche?

Dr. Michael Kohlhase: Die Branche leidet einmal – wie fast alle Branchen – unter dem Trend zu großen Einheiten und bekannten Marken. Heute haben wir häufig in den Innenstädten nur noch Ketten und die kleinen Boutiquen und Geschäfte verschwinden oder ganze Geschäftszweige gehen direkt ins Internet. Ein Trend, der nachvollziehbar ist, aber auch Individualität und Vielfalt nimmt. Ähnliches ist in der Finanzbranche zu beobachten.

Die zweite wesentliche Herausforderung ist die ausufernde Regulierung. Sie nimmt unheimlich viel Zeit in Anspruch und verursacht gerade bei kleineren Anbietern unverhältnismäßige Kosten, bzw. stellt diese vor teilweise unlösbare Aufgaben. Sie verstärkt somit den Trend zu großen Einheiten.

Was müsste sich ändern, dass die Branche ein starkes Wachstum erfährt?

Dr. Michael Kohlhase: Da gibt es mehrere Punkte, von denen ich ein paar nennen möchte:

Potenzielle Kunden müssten den Bedarf an professioneller Vermögensverwaltung erkennen und in Anspruch nehmen. Häufig kümmern sie sich allerdings selbst darum, weil sie in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht haben oder der Meinung sind, sowieso alles zu können.

Die Branche müsste aus der „Schmuddelecke“ heraus. Vermögensverwaltung hat in der Bevölkerung ein schlechtes Image, nicht zuletzt aufgrund der Finanzskandale der Vergangenheit und einem häufig fehlenden, echten Mehrwert.

Vielen Kunden fehlt leider auch das Verständnis über die Unterschiede zwischen Anlagevermittlung, -beratung, Vermögensberatung und Vermögensverwaltung und den damit einhergehenden regulatorischen Anforderungen. Sie werden und lassen sich gerne für ungeeignete Produkte und Lösungen einfangen, zumal sie über ihre eigenen Ziele und Bedürfnisse wenig nachdenken. Hier müsste die Branche zeigen, worin der Mehrwert einer echten Vermögensverwaltung liegt.

Vermögensverwaltung ist heute ein stark reguliertes und recht transparentes Geschäft. Der Marktzutritt und somit die Kundengewinnung findet allerdings meist im regionalen Umfeld statt. Somit ist ein kleiner Anbieter häufig auf wenige lokale Kunden oder persönliche Kontakte beschränkt. Hier kommt man eigentlich nur mit Marketing und landesweit verfügbaren Produkten heraus. Der Zwang, Prozesse zu digitalisieren ist gegeben. Zumal die zukünftige Kundschaft -gerade im Hinblick auf die Möglichkeiten der IT-Systeme- andere Ansprüche haben wird. Dies betrifft Bereiche wie Anbindung, digitale Kommunikation, papierloses Reporting, usw.

Die Regulierung, die Vermögensverwalter gefühlt fast wie Banken behandelt, müsste Erleichterungen auf den Weg bringen. Also regulatorische Anforderungen, die aufgrund der Größe und des Geschäftsvolumens, entsprechend abgestuft und sinnvoll sind.

Herr Kohlhase, vielen Dank für das Gespräch.

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