Horst Seibold: Der Standort Deutschland hat sich deutlich verschlechtert

Horst Seibold ist Vermögensverwalter bei der Dr. Boss Finanzmanagement GmbH. Im Interview spricht er über Deutschland als Investitionsstandort.

Vermögensverwaltung ist nur was für Superreiche, oder doch nicht? Wie hoch ist üblicherweise das von Ihnen verwaltete Vermögen?

Horst Seibold: Unsere Mandate erstrecken sich von ca. 50.000 Euro  bis 5.000.000 Euro.

Was sind Ihre favorisierten Assetklassen?

Horst Seibold: Aktien, Anleihen, Wandelanleihen, Immobilien, Rohstoffe und Gold.

Wie schätzen Sie Deutschland als Investitionsstandort ein?

Horst Seibold: Der Standort Deutschland hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich verschlechtert. Man hat es versäumt ausreichend in die Infrastruktur und besonders in die Digitalisierung zu investieren. Die Politik hat an Berechenbarkeit verloren. Wir haben den höchsten Strompreis weltweit. Wir investierten planwirtschaftlich schon über eine Billion in die Energiewende, die auch ökologisch keinen nennenswerten Nutzen bringt. Die Marktwirtschaft wird durch zunehmende staatliche Lenkung immer mehr eingeschränkt. Europa hat keine strategische Antwort auf die Politik in China und den USA. Deutschland haftet im hohen Maße für die Schulden der Südländer.

Das Meridian-Einkommen in Deutschland liegt knapp über 2.500 Euro brutto. Welche finanzielle Empfehlung können Sie dieser Gruppe aussprechen?

Horst Seibold: Das effektivste ist die verbesserte betriebliche Altersvorsorge. Zusätzlich hat diese Zielgruppe dann nur noch wenig Spielraum etwas anzuspannen.

Worin sehen Sie die Herausforderungen in den kommenden Jahren für Ihre Branche?

Horst Seibold: Unsere größte Herausforderung ist mit Abstand der bürokratische Aufwand der durch die zunehmende Regulierung entsteht. Ein großes Thema ist das veränderte Kundenverhalten. Wir fragen uns wie lange der Kunde noch persönliche Beratung nachfragt, oder die kommende Generation die Anlagen über digitale Systeme alleine erledigt. Drittens ist es der fehlende Zins, der sich letztlich auf alle anderen Anlageklassen auswirkt. Eines ist sicher, die Finanzbranche muss sich fundamental an die neuen Umweltbedingungen anpassen.

Was müsste sich ändern, dass die Branche ein starkes Wachstum erfährt?

Horst Seibold: Die Regulierung müsste auf ein vernünftiges, den einzelnen Unternehmen angepasstes Maß zurückgefahren werden. Die Wirtschaftspolitik in Europa sollte statt der zunehmenden Umverteilungspolitik wieder mehr marktwirtschaftliche Komponenten zulassen. Nur wenn Europa in puncto Produktivität mit dem Rest der Welt mithalten kann, ist eine steigende Vermögensbildung möglich. Trotz alledem ist es schwer vorstellbar, dass unsere Branche durch Wachstum glänzen wird. Die digitalen Riesen aus den USA drängen zunehmend in den Markt, und glauben sie es mir, das sind mächtige Gegner.

Herr Seibold, vielen Dank für das Gespräch.

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