Slow ist das neue Down

Nina Geiss ist Geschäftsführerin der CarFellows GmbH. Im Interview spricht sie über Vorteile und Kosten von Leasinglösungen.

Firmenfahrzeuge werden fast immer geleast, welche Vorteile hat das Leasing im Vergleich zum Kauf eines Fahrzeugs?

Martin Osterberger-Seitz (Founder), Nina Geiss (Co-Founder & CEO), Engelbert Wimmer (Founder)

Nina Geiss: Beim Leasing wird ein Auto vom Leasingnehmer nicht gekauft, sondern gegen eine Gebühr für einen bestimmten Zeitraum genutzt. Damit entfallen die großen Investitionen bei der Anschaffung und die monatlichen Raten sind üblicherweise sogar deutlich niedriger als bei einer klassischen Fahrzeugfinanzierung. Da die Laufzeit des Vertrages begrenzt ist, gibt es alle paar Jahre eine Option auf ein brandneues Auto. Für Gewerbetreibende, Freiberufler und Unternehmen lohnt sich ein Leasing dazu auch steuerlich. Die Steuergesetzgebung erlaubt es nämlich, die monatlichen Leasingraten in voller Höhe als Betriebsausgaben von der Steuer abzusetzen. Und noch einen Vorteil gibt es: Die Hausbank sieht die Leasingkosten zwar als Betriebsausgaben, aber eben nicht als Kredit in der Höhe der Fahrzeugkosten. Damit bleibt mehr Spielraum für die wichtigeren Finanzierungen der Firma und das Eigenkapital wird geschont.

Die Kaufpreise für E-Autos sind höher als für Verbrenner. Lohnt sich das Leasing trotzdem?

Nina Geiss: Auch für die E-Autos gilt vorhin gesagtes. Allerdings hat der Fiskus zur Unterstützung des Umstiegs in eine nachhaltigere Mobilität die Versteuerung der privaten Nutzung zusätzlich stark begünstigt. Bis zu einem Bruttolistenpreis von aktuell bis zu 60.000 Euro fallen nur 0,25% des Neuwagenpreises als pauschale Abgeltung für die private Nutzung des Dienstwagens an. Bei Plug-in Hybriden gilt die sogenannte 0,5-Prozent-Steuer mit immerhin noch der halbierten Bemessungsgrundlage gegenüber Modellen mit Verbrennungsmotor. Allerdings nur, wenn das Auto mindestens 40 Kilometer weit rein elektrisch schafft oder maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Damit nicht genug, halbiert oder viertelt der Staat die 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer besteuerten Fahrten zwischen der Wohnung und Arbeitsstätte. Auch das kann sich in einem Jahr zu einer stolzen Einsparung summieren, 

Welche sind wichtigsten Faktoren für die Höhe der monatlichen Leasingrate?

Nina Geiss: An erster Stelle ist der Anschaffungspreis des Fahrzeuges ausschlaggebend. Als zweites der angenommene Restwert des Fahrzeuges zum Vertragsende, da während der Laufzeit durch die Nutzung des Fahrzeuges ein Wertverlust entsteht. Und drittens: Die Kilometerleistung, denn diese beschreibt ja, wie sehr das Fahrzeug genutzt wurde. Schließlich ist die Laufzeit des Vertrages zu nennen, wobei meist (aber nicht immer) gilt: Je länger die Laufzeit, desto günstiger die Raten.

Viele Unternehmen wünschen Planungssicherheit. Gibt es die Möglichkeit alle Risiken im Zusammenhang mit dem Fahrzeug über Leasingverträge abzudecken?

Nina Geiss: Gerade beim Thema Planungssicherheit punktet das Leasing. Der Leasingnehmer kümmert sich nicht um schwankende Zinsen, den Wertverlust und die Verwertung des gebrauchten Fahrzeuges, möglichen Verschleißes oder Reparaturen, sofern nicht als Schaden durch den Leasingnehmer verursacht.

In welchen Fällen lohnt sich Leasing für Privatpersonen?

Nina Geiss: Mit Ausnahme der steuerlichen Aspekte gilt wie beim Firmenleasing: Wer gerne neue Fahrzeige samt moderner Ausstattung und Technik haben möchte und diese alle paar Jahre gerne wechseln will; wer lieber Planungssicherheit bezüglich der monatlichen Raten haben möchte und den Nervenkitzel des Verkaufes seines alten Fahrzeuges nicht haben will – oder wer unkalkulierbare Kosten für Verschleißreparaturen scheut, für den ist ein privates Leasing geeignet. Wer aber nicht so besonders pfleglich mit seinem Fahrzeug umgeht, es über fünf Jahre nutzt oder wer sich nicht halbwegs sicher ist, wieviel er oder sie in einem Jahr in etwa fahren wird, der sollte lieber finanzieren oder kaufen.

Hatte die Pandemie Auswirkungen auf Ihre Branche? 

Nina Geiss: In den Wochen des Lock-Downs hatten die Menschen andere Sorgen, als sich neue Autos zu kaufen. Deswegen war auch bei uns erst der Absatz stark zurückgegangen und wir hatten eine harte Zeit. Dann aber waren wir mit unserem Geschäftsmodell genau an der richtigen Stelle, denn nun wandten sich plötzlich nicht nur mehr die digital affinen Käufer an uns, sondern auch viele Menschen, die eben nicht mehr den Kontakt im Autohaus haben wollten. Die Förderprämien der Bundesregierung für die Elektrofahrzeuge taten das Ihrige und wir verstehen mittlerweile, dass wir als Gewinner aus dieser Krise hervorgehen werden. 

Welche sind die aktuellen Trends in Ihrer Branche?

Nina Geiss: Die genannten Förderungen im Bereich der E-Fahrzeuge und Hybride bestimmen derzeit natürlich sehr die Art von Fahrzeugen, die nun auch bei uns stark nachgefragt wird. Leider sind aber die Lieferzeiten für diese Autos wegen der begrenzten Kapazitäten für die Produktion von Batterien nun auf meist über ein Jahr hochgeschnellt. Das ist sehr viel länger, als die Kunden warten wollen. Eine Herausforderung für alle Hersteller. Ein anderes Trendthema ist die berührungsfreie und hygienisch saubere Lieferung der Autos. Das ist ein Trendthema, dem wir sehr viel Zeit widmen. Und schließlich steigt die Erwartung der Autokäufer bezüglich der Qualität und der Bearbeitungszeit von Anfragen und Nachfragen stark an. Slow ist das neue down, nennen wir das. In all diesen Punkten sehen wir uns aber sehr gut aufgestellt.   

Frau Geiss, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.