Das Ende der Zettelwirtschaft – Lukas Zörner (Penta)

Lukas Zörner ist Chief Build Officer (CPO) bei Penta. Im Interview spricht er über den hohen Innovationsdruck in der Finanzbranche und innovative Lösungen von Fintechs.

Lukas Zörner
(c) ALFA

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Lukas Zörner: Fintechs konnten sowohl im B2C, als auch im B2B Bereich gewinnen. Neobanken wurden lange Zeit von der Bankenbranche belächelt, aber mittlerweile sind es ernstzunehmende Player, mit eigenen Banklizenzen und großen Kundenstämmen, die in der gleichen Liga spielen. Genauso geht es vielen Fintechs, die als technische Dienstleister bei der Digitalisierung helfen, weil es für viele Institute zu teuer und zu langwierig wäre, alle digitalen Produkte selber inhouse zu entwickeln.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Lukas Zörner: Pentas Kern ist ein digitales Geschäftskonto für kleine und mittlere Unternehmen, als auch für Unternehmen in Gründung sowie Selbstständige. Rund um das Geschäftskonto versorgen wir unsere Kunden mit vielen Services: digitales Spesenmanagement, Debitkarten mit individuellen Limits für ihre Angestellten, Auslandszahlungen, Multi-Konten und vieles mehr.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Lukas Zörner: Wir sind zum einen sehr kundenzentriert, weil wir unser Produkt ständig anhand von Feedback unserer Kunden weiterentwickeln – bei uns können Kunden z.B. abstimmen, welches Feature als nächstes kommen soll und auch eigene Vorschläge machen. Zum anderen sind wir eben 100 % digital unterwegs. Das bedeutet, dass nicht nur unsere Prozesse nach außen, für die Kunden, sondern auch im Maschinenraum digital laufen. Das hat gerade während Corona den Vorteil, dass kein Kunde seine Gesundheit aufs Spiel setzen muss, um in eine Filiale zu gehen, sondern er wie gewohnt alles bequem online regeln kann. Und unser Team hatte keinerlei Probleme mit dem Umzug ins Home Office, der Service hat dadurch nicht gelitten. 

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Lukas Zörner: Wenn man uns von außen betrachtet, wirken wir wahrscheinlich wie der klassische Angreifer: wir digitalisieren das Firmenkundengeschäft und stehen damit in Konkurrenz mit den traditionellen Banken. Aber im Leben ist nicht alles schwarz-weiß. Zu unseren Investoren gehören z.B. über den VR Ventures Fonds auch traditionelle Banken, und wir haben in der Anfangsphase von Corona auch eine Partnerschaft mit der Volksbank Bielefeld-Gütersloh gestartet, um unseren Kunden Zugang zu den Krediten der KfW zu ermöglichen. Von daher: ja, natürlich sind wir angetreten, um möglichst viele Kunden für unser Produkt zu gewinnen und damit eine Alternative zu anderen Playern zu sein. Auf der anderen Seite schließt das aber, auch in Zukunft, Kooperationen nicht aus.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationsdruck?

Lukas Zörner: Ich empfinde den Innovationsdruck schon als recht hoch – dabei driftet es leider auch schon mal ins Lächerliche ab. Ich erinnere mich an ein Panel auf einem Bankenkongress, wo sich die Teilnehmer darin überboten, wer den schnellsten digitalen Kontoeröffnungsprozess hat – da ging es um Minuten und Sekunden. Am Ende ist das für den Kunden kaum noch relevant, er wird nicht wegen einer Minute mehr oder weniger ein Produkt wählen, sondern das Gesamtpaket dahinter muss stimmen, sprich die Leistung im Alltag, der Service als auch der Preis. Mittlerweile bieten auch viele Banken digitale Services an, genau wie wir. Dabei finde ich es wichtig, zu sehen, wie digital diese Leistungen wirklich sind: Geht es nur um eine weitere digitale Antragsstrecke oder ist das ganze Produkt/Service-Erlebnis digitalisiert? 

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Lukas Zörner: Wir werden weiterhin Penta als Plattform ausbauen – das bedeutet, eigene Produkte entwickeln, als auch weitere Partner integrieren, die einen Mehrwert für unsere Kunden haben. Ein großes Thema ist da die vorbereitende Buchführung. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit einem Partner, dass Penta-Kunden direkt aus ihrem Geschäftskonto heraus ihrem Steuerberater alle relevanten Abrechnungen zur Verfügung stellen können. Das wäre das Ende der Zettelwirtschaft.

Herr Zörner, vielen Dank für das Gespräch.

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